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Shared Hosting: Keine russischen Trolle bei Berliner Antifas

Die New York Times berichtet, dass Berliner Antifagruppen von Russland gesteuert sein könnten. Die Belege dafür sind äußerst dünn: Offenbar nutzen die Gruppen lediglich einen Webhoster, der in der Vergangenheit auch von russischen Agenten genutzt wurde.
/ Hanno Böck
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Die Webseite einer Berliner Antifa-Gruppe findet ein von der New York Times zitierter Experte verdächtig. Dabei geht es offenbar lediglich um gewöhnliches Shared Hosting. (Bild: Antifa Nordost)
Die Webseite einer Berliner Antifa-Gruppe findet ein von der New York Times zitierter Experte verdächtig. Dabei geht es offenbar lediglich um gewöhnliches Shared Hosting. Bild: Antifa Nordost

Ein Artikel der New York Times(öffnet im neuen Fenster) über eine mögliche Beeinflussung der Europawahl spekuliert über Verbindungen von Berliner Antifa-Gruppen zu russischen Regierungshackern. Doch die angeblichen Belege zeigen lediglich, dass die Gruppen einen Webhostingprovider nutzen, der in der Vergangenheit mit russischen Aktionen in Beziehung stand. Trotzdem übernahmen zahlreiche deutsche Medien die Berichterstattung unkritisch.

Die New York Times beruft sich auf einen ehemaligen FBI-Analysten namens Daniel Jones. Dieser verweist darauf, dass die Antifa Westberlin(öffnet im neuen Fenster) und die Antifa Nordost(öffnet im neuen Fenster) ihre Webseiten auf einem Server hosten, auf den auch die Domain carbon2u.com 2015 zeigte. Diese Domain wiederum wird mit Aktionen der Gruppe APT28 in Verbindung gebracht, was auch an anderer Stelle zu lesen ist(öffnet im neuen Fenster) .

139 Domains auf demselben Server

Doch insgesamt zeigen 139 verschiedene Domains auf diesen Server(öffnet im neuen Fenster) , die alle wenig miteinander zu tun haben. Das ist nichts Ungewöhnliches: Bei gängigen Webhosting-Angeboten ist es üblich, zahlreiche Webseiten auf demselben Server zu betreiben. Die IP-Adresse des Servers gehört zu einem Webhoster aus Malaysia namens Shinjiru(öffnet im neuen Fenster) . Denkbar ist, dass die Berliner Antifas entweder direkt dort Kunde sind oder bei einem weiteren zwischengeschalteten Anbieter, der dort seine Server anmietet.

Als weiteren Beleg verweist der Experte der New York Times darauf, dass eine der Antifa-Domains mit einer Mailadresse registriert ist, die von russischen Akteuren für Phishingattacken genutzt wurde. Auch das lässt sich leicht erklären: Es handelt sich um die Mailadresse eines anonymen Domainregistrars. Auf die mangelhaften Belege hatte zunächst die Journalistin Karolin Schwarz auf Twitter hingewiesen(öffnet im neuen Fenster) , auch die Taz berichtete darüber(öffnet im neuen Fenster) .

"Bemerkenswert": Antifas demonstrieren gegen AfD

Als Beleg für die Wahlbeeinflussung verweist der Experte Jones darauf, dass beide Gruppen kürzlich zu einer Demonstration gegen die AfD aufgerufen haben. Eine Tatsache, die auch Spiegel Online(öffnet im neuen Fenster) "bemerkenswert" findet.

Die beiden betroffenen Antifa-Gruppen haben sich inzwischen mit einer gemeinsamen Stellungnahme gemeldet(öffnet im neuen Fenster) . Dass sie die Wahl beeinflussen wollen, bestreiten sie nicht: "Ja, wir wollen die kommenden EU-Wahlen beeinflussen, vor allem zu Ungunsten der AfD und anderer Parteien, die sich beispielsweise für einen nationalistischen und geschichtsrevisionistischen Grundkonsens, Neoliberalismus und die Festung Europa einsetzen."


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