New Horizons: Nasa testet erstmals interstellare Parallaxenverschiebung

Vom Rand unseres Sonnensystems sieht der Himmel anders aus - zumindest Teile davon, wie Bilder der Nasa-Sonde New Horizons zeigen.

Artikel veröffentlicht am ,
Künstlerische Darstellung von New Horizons: die größte bisherige Parallaxen-Basislinie
Künstlerische Darstellung von New Horizons: die größte bisherige Parallaxen-Basislinie (Bild: Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory/Southwest Research Institute)

Die Raumsonde New Horizons, die inzwischen rund 6,5 Milliarden km von der Erde entfernt ist, hat einen anderen Blick auf die Sterne. Für sie stehen die erdnächsten Sterne an einer anderen Position als bei der Betrachtung von der Erde aus. "Man kann sagen, dass New Horizons einen fremdartigen Himmel betrachtet, anders als den, den wir von der Erde aus sehen", sagte Alan Stern, wissenschaftlicher Leiter des New-Horizons-Projekts. "Das hat uns etwas ermöglicht, das zuvor nicht erreicht wurde: dass die nächstgelegenen Sterne auf dem Himmel erkennbar gegen die Positionen verschoben sind, an denen wir sie auf der Erde sehen."

Ende April richtete die Sonde ihren Long Range Reconnaissance Imager (Lorri), eine Kamera, die an einem 20,8-Zentimeter-Teleskop sitzt, auf die Sterne Proxima Centauri und Wolf 359, die der Erde relativ nahe sind. Gleichzeitig nahmen Teleskope in Australien und den USA die beiden Sterne auf. Werden die Bilder übereinander gelegt, erscheinen die Sterne Proxima Centauri und Wolf 359 an verschiedenen Positionen, während die weiter entfernten Sterne auf beiden Bildern an gleicher Stelle zu sehen sind.

Parallaxeneffekt wird die Verschiebung eines Objekts gegen seinen Hintergrund genannt. Die einfachste Möglichkeit, die Parallaxe zu sehen, ist es, den Arm auszustrecken und den Daumen hochzurecken. Betrachtet man ihn abwechselnd nur mit jeweils einem Auge, erscheint der Daumen an unterschiedlichen Positionen.

  • Bilder von irdischen  Teleskopen und New Horizons, übereinander gelegt. Das linke zeigt Proxima Centauri, das rechte Wolf 359. Die Bilder sind für die Betrachtung mit einer Rot-Grün-Brille gedacht. (Bild: Nasa)
Bilder von irdischen Teleskopen und New Horizons, übereinander gelegt. Das linke zeigt Proxima Centauri, das rechte Wolf 359. Die Bilder sind für die Betrachtung mit einer Rot-Grün-Brille gedacht. (Bild: Nasa)

Dieser Effekt wird genutzt, um die Entfernung zu einem Objekt am Himmel zu bestimmen. Bei der Betrachtung der Sterne von der Erde aus ist die Parallaxenverschiebung jedoch sehr gering und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Dafür werden sehr präzise Instrumente benötigt.

Mit New Horizons bietet sich eine ganz neue Perspektive: "Das New-Horizons-Experiment liefert die größte bisherige Parallaxen-Basislinie - über 4 Milliarden Meilen - und ist die erste Demonstration einer gut beobachtbaren Sternparallaxe", sagte Tod Lauer, Mitglied des Wissenschaftsteams von New Horizons und einer der Organisatoren des Parallaxenexperiments.

Die Sonde New Horizons war im Januar 2006 gestartet. Das Primärziel der Mission war die Erforschung des Zwergplaneten Pluto, den die Sonde am 14. Juli 2015 passierte. Danach steuerte sie Ultima Thule an. Sie erreichte das zweiteilige Objekt im Kuipergürtel zum Jahreswechsel 2018/19.

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Flasher 14. Jun 2020

Sind die Messungen der Entfernung zu Proxima Centauri denn nun identisch gewesen zu denen...

Qual 13. Jun 2020

Könnte mich weglegen, dass das eine Meldung wert ist.

kazhar 13. Jun 2020

"Stabil" ist nicht so das Problem. Das bietet jeder halbwegs freie Orbit um die Sonne...



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