Neurowissenschaft: Entkoffeinierter Kaffee macht doch munter
In einer Doppelblindstudie(öffnet im neuen Fenster) an der Universität von Novo Mesto (Slowenien) ist die Wirkung von entkoffeiniertem Kaffee auf Menschen mit typischem Kaffeekonsum getestet worden. In dem Experiment war weder den Versuchspersonen noch dem Forschungsteam bekannt, wem koffeinhaltiger und wem koffeinfreier Kaffee gereicht wurde. Das zeigte sich erst bei der Auswertung der Ergebnisse.
Außerdem wurde stets entkoffeinierter Kaffee verwendet, aber bei der Hälfte der Tassen wurde die übliche Menge Koffein künstlich zugesetzt, um Geschmack und Geruch anzugleichen. Die Teilnehmer gaben vor der Studie an, regelmäßig drei Tassen Kaffee pro Tag oder mehr zu trinken. Vor den Experimenten mussten sie aber mindestens 8 Stunden abstinent gewesen sein.
Insgesamt entspricht der Durschnittskonsum der Versuchspersonen noch nicht einmal dem typischen Verbrauch in Deutschland. Gerechnet auf die Gesamtbevölkerung werden hierzulande pro Kopf 164 Liter im Jahr getrunken, was für diejenigen, die tatsächlich Kaffee konsumieren, vier Tassen pro Tag macht.
Chemie oder Ritual
Obwohl die Wirkung von Koffein auf das Herz-Kreislauf-System und bestimmte neurochemische Prozesse bekannt ist, gibt es weitere vermutete Auslöser, die die gleichen Auswirkungen haben könnten. Dazu gehören der Geruch und Geschmack des Kaffees ebenso wie das Ritual des Kaffeetrinkens selbst, dem eine belebende Wirkung nachgesagt wird.
Um dem auf den Grund zu gehen, wurden Herzfrequenz, Blutdruck und Gehirnaktivität der Probanden vor und nach dem Konsum aufgezeichnet. Hier wären Unterschiede zwischen den beiden Testgruppen zu erwarten gewesen, die aber in den Experimenten nur minimal waren.
Sowohl bei der Gruppe, die Kaffee mit Koffein getrunken hatte, als auch in der Kontrollgruppe wurden ein erhöhter Blutdruck sowie eine verminderte Herzfrequenz registriert. Bei der Gehirnaktivität konnten gar keine Unterschiede zwischen den Gruppen beziehungsweise vor und nach dem Konsum festgestellt werden.
Doch noch eine Wirkung
Einzig ein zusätzlicher Reaktionstest zeigte eine signifikante Verbesserung bei den Personen, die Koffein in ihrem Heißgetränk hatten. Allerdings zeigten sich auch bei der Placebogruppe Verbesserungen, wenn auch nicht ganz so stark. Hierzu passt, dass auch andere Bestandteile des Kaffees im Verdacht stehen, neurologische Prozesse zu beeinflussen.
Ein bisschen wirkt das Koffein also doch, aber allein das Ritual kann schon helfen, wie die Studie zeigt. Allerdings seien weitere Experimente nötig, meint Erstautorin Mateja Lesar.
Abgesehen davon ist die Aussagekraft der Ergebnisse bei gerade einmal 20 Teilnehmern begrenzt. Aber gut zu wissen, dass eine Tasse entkoffeinierter Kaffee zwischendurch offenbar auch ihre Wirkung hat.