Neuralink: Elon Musk sucht nach besserer Verbindung zum Gehirn

Ein Loch wird in den Schädel gesägt, 1.024 kleine Drähte werden ins Gehirn gesteckt. Neuralink klingt nach Science-Fiction, ist es aber nicht.

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Die Drähte werden gezielt von einem Roboter implantiert, um keine Adern zu treffen.
Die Drähte werden gezielt von einem Roboter implantiert, um keine Adern zu treffen. (Bild: Neuralink / Screenshot (Golem.de))

Elektroden zur Hirnstimulation sind in der Medizin nichts Neues. Sie helfen Patienten mit schwerem Parkinson und anderen Krankheiten, mehr Kontrolle über ihren Körper zurückzugewinnen. Elon Musks Firma Neuralink will dieses Prinzip nutzen und mit viel mehr Elektroden, höherer Empfindlichkeit, mehr Flexibilität und Automatisierung der Implantierung deutlich verbessern.

Inhalt:
  1. Neuralink: Elon Musk sucht nach besserer Verbindung zum Gehirn
  2. Drahtloses Laden und verschlüsselte Signale per Bluetooth

In der Nacht zum Samstag präsentierten Elon Musk und das Team von Neuralink die Version 0.9 des Implantats in einem Livestream. Es ist 8 mm dick bei einem Durchmesser von 23 mm. Es ist also so groß wie ein Stapel aus drei 1-Euro-Münzen, nur einen Millimeter dicker. Es ersetzt einen Teil der Schädeldecke, der bei der Implantation entfernt wird.

An dem Gerät in der Schädeldecke sind 1.024 Elektroden mit einem Durchmesser von 5 Mikrometer befestigt, die von einem Roboter im Gehirn implantiert werden. Die Drähte haben genug Flexibilität, dass sie die Bewegung des Gehirns im Schädel ausgleichen können, ohne Schäden im Gewebe zu verursachen. Im Vergleich zu älteren Geräten, mit denen in der Forschung versucht wurde Hirnaktivitäten auszulesen, ist die Implantation bei Neuralink ausgesprochen sanft.

Großer Fortschritt im Vergleich zu alter Technik

Das sogenannte Utah Array, das 2006 vorgestellt wurde, war ein 3,2 mm großer Chip, der direkt auf dem Gehirn einer Katze aufgebracht wurde. Es besaß 100 Elektroden mit einem Durchmesser von 80 Mikrometern, etwa so dick wie ein menschliches Haar. Der Chip wurde mit einer Art Luftdruckhammer in das Hirngewebe gedrückt. Die viel dünneren und zahlreicheren Elektroden von Neuralink werden dagegen gezielt, kontrolliert und einzeln implantiert. Diese Aufgabe übernimmt dabei kein Mensch, sondern ein Roboter, der programmiert wurde, während der Prozedur die Blutgefäße im Gehirn zu vermeiden.

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Das Ziel ist derzeit vor allem, bei medizinischen Problemen zu helfen, die durch Auslesen von Gehirnaktivität oder direkter Stimulation gelöst werden könnten. Elektrische Kontakte sollen die Signale von Neuronen vermessen, den Fortsätzen der Nervenzellen im Gehirn. Daher kommt auch der Name Neuralink.

Die Kontakte können mit der aktuellen Technik aber nur wenige Millimeter tief ins Gehirn eingebracht werden. Dort finden hauptsächlich Prozesse wie die Signalverarbeitung von Nervenzellen statt, etwa von Augen, Ohren oder vom Tastsinn. Neuralink hofft auf diese Weise bei Blindheit, Taubheit und Lähmungen zu helfen.

Zurzeit wird mit Schweinen getestet

Allerdings wurden derzeit nur die Implantation und das Auslesen von Hirnaktivitäten in Schweinen demonstriert. Live wurden dabei die Hirnsignale vom Tastsinn der Schnauze gezeigt. In einer Aufzeichnung war zu sehen, wie sich aus den Hirnsignalen beim Laufen auf einem Laufband die Stellung der Beine rekonstruieren lässt. Ebenso gezeigt wurde ein offensichtlich gesundes Schwein, dem ein solches Implantat erst eingepflanzt und später wieder entfernt wurde. Diese Möglichkeit sei wichtig für den Fall von Komplikationen und um Upgrades durchführen zu können.

Neuralink hofft in Zukunft, die Dauer und Kosten der Prozedur auf etwa eine Stunde und einige tausend US-Dollar senken zu können. Das entspricht ungefähr dem Niveau einer Lasik-Augenoperation. Die aktuellen Operationen an Schweinen seien dafür noch nicht repräsentativ, da die Technik noch erprobt werde. Wie lang die Operation bei den Schweinen dauerte, wurde nicht gesagt.

Nach Aussage von Neuralink werden die Schweine durch positive Verstärkung trainiert, also ohne Bestrafungen, und sollen wenn möglich die Freiheit haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Das schließt auch ein, an einem Experiment nicht teilzunehmen. So ließ sich das implantierte Schwein auch erst nach einiger Zeit dazu überreden, den Laufstall auf der Bühne zu betreten.

Die US-Regulierungsbehörde FDA hat Neuralink inzwischen eine Versuchserlaubnis für den Einsatz im Menschen als sogenanntes Breakthrough Device erteilt. Dabei kommen nur Menschen mit tödlichen oder irreversibel lähmenden und ähnlichen Krankheiten als Patienten in Betracht. Bislang wurde allerdings noch nichts davon durchgeführt. Dabei soll die Technik schon jetzt auch für Menschen eine alltagstaugliche Form haben.

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Drahtloses Laden und verschlüsselte Signale per Bluetooth 
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PanicMan 09. Sep 2020

Habe dazu noch einen Artikel gefunden: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher...

thecrew 31. Aug 2020

Vielleicht haben wir die eh schon erreicht und hängen alle nur in einer...

Dwalinn 31. Aug 2020

Wie beim Herzschrittmacher werden sicherlich keine 08/15 Batterien genutzt die nur auf...

Hans Meyer 31. Aug 2020

Es gilt ja als gesichterte Verschwörungstheorie, dass es solche und solche Schweine gibt...

torstenj 30. Aug 2020

Ich will das haben, vielleicht kann ich mit dem Implantat sogar im Schlaf Netflix gucken...



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