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Vieles ist nicht verstanden

Golem.de: Ist es denn grundsätzlich möglich, Wissen ins Gehirn zu laden? Und wie müssten solche Signale dann kodiert sein?

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Helmstaedter: Mit einer Messung von außen sieht man im besten Fall, wann ein Spike, also ein Aktionspotential, in der Nervenzelle aufgetreten ist. Wir wissen aber, dass die wenigsten Nervenzellen zu einem gegebenen Zeitpunkt aktiv sind. Die meisten sind still. Sie sind aber mindestens ebenso wichtig wie die aktiven. Wenn man das Nervenzellennetzwerk wirklich verstehen und in seiner Aktivität steuern will, dann reicht es nicht, lediglich den aktiven Nervenzellen zuzuhören, sondern man muss auch verstehen, welche Nervenzellen nicht aktiv sind. Dies gelingt bisher nur mit optischen Methoden. Hier sehen Sie ein klares Limit dessen, was mit Elektroden heute möglich ist.

Dann zum Thema Upload von Wissen: Was man nicht vergessen darf, wir reden hier über Nervenzellen - die Speicherung von Informationen im Gehirn geschieht aber nach allem, was wir wissen, auf der Ebene der Synapsen, den Kommunikationsorten zwischen den Neuronen. Jede der 86 Milliarden Nervenzellen im menschlichen Gehirn hat rund 10.000 davon. Wenn man also irgendwelches Wissen ins Gehirn einbringen möchte, dann muss man sich sehr genau überlegen, wie man das machen will. An die Synapsen kommen wir nur indirekt heran. Die könnte man natürlich elektrisch stimulieren, aber das ist ein anderes Level von Präzision. Deshalb halte ich das ganze Upload-Thema aktuell für Science Fiction.

Golem.de: Sie haben mehrfach Wendungen benutzt wie "nach allem, was wir wissen" oder "das ist noch nicht ganz verstanden." Stehen wir beim Verstehen des menschlichen Gehirns noch am Anfang ?

Helmstaedter: Absolut. Wir stehen in der Hirnforschung - das macht sie auch so interessant - am Anfang eines umfassenderen Verständnisses der Nervenzellnetzwerke. Wir wissen relativ viel über einzelne Nervenzellen, auch dank der Elektrodentechniken. Man kann die Aktivität einzelner Nervenzellen ganz gut vermessen.

Netzwerke der Nervenzellen noch nicht gut verstanden

Aber die Netzwerke der Nervenzellen - und darin steckt wahrscheinlich das Interessanteste im Gehirn - sind weder in ihrer Struktur noch in ihrer Aktivität gut verstanden. Da sind wir noch ganz am Anfang.

Golem.de: Mit Tesla hat Musk die Elektromobilität sehr stark vorangebracht. Wie sieht das mit Neuralink aus? Hilft eine solche Ankündigung der Hirnforschung oder weckt sie nur unrealistische Erwartungen?

Helmstaedter: Erst einmal bin ich der Meinung, dass Kompetition in der Wissenschaft gut ist. Man darf aber nicht den Eindruck gewinnen, dass Herr Musk der Einzige sei, der an diesen Themen arbeitet. Es gibt viele wissenschaftliche Gruppen und Startups in diesem Feld, die sehr gute Arbeit machen, aber vielleicht nicht die PR-Maschine haben wie Herr Musk. Das ist ein sehr aktives Forschungsfeld, da passiert gerade vieles, was insbesondere für klinische Themen vielversprechend ist.

Allerdings bin ich der Meinung, dass man bei Versprechungen und Prophezeiungen sehr vorsichtig sein muss, denn da geht es auch um das Vertrauen der Öffentlichkeit. Wenn eine Wissenschaftlerin oder ein Wissenschaftler etwas behauptet, sollte das zumindest einen gewissen Realitätsbezug haben. Da sehe ich nicht immer die gebotene Vorsicht. Das ist aber in der Natur des Wissenschaftlers: Wir sollten immer auf die Zweifel hinweisen, weil wir eben Forscher sind und nicht Propheten.

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GMFREYJAEU 29. Aug 2019

Ich denke, das menschliche Gehirn per reverse engineering verstehen zu wollen, ist...

GMFREYJAEU 29. Aug 2019

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GMFREYJAEU 29. Aug 2019

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Dwalinn 05. Aug 2019

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lear 04. Aug 2019

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