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Kein Durchbruch

Golem.de: Was ist denn das Neue, der Fortschritt bei Neuralink?

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Helmstaedter: Die aktuellen Ergebnisse von Neuralink sind erst als BioRxiv-Paper publiziert, also noch nicht durch die Expertenbegutachtung validiert. Nach meinem Eindruck ist keine der hier beschriebenen Entwicklungen für sich genommen ein Durchbruch. Polymer-Elektroden gab es schon vorher: Anstatt steife Elektroden zu verwenden, die Schäden im Gehirn anrichten, nutzt man flexiblere, die sich besser ins Gewebe einpassen. Aber das Gesamtpaket aus Polymer-Elektroden, Ausleseelektronik, einer relativ hohen Zahl von Elektroden sowie Robotern, die diese besser ins Hirngewebe inserieren können - das ist sicherlich ein Fortschritt.

Neuralink spricht von Ableitungen über mehr als 1.000 Kanäle. Da gibt es noch viele offene Fragen. Die größte Schwierigkeit sind dauerhafte Ableitungen: Elektrische Signale für einige Stunden abzuleiten, ist viel einfacher als über Tage, Wochen oder gar Monate. Das Gehirn reagiert, wenn man ein Kabel hineinschiebt. Das kann dann dazu führen, dass die Elektroden bald nicht mehr funktionieren, weil sie von Gliazellen bedeckt werden. Nach meinem Eindruck ist das in der aktuellen Neuralink-Arbeit nicht untersucht worden.

1.000 Ableitungen ist nicht viel

Und dann: Mehr als 1.000 Ableitungen klingt erst einmal beeindruckend. Aber wenn man wirklich das Netzwerk der Nervenzellen belauschen und stimulieren will, im Detail und mit hoher Auflösung, dann muss man mit einem großen Anteil der Nervenzellen kommunizieren. Da sind selbst 1.000 Nervenzellen nun aber gar nicht viel: Das Gehirn einer Maus besteht aus 70 Millionen Nervenzellen, das einer Ratte aus mehr als 200 Millionen und das des Menschen aus 86 Milliarden Nervenzellen.

Wir reden hier also in keiner Weise darüber, die Aktivität des Nervenzellennetzwerks in seiner Gänze zu vermessen! Und welche Zahl von Nervenzellen man messen und stimulieren muss, um komplexere Vorgänge im Gehirn auszulesen oder anzustoßen: Das ist eine wissenschaftliche Frage, die nicht geklärt ist.

Golem.de: Gibt es einen Anhaltspunkt, wie viele Zellen man messen oder stimulieren muss?

Helmstaedter: Auf der einen Seite ist es so, dass schon einzelne Nervenzellen einen unglaublichen Effekt haben können. Es gibt Studien, die zeigen, dass zum Beispiel die Stimulation einer einzigen Nervenzelle im Cortex einer Ratte dazu führen kann, dass sich ein Schnurrhaar bewegt. Das ist doch unglaublich: Die Ratte hat 200 Millionen Neuronen, aber schon eine einzelne Nervenzelle kann die Schnurrhaarbewegung erreichen. Solche Daten würden dafür sprechen, dass auch die einzelne Nervenzelle eine große Rolle spielt.

An komplexen Aufgaben sind sehr viele Nervenzellen beteiligt

Auf der anderen Seite wissen wir aber, dass für komplexere Aufgaben, für Erkennungs- oder Planungsaufgaben, immer große Netzwerke wichtig sind. Da reden wir mindestens über tausende Nervenzellen für jede einzelne Aufgabe, wahrscheinlich aber eher hunderttausende oder mehrere Millionen.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass je komplexer die Aufgabe ist, umso mehr Nervenzellen daran beteiligt sind - und das nicht nur an einem Ort im Gehirn, sondern an vielen. Je komplexer die Aufgaben werden, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass man sie mit einer lokalen Stimulation oder einer lokalen Messung verstehen oder beeinflussen kann.

Nun muss man aber auch die jeweilige Anwendung im Blick behalten: Um es einem gelähmten Menschen zu ermöglichen, durch Aktivität im Gehirn Gliedmaßen zu steuern, reichen irgendwelche Signale, die den Steuerungskommandos entsprechen, die der Mensch abgeben will, um eben eine Gliedmaße zu bewegen. Da ist es einfach wichtig, dass man Signale bekommt, die diese Information enthalten. Man muss die Signale finden, liest sie aus und spielt sie in eine künstliche Stimulation der Gliedmaßen wieder ein. Dafür muss man nicht genau verstehen, was im Gehirn passiert - es genügt, Signale zu finden, die diesen Steuerungswunsch widerspiegeln.

Klar ist aber auch: Für Argumente über Uploads oder kognitive Enhancements begibt man sich in eine ganz andere Größenordnung von Komplexität. Da geht es um ganz anspruchsvolle Rechenprozesse, die noch nicht gut verstanden sind. Solche Behauptungen halte ich für wilde Spekulation.

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 Neuralink: Das ganze Upload-Thema ist Science FictionVieles ist nicht verstanden 
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GMFREYJAEU 29. Aug 2019

Ich denke, das menschliche Gehirn per reverse engineering verstehen zu wollen, ist...

GMFREYJAEU 29. Aug 2019

Ich schätze, dass diese Denkweise der Grund ist, warum wir uns immer noch vor der...

GMFREYJAEU 29. Aug 2019

"Die Technologie ("Gehirnkommunikation") ist schätzungsweise 5000 Jahre alt und wurde...

Dwalinn 05. Aug 2019

Solar City hatte auch nichts mit Tesla zu tun bis es aufgekauft wurde. Musk hatte schon...

lear 04. Aug 2019

Wenn es irgendwann möglich sein sollte, Bilder direkt in den Sehnerv zu schleusen, wird...


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