Neues Paint in Windows 11 ausprobiert: Auch mit Ebenen ist es eben Microsoft Paint

Seit vielen Jahrzehnten ist Microsoft Paint der Einstieg für Kreative und Hobbyisten, wenn sie Bilder bearbeiten und drucken wollen. Schließlich ist seit der ersten Windows-Version immer irgendeine Form von Paint vorinstalliert gewesen – mit Ausnahme von Windows 3.1. Viele Jahre lang hat sich der Funktionsumfang der Bildbearbeitungssoftware kaum verändert. Umso überraschender war für uns Microsofts Ankündigung, dass Paint nicht nur endlich transparente Pixel unterstützt, sondern gleich noch Ebenen, hier Schichten genannt, mit dazupackt.
Doch wie lässt sich das neue Paint so bedienen? Ist es jetzt wesentlich nützlicher? Golem.de testet das neue Programm, das seit kurzem für alle Windows-User verfügbar ist. Wir finden die neuen Funktionen sehr praktisch. Uns fehlen allerdings einige Bedienfunktionen für besseren Komfort.
Auf den ersten Blick wirkt die neue Version von Paint, bei uns ist es Version 11.2308.30.0, nicht grundlegend anders. Wir bekommen weiterhin das bekannte Ribbon-Design mit großen Toolschaltflächen präsentiert. Gerade Anfänger, die von Grafikprogrammen wenig Ahnung haben, finden sich hier wohl schneller zurecht als in den meisten anderen Apps dieser Art.
Ebenen ein- und ausblenden
Dabei werden die grundlegenden Mittel zur Verfügung gestellt, etwa eine Handvoll vordefinierter Pinselarten, ein Bleistift, ein Textfeld, ein Radierer, ein Fülleimer, ein Auswahlrechteck und einige andere Tools. Dabei können wir aus vielen Tausend Farben mittels Farbrad auswählen und unsere Pinselstriche und Textzüge so einfärben. Auch stellt Paint vergleichsweise viele vorgefertigte Formen zur Verfügung. Mit Rauten, Kreisen, Hexagonen und Pfeilen können so etwa einfache Programmablaufpläne frei Hand erstellt werden.







Rechts neben der Farbauswahlpalette finden wir das große neue Feature: Schichten. Damit können diverse Bildelemente logisch voneinander getrennt und so unabhängig aus- und eingeblendet, vergrößert, verkleinert und verschoben werden. Die Schichten funktionieren grundsätzlich wie das Vorbild aus Photoshop, Paint.net, Gimp und anderen Grafikprogrammen. Elemente einer Schicht werden von allen Elementen der darüberliegenden Schichten im Stapel verdeckt.
Es ist deshalb auch sehr wichtig, dass Paint nun PNG-Dateien und damit Transparenzwerte in Pixeln unterstützt. So können etwa leicht Texte auf Hintergrundfotos geschrieben und verschoben werden, ohne dass der gesamte Hintergrund verändert wird. Das funktioniert natürlich nur, wenn wir die Schichten auch wirklich nutzen.







Dazu klicken wir auf das Schichten-Symbol, das die Schichtübersicht an der rechten Seite einblendet. Das Plus-Symbol fügt neue Schichten hinzu. Per Drag and Drop können wir zudem Schichten nach oben und unten sortieren – je nachdem, welche Elemente im Vordergrund stehen sollen.
Alle weiteren Schichteinstellungen nehmen wir über das Kontextmenü vor, das bisher noch ein wenig leer wirkt. Möglicherweise wird sich das auch nicht ändern. Paint ist nicht für seine Komplexität bekannt.
Probleme mit den neuen Features
Es ist schön, dass Paint als eines der meistgenutzten Grafikprogramme neue Funktionen erhält. Generell lassen sich Schichten aber nur sehr eingeschränkt nutzen. Wir können sie beispielsweise zwar erstellen, verschieben, kopieren und mit darunterliegenden Schichten auf eine Schicht reduzieren.
Um überhaupt ein Bild als PNG in eine Schicht zu bekommen, müssen wir es zunächst importieren. Dazu klicken wir auf Datei -> In Zeichenbereich importieren -> aus einer Datei. Alternativ können wir eine Schicht auswählen und in der Zwischenablage kopierte Bilder, beispielsweise Screenshots, direkt in die Schicht einfügen.
Es fehlen allerdings wichtige Einstellungsmöglichkeiten, um etwa die Transparenz aller Elemente einer Schicht zu verändern oder Renderingeffekte wie Schatten und Glanz zu erstellen. Auch Schnittmasken, multiplikative Überlagerungen und andere Features fehlen. Außerdem können wir eingefügte Objekte nicht in ihrer Helligkeit, Sättigung oder dem Farbton anpassen. Dazu müssen wir bei Bedarf ein separates Programm verwenden.
Auswahl ist fummelig
Wir finden, dass selbst einige einfache Aktionen nur über Umwege ausgeführt werden können. Warum können wir beispielsweise ein in die Schicht kopiertes Element nicht mit einem einfachen Klick verschieben? Stattdessen müssen wir das Auswahlrechteck anklicken – ein Tastenkürzel fehlt – und dann einen Rahmen um das gewünschte Element ziehen.







Alternativ können wir mit Strg+A oder über das unterhalb des Auswahlrechtecks versteckte Menü alle Inhalte einer Schicht auswählen. Zum Vergleich: In Photoshop können einzelne Elemente einer Schicht mit einem Mausklick ausgewählt und über den Auswahlrahmen auch direkt verschoben, gedreht und skaliert werden.
Zudem passt sich der Auswahlrahmen in der Adobe-Software den Rändern eines angeklickten Objekts an, solange alle anderen Pixel auf der Schicht transparent sind. In Paint wählen wir mit Strg+A die gesamte Arbeitsfläche aus, wodurch der Auswahlrahmen beim Verschieben auch mal aus dem Bild herausragen kann und so schlecht nutzbar ist.
Textelemente haben ein ähnliches Komfortproblem: Zwar können wir Text nun vom Hintergrund durch Schichten teilen, allerdings können wir ihn nicht mehr anpassen, wenn wir ihn einmal erstellt haben. Paint konvertiert Text nämlich in eine Rastergrafik. Informationen zu Schriftgröße, Schriftart und mehr gehen dann verloren. Wollen wir ein Textelement vollständig anpassen, müssen wir den alten Text löschen und einen neuen erstellen. Es ändert sich hier zum bisherigen Paint also wenig.
Wollen wir ein über Schichten erstelltes Bild abspeichern, gehen dadurch auch alle Ebeneninformationen verloren. Wir können Schichten also nach dem Schließen des Programms und dem erneuten Öffnen einer Datei nicht noch einmal verändern. Das funktioniert in Photoshop beispielsweise über das PSD-Format. Paint unterstützt derweil nur gängige Formate wie .png, .jpg, .bmp und .gif.
Besser ... könnte aber noch besser sein
Zusätzlich fehlen auch in der neuen Paint-Version rudimentäre Funktionen wie etwa eine druckempfindliche Pinselstärke. Dabei könnte Microsoft Paint für Plattformen wie das eigene Surface Pro mit Stifteingabe verbessern.







Wofür können wir das neue Paint also nutzen? Es eignet sich weiterhin als einfaches Konzepttool, für Screenshots oder leicht zu erstellende Collagen.
Wollen wir eine Grußkarte für ein Geburtstagskind erstellen? Das geht schnell. Wie sieht es mit einem Programmablaufplan oder Notizen aus? Auch hier reichen die Funktionen von Paint meist aus.
Mit Schichten wird dem Programm etwas mehr Flexibilität gegeben. Nun muss Microsoft nur noch etwas an der Bedienbarkeit arbeiten. Mehr Tastenkürzel und weniger verschachtelte Werkzeugpaletten wären schon einmal ein guter Anfang.