Neues iOS 11.2: Apples Flugmodus schaltet WLAN nicht immer ab

Bei unserem letzten Flug staunten wir nicht schlecht: Wir hatten den Flugmodus aktiviert, trotzdem bestand noch eine WLAN-Verbindung. Wer nicht aufpasst, der verstößt gegebenenfalls gegen Regeln von Fluggesellschaften. Das Verhalten ist von Apple jedoch so gewollt. Wer fliegt, muss bei Apple-Geräten aufpassen.

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Wir haben frisch den Flugmodus aktiviert. Bluetooth und WLAN bleiben trotzdem an.
Wir haben frisch den Flugmodus aktiviert. Bluetooth und WLAN bleiben trotzdem an. (Bild: Apple/Screenshot: Golem.de)

Der Flugmodus soll eigentlich garantieren, dass ein Gerät möglichst gar keine Radiosignale mehr abgibt. Die Funkmodule werden stillgelegt. Doch seit iOS 11 ist das Verhalten für den Anwender nicht mehr komplett nachvollziehbar. Wer WLAN oder Bluetooth deaktiviert, deaktiviert nicht die Funkmodule, sondern nur einzelne Protokolle, die über das Modul arbeiten. Zudem wird nach Mitternacht mittlerweile automatisch der alte Zustand wiederhergestellt. Apple dokumentiert das zwar in seiner Knowledge Base. Doch die wenigsten Anwender werden jeden Tag die Knowledge Base nach Neuerungen durchsuchen. Zumal sich Hinweise damals nicht im Changelog fanden.

Immerhin funktionierte in unseren Tests der Flugmodus korrekt. Der ist für Fluggesellschaften von enormer Bedeutung, soll er doch Störungen der Gerätschaften im Flugzeug so weit wie möglich reduzieren. Mit iOS 11.2 konnten wir allerdings ein neues Verhalten nachvollziehen: Wer den Flugmodus aktiviert, der belässt unter Umständen WLAN und Bluetooth aktiv. Auch das ist von Apple im November 2017 dokumentiert worden und nach unserer Erfahrung erst mit dem vorgezogenen Release von iOS 11.2 aktiviert worden. In Ermangelung von älteren iOS-Geräten können wir das allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen. Auch hier hat Apple keine Dokumentation im Changelog eingetragen.

WLAN und Bluetooth sind immer dann im Flugmodus aktiv, wenn in einem vorherigen Flugmodus eines dieser Funkmodule nachträglich aktiviert wurde. Das ist durchaus machbar, sei es für die WLAN-Verbindung im Flugzeug oder die Verwendung von Bluetooth-Kopfhörern. Beides erlauben und fördern mittlerweile Fluggesellschaften unter bestimmten Bedingungen. Doch Apple macht es für den Anwender nicht ersichtlich, wann der Flugmodus alle Signale deaktiviert und wann nicht. Das Unternehmen setzt sich dabei über Sicherheitsanforderungen der Fluggesellschaften eigenmächtig hinweg.

Alte Maschinen brauchen den richtigen Flugmodus

Zwar gibt es mittlerweile Maschinen mit einer Gate-to-Gate-Zertifizierung, sprich das WLAN darf immer an sein, doch das gilt längst nicht überall in der Welt und nicht mit jedem Flugzeugtyp. Gerade bei älteren Maschinen sind die Fluggesellschaften weiterhin vorsichtig. Anschaulich dokumentiert das Japan Airlines. In den Flugzeugtypen 737-400, Saab 340 B sowie älteren Dash-Turboprop-Flugzeugen darf WLAN nicht aktiviert werden. Von anderen Fluggesellschaften wissen wir, dass WLAN und Bluetooth manchmal nicht in einer 767 benutzt werden dürfen. Bis zur Ausflottung dieses Typs fehlte etwa Air New Zealand die notwendige Zertifizierung, um Bluetooth und WLAN zu erlauben.

Condor, eine der Fluggesellschaften, die diesen Flugzeugtyp einsetzt, erlaubt WLAN erst ab der Reiseflughöhe. Das mobile Boardconnect-System von Lufthansa Technik, das bei vielen Fluggesellschaften eingesetzt wird, wird aus regulatorischen Gründen mitunter auch erst in Reiseflughöhe aktiviert, wie uns der Hersteller auf der vergangenen Aircraft Interiors Expo erklärte.

Apple setzt also eigenmächtig ein neues Flugmodus-System um, das in der äußerst langsam agierenden Luftfahrtbranche noch längst nicht so verwendet wird. Die Wahrscheinlichkeiten von Problemen mit den Funkmodulen sind zwar verschwindend gering, doch gerade bei dieser Branche ist vorsichtig noch lange nicht vorsichtig genug und jedes deaktivierte Modul hilft.

Fluggesellschaften bestimmen, was im Flugmodus erlaubt ist

Gut nachvollziehbar ist das auch in einer FAQ der Luftfahrtbehörde EASA. Sicherheit hat oberste Priorität und in Ausnahmefällen müssen selbst Geräte im Flugmodus komplett abgeschaltet werden. Das gilt etwa bei reduzierter Sicht während eines Anflugs durch ein Nebelgebiet. Eine entsprechende Ansage aus dem Cockpit haben wir auch schon erlebt. Zudem hat die Fluggesellschaft selbst das Recht zu bestimmen, was erlaubt ist und was nicht. Fluggesellschaften und auch das Kabinenpersonal gehen deswegen davon aus, dass der Flugmodus alle Funkmodule deaktivert. Das sieht auch die Lufthansa so. Das Internet-Angebot Flynet erlaubt das Aktivieren von WLAN aus dem Flugmodus erst ab der Reiseflughöhe, aber nicht vorher. Es gibt aber eine Ausnahme: Bluetooth darf jederzeit an Bord verwendet werden, so steht es im Lufthansa-Magazin.

Apples Geräte haben damit effektiv keinen Flugmodus mehr. Bei British Airways (PDF) (HTML-FAQ) würde dies streng genommen bedeuten, dass iPhones und iPads in der Kabine nur im ausgeschalteten Zustand transportiert werden dürfen. Die Fluggesellschaft erlaubt bespielsweise keinen Betrieb von Bluetooth in bestimmten Flugphasen wie Landung, Start und Rollen am Boden. Nähere Informationen zu Abstrahlungen persönlicher Geräte bietet ein Artikel von Skybrary.

Wer ein iPhone, iPad oder iPod Touch in Flugzeugen verwendet, sollte besonders achtsam mit dem Flugmodus umgehen und immer gesondert überprüfen, ob im Flugmodus auch wirklich alles aus ist oder ob die Verwendung bestimmter Funktechniken in bestimmten Flugphasen erlaubt ist.

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lestard 13. Dez 2017

Das verstehe ich schon. Smartphones haben ihren Reiz und deshalb möchte man (zumindest in...

tomate.salat.inc 12. Dez 2017

Dito. Bekomme beim Flugmodus einschalten die Nachricht, dass erstmal alles gekappt wird...

tomate.salat.inc 12. Dez 2017

Oder die Mutter, die will das du aufräumst. Home-office und hatte VPN nicht gebraucht...

Jan Paul 12. Dez 2017

Die natürliche/inherente Selbstentladung eines Akkus düfte laut Wikipedia etwa betragen...



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