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Neues Apple TV im Test: Fernsehkasten mit Potenzial

Die bisherigen Apple TVs waren verglichen mit der aktuellen Set-Top-Box -Konkurrenz von Amazon und Google recht öde. Das sollen nun Spiele und eine Sprachsteuerung ändern. Nimmt man jedoch das "TV" im Namen ernst, muss Apple noch nachliefern.
/ Tobias Költzsch
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Das vierte Apple TV mit seiner neuen Fernbedienung (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das vierte Apple TV mit seiner neuen Fernbedienung Bild: Martin Wolf/Golem.de

Set-Top-Boxen für den Fernseher können - je nach Modell - eine Menge: Sie ermöglichen den Zugang zu verschiedenen Streamingdiensten und bieten über eigene Appstores Spiele und andere Apps an. Als Beispiele für die neue Generation an Zusatzunterhaltung für das heimische TV-Gerät dürften Amazons Fire TV beziehungsweise Fire Stick , Googles Nexus Player und insbesondere das neue Shield TV von Nvidia gelten. Apples bisherige Apple-TV-Boxen wirkten verglichen damit eher langweilig, was der Hersteller mit seinem neuen, vierten Modell ändern will.

Apple TV (2015) - Test
Apple TV (2015) - Test (02:06)

Die bisher veröffentlichten Apple TVs boten Nutzern einige vorinstallierte Apps an - neben Zugängen zu iTunes etwa Youtube, Vevo und andere Unterhaltungs-Apps. Spiele gab es nicht, auch nicht die Möglichkeit, auf legalem Wege neue Apps zu installieren. Mit dem neuen Apple TV der vierten Generation hat Apple das Konzept seiner Set-Top-Box überarbeitet: Das Betriebssystem wurde gegen das auf iOS 9 basierende TVOS 9 ausgetauscht, was dem Nutzer unter anderem den Zugang zum App Store bietet.

Dadurch lassen sich Apps installieren. Die Auswahl ist bereits kurz nach dem Start des neuen Geräts groß. Außerdem hat Apple den Sprachassistenten Siri fest ins System integriert, was dem Nutzer eine weitreichende Sprachsteuerung ermöglicht. Im Test von Golem.de muss sich das neue Apple TV mit der Konkurrenz von Amazon, Google und Nvidia messen lassen - und zeigt dabei ein paar Schwächen, wenn es um das "TV" im Namen und die Sprachsteuerung geht.

Bekanntes Design, neue Höhe

Am Design hat Apple verglichen mit dem Vorgänger nichts geändert: Das vierte Apple TV ist ein kleiner, schwarzer Kasten, die Ecken sind abgerundet. Auch die Grundmaße sind mit 98,3 x 98,3 mm gleich geblieben, lediglich die Höhe ist von 22,1 auf 34,8 mm gestiegen. Die Anschlüsse befinden sich weiterhin auf der Rückseite: Unverändert sind der Strom- und HDMI-Anschluss sowie die Ethernet-Buchse, verändert hat Apple aber die USB-Schnittstelle für Wartungsarbeiten und die Micro-USB-Buchse gegen einen USB-Typ-C-Anschluss getauscht.

Wer das neue Apple TV wie den Vorgänger über ein optisches Audiokabel an einen Audio-Receiver anschließen will, der wird keinen passenden Anschluss mehr finden: Apple hat ihn nicht mehr eingebaut. Wer dennoch Ton über eine Surround-Anlage hören möchte, muss das HDMI-Signal durchschleifen - Besitzer älterer Anlagen könnten hier Probleme bekommen.

Die Hardware ist viel besser

Bei der Hardware hat Apple das neue Apple TV verglichen mit dem direkten Vorgänger stark aufgewertet. Im Inneren arbeitet jetzt ein A8-Chip mit zwei Kernen, der auch in den iPhones der 6er-Serie verwendet wird. Die Grafikeinheit ist eine PowerVR GX6450. Der Arbeitsspeicher ist 2 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher misst wahlweise 32 oder 64 GByte. Der interne Speicher ist damit erstmals von nennenswerter Größe, da das vierte Apple TV das erste ist, bei dem Nutzer offiziell Zugriff auf den App Store haben.

Fernbedienung mit Touchpad

Beim Auspacken des Geräts fällt sofort die neu gestaltete Fernbedienung auf. Sie ist nur unwesentlich länger als die des Apple TV 3, allerdings gut 8 mm breiter. Die Bedienungselemente unterscheiden sich merklich von denen des Vorgängers: Statt eines Vier-Wege-Steuerrings mit Taste in der Mitte hat die neue Fernbedienung ein Touchpad mit Klickfunktion. Darüber lässt sich das Apple TV je nach Anwendungsszenario entweder durch Wischgesten bedienen oder über Tipp-Eingaben in den vier Himmelsrichtungen - wie bei der alten Fernbedienung.

Die Touch-Steuerung arbeitet ohne nennenswerte Latenz und ist nach kurzer Eingewöhnungszeit sehr genau. So lassen sich Filme beispielsweise sekundengenau spulen, was ein großer Vorteil gegenüber den Fernbedienungen der meisten aktuell erhältlichen Set-Top-Boxen ist. Diese haben meist Spultasten beziehungsweise nutzen das eingebaute Vier-Wege-Steuerkreuz. Damit lässt sich nicht so genau spulen.

Drei zusätzliche Hardwaretasten

Die Fernbedienung des neuen Apple TV hat nicht nur zwei Zusatztasten, sondern fünf: Neben den bereits vom Vorgänger bekannten Menü- und Play-Tasten gibt es jetzt noch eine Startbildschirmtaste, eine Lautstärkewippe und die Siri-Taste für die Spracheingabe. Zur Orientierung ist diese leicht nach innen gewölbt, jedoch ist diese Wölbung so unscheinbar, dass wir uns hin und wieder doch verklicken, wenn wir nicht auf die Fernbedienung schauen.

Die Startbildschirmtaste bringt uns stets wieder zurück zum Hauptbildschirm des Apple TV, während die Menü-Taste in den meisten Anwendungen als Zurück-Taste fungiert - warum sie immer noch mit "Menu" beschriftet ist, können wir uns nicht recht erklären. Drücken wir sie im Hauptbildschirm, wird der Bildschirmschoner gestartet. Halten wir die Startbildschirmtaste gedrückt, lässt sich der Ruhemodus aktivieren, der in den Standardeinstellungen automatisch nach einer Stunde angeschaltet wird. Ein Doppelklick auf die Taste zeigt eine Übersicht über die aktuell genutzten Anwendungen.

Die Fernbedienung ist sehr gut verarbeitet. Das Touchpad lässt sich gut bedienen und hat einen gut wahrnehmbaren Klick. Auch die Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt, bei unserem Gerät erzeugt die Play-Taste allerdings ein deutlich lauteres Geräusch und fühlt sich etwas verkantet an. Geladen wird die Fernbedienung über einen Lightning-Anschluss, der Akku soll drei Monate lang durchhalten. Die Fernbedienung sendet ihre Befehle via Bluetooth an das Apple TV, weshalb der Nutzer sie nicht auf das Gerät richten muss. Die Lautstärkewippe dient dazu, den Pegel des verwendeten Fernsehers oder Receivers über ein Infrarotsignal zu steuern.

iOS-Nutzer haben es leicht bei der Einrichtung

Die Einrichtung des Apple TV ist sehr einfach, wenn der Nutzer ein Gerät mit iOS 9.1 besitzt. Dann lassen sich die Nutzerkonten-Einstellungen einfach übertragen, ohne dass der Nutzer Benutzernamen und Passwörter auf der Bildschirmtastatur eingeben muss. Das ist gut, sie ist nämlich furchtbar: Alle Buchstaben sind in einer langen Reihe aufgereiht, eine Endlos-Scroll-Funktion gibt es nicht. Haben wir das Z erreicht, müssen wir uns den ganzen Weg zurück zum A wischen. Wer das Apple TV nicht mit einem passenden iPhone oder iPad verwendet, der wird die Erstinstallation nicht mögen.

Leider verzichtet Apple aktuell noch darauf, iPhone- und iPad-Nutzern auch später die Möglichkeit zu geben, mit ihren Mobilgeräten Texte auf dem Apple TV einzugeben. So müssen wir die umständliche Bildschirmtastatur viel häufiger nutzen, als uns lieb ist, beispielsweise bei der Eingabe unseres iTunes-Passworts, wenn wir kostenpflichtige Artikel im App Store erwerben. Hier bleibt zu hoffen, dass Apple die Texteingabe möglichst schnell verbessert.

Aufgeräumter Startbildschirm

Der Startbildschirm des neuen TVOS 9.1, das auf iOS 9 basiert, ähnelt vom Prinzip her dem des vorigen Apple TV. Apple hat das Betriebssystem allerdings neu programmiert, was in einigen neuen Funktionen der Oberfläche resultiert. Das sind häufig nur Kleinigkeiten, die aber praktisch sind: So lassen sich jetzt beispielsweise Apps nicht mehr nur im unteren Bereich der Anwendungsübersicht durch langen Druck auf das Touchpad neu sortieren, sondern auch in den oberen fünf Slots. Hier können die am häufigsten verwendeten Apps untergebracht werden, auf die der Nutzer schnellen Zugriff wünscht. Bei manchen Anwendungen wie iTunes oder Netflix werden zudem Inhaltsvorschläge angezeigt, wenn die App in der oberen Leiste der Übersicht abgelegt ist.

Eine der wichtigsten Neuerungen des neuen Apple TV ist die Möglichkeit, aus dem App Store Anwendungen herunterzuladen. Einen vollen Zugriff auf alle iOS-Apps hat der Nutzer nicht, sondern - wie bei Android TV - nur auf Anwendungen, die auf das Apple TV zugeschnitten wurden. Neben Streaming- und Video-Apps gibt es auch eine Reihe an Spielen - die Hardwareausstattung des Gerätes deutet bereits an, dass Nutzer damit mehr machen können als Filme gucken.

Gute App-Auswahl im Store

Und so finden sich bereits kurz nach dem Start des Apple TV zahlreiche Anwendungen für die Set-Top-Box im App Store - weitaus mehr, als es beispielsweise bei Android TV nach dem Start der Fall war. Darunter sind grafisch aufwendige Spiele genauso wie Video-Apps, Koch-Anwendungen oder Wetter-Apps. Das Apple TV verwendet übrigens App Thinning und App Slicing: Bei der Installation werden maximal 200 MByte heruntergeladen, die restlichen Daten werden nach Bedarf geladen. So belegt das Spiel Breakneck auf dem Apple TV 190 MByte, auf dem iPad Pro hingegen 559 MByte. Dafür ist allerdings eine Internetverbindung nötig.

Viele der Spiele sind eher im Casual-Bereich angesiedelt, allerdings sind auch einige gut gemachte darunter. Das während der Präsentation des neuen Apple TV gezeigte Beat Sports gehört dazu - hier muss der Nutzer im Rhythmus der Musik Bälle schlagen, indem er die Fernbedienung als Schläger benutzt. Diese hat eingebaute Bewegungssensoren, weshalb das Spielerlebnis schon sehr dem mit der Wii und Wii U ähnelt. Die Bewegungserkennung funktioniert zuverlässig, auch in anderen Spielen kann sie genutzt werden. Ansonsten lassen sich Games auch gut über das Touchpad steuern, ein Gamepad lässt sich ebenfalls anschließen. Auffällig ist, dass zahlreiche Spiele einige Euro kosten - für Beat Sports etwa müssen Käufer 10 Euro zahlen. Wenn ein Spiel gut gemacht ist, halten wir derartige Preise für durchaus berechtigt.

Sortierung nach Spielegenres fehlt komplett

Allerdings ist es als Nutzer schwierig, einen Gesamtüberblick über die Apps zu erhalten: Unverständlicherweise gibt es keine Sortierung in Rubriken. So können wir uns nicht explizit Actionspiele, Rennspiele oder News-Apps anzeigen lassen, sondern sind auf die Vorstellung im Spotlight-Fenster sowie die Sortierung nach Top-Charts angewiesen. Natürlich lassen sich Apps auch suchen. Wer zum ersten Mal ein Apple TV erworben hat, dürfte allerdings Lust haben, einfach so durch die Rubriken zu stöbern und neue Anwendungen zu entdecken. Das ist mit der aktuellen Sortierung schwer.

Insgesamt betrachtet verfügt das Apple TV über die nötige Hardware, um auch anspruchsvolle Spiele und Anwendungen wiederzugeben - was es von der Konkurrenz von Amazon und Google unterscheidet. Die Hardwareleistung ist allerdings schwächer als beim Shield TV: Der Tegra X1 des Shield TV schlägt in unseren Tests den A8 problemlos. Dafür ist das neue Apple TV deutlich kleiner als die Konsole von Nvidia.

Streamingmöglichkeiten begrenzt

Der Fokus des neuen Apple TV ist - auch seitens Apple - sehr auf Spiele ausgelegt. Darüber sollte aber nicht vergessen werden, dass es sich bei dem Gerät um eine Set-Top-Box für den Fernseher handelt, die das Kürzel "TV" im Namen trägt. Dementsprechend sollte das neue Apple TV dem Nutzer reichlich Zusatzoptionen bieten, die sich auf das Fernsehen beziehen - also eine gute Auswahl an Streaming- und Video-Apps sowie Mediatheken.

Wichtige Streaming-Abo-Dienste fehlen

In diesem Punkt hinkt das Apple TV aber der Konkurrenz hinterher: Neben dem eigenen iTunes-Store mit Kauf- und Leihfilmen sowie -serien finden sich an Streaming-Abo-Anbietern aktuell nur Netflix und Watchever im App Store, an Mediatheken sind nur die des ZDF und die von Arte zu finden. Die Streamingabos von Sky Go, Sky Online, Maxdome oder Amazon Video sind mit dem Apple TV momentan nicht nutzbar - für Abonnenten dieser Dienste ist das Apple TV in dieser Hinsicht keine Hilfe bei der Erweiterung des Fernsehangebotes.

Damit hat das Apple TV die gleichen Probleme wie die namhaften Set-Top-Boxen - die wie der Nexus Player, das Fire TV und der Fire TV Stick aber teilweise deutlich günstiger sind. Bei der Konkurrenz haben sich bestimmte Anbieter bisher noch nicht geregt, wenn es um die Bereitstellung der eigenen Apps geht. Es bleibt abzuwarten, ob Apple das bei seiner Set-Top-Box eher schafft.

Sprachsteuerung mit Kontext-Verständnis

Wie andere Anbieter auch hat Apple beim neuen Apple TV eine Sprachsteuerung integriert. Siri ist jedoch umfangreicher und besser ins System integriert als die Assistenten bei Android-TV-Geräten oder Amazons Set-Top-Boxen. So lassen sich Filme und Serien nicht nur in iTunes suchen, sondern auch in Netflix - und zwar zuverlässig, ohne dass sich der Nutzer Gedanken um eine korrekt gestellte Anweisung machen muss. Halten wir die Sprachsuchtaste gedrückt, können wir beispielsweise Anfragen wie "Zeige mir Actionfilme aus den 80ern" stellen. Die Ergebnisse zeigen iTunes- und Netflix-Inhalte gemeinsam an - möchten wir nur Netflix-Ergebnisse sehen, können wir dies einfach ansagen. Alternativ können wir nach der ersten Suche auch noch die Anweisung "Nur die auf Netflix" hinterherschieben.

Siri für das Apple TV versteht zu einem gewissen Maße den Kontext des vom Nutzer Gesagten. Suchen wir etwa nach romantischen Komödien, können wir ebenfalls eine Nachfrage hinterherschieben, die die Resultate auf ein bestimmtes Jahrzehnt beschränkt. Auch die Suche nach Schauspielern und Regisseuren ist möglich.

Aktuell unterstützt die globale Sprachsuche nach Medieninhalten allerdings ausschließlich iTunes und Netflix - weder Watchever noch Youtube, Vevo oder die ZDF- und Arte-Mediathek werden durchsucht. Diese lassen sich auch nicht mit einem expliziten Kommando durchforsten: "Suche Taylor Swift auf Youtube" quittiert Siri mit einem "Ich kann leider nicht im Internet suchen". Antworten, die mit "Ich kann nicht" anfangen, hören wir für unseren Geschmack im Test ein wenig zu häufig. Insbesondere Nutzer, die Siri auf ihren iOS-Geräten verwenden, dürften überrascht sein, wie doof die Apple-TV-Siri stellenweise ist.

Siri sucht ... doch nicht

Auf die Frage nach dem letzten Spielergebnis von Hertha BSC sucht Siri erst nach dem Spielstand, meldet sich dann aber zurück, dass sie nichts finden könne. Ebenso ergeht es uns mit Fragen nach anderen Vereinen. Auf die Bitte, die aktuelle Bundesligatabelle zu zeigen, erklärt uns Siri, dass die Tabelle geladen werde - nur um sich ein paar Sekunden später zu entschuldigen, dass nichts gefunden werden könne. Die Anfragen werden stets korrekt erkannt, zum Teil auch umgesetzt. Nur das Ergebnis wird im aktuellen Zustand des Betriebssystems nicht angezeigt, was Apple schnell ändern sollte.

Während der Wiedergabe von Filmen oder Serien können Nutzer ebenfalls mit der Spracheingabe arbeiten. Mit "Was hat er/sie gesagt" wird das Video um einige Sekunden zurückgespult. "Pause" oder "Reduziere laute Töne" versteht das Apple TV ebenso wie "Spule 5 Minuten vor". Die Frage nach dem Regisseur des Films wurde uns bei aktuelleren Streifen ebenfalls beantwortet, bei etwas exotischeren Filmen konnte Siri uns hierbei nicht helfen. Die Frage nach den beteiligten Schauspielern blieb stets ergebnislos.

Apps mit Sprachbefehlen starten

Apps lassen sich auch mit der Sprachsteuerung starten - allerdings ist das bei manchen Anwendungen schwierig, wenn diese einen englischsprachigen Namen tragen. "Starte Breakneck" versteht Siri gut, bei "Starte Watchever" müssen wir hingegen den Namen des Streamingdienstes deutsch aussprechen, um die App zuverlässig starten zu können. Gut finden wir, dass wir den App-Start per Spracheingabe zuverlässig bei fast jeder Anwendung benutzen können - nachinstallierte Spiele öffnen sich ebenso gut wie vorinstallierte Apple-Dienste. Probleme hatten wir in unserem Text eigentlich nur mit der App "Free Classic Movies": Die Schlagwörter "Classic Movies" führten immer zu einer entsprechenden Filmsuche.

Siri für Apple TV zeigt, wie viel Potenzial im Thema Sprachsuche steckt: Die appübergreifende Suche ist praktisch, in Deutschland mit lediglich iTunes und Netflix als unterstützten Anwendungen ist der Funktionsumfang aber noch etwas knapp. In den USA können Nutzer auch noch Hulu und HBO durchsuchen. Uns hätte schon die Möglichkeit gereicht, in Youtube nach Begriffen zu suchen. Gut gefallen uns auch die Steuerungsanweisungen während der Videowiedergabe - wobei wir uns fragen, weshalb wir den Sprachsuchknopf lange drücken und "Pause" sagen, anstelle einfach den Pause-Knopf drücken sollten.

Siris Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Über das "Zeigt Potenzial"-Stadium kommt Siri auf dem Apple TV daher bisher noch nicht hinaus: Zu oft werden unsere Anfragen mit einem "Ich weiß das nicht" oder "Damit kann ich dir leider nicht helfen" quittiert oder mit der Aussage, sie könne nicht auf das Internet zugreifen. Solange Apple hier nicht nachbessert, ist der Funktionsumfang der Sprachsteuerung beschränkt - wenngleich Siri das, was sie kann, sehr gut macht.

Verfügbarkeit und Fazit

Das neue Apple TV kostet in der 32-GByte-Version 180 Euro, die 64-GByte-Variante kostet 230 Euro. Erhältlich ist das Gerät in Apples Onlinestore und in den Apple-Läden.

Fazit

Das neue Apple TV ist in vielen Punkten deutlich besser als sein Vorgänger: Die bessere Hardware beschleunigt das System, und das neu programmierte Betriebssystem TVOS erleichtert die Bedienung. Die Benutzeroberfläche ist simpel, aber übersichtlich. Dass Nutzer jetzt Apps nachinstallieren können, ist ein überfälliger Schritt. Die Auswahl der verfügbaren Apps ist gut, allerdings ist der App Store auf dem Apple TV nicht vernünftig sortiert - nach Themen zu suchen, ist dadurch fast unmöglich.

Nervig finden wir die Bildschirmtastatur, die die Eingabe längerer Suchbegriffe zur Tortur werden lässt. Eine Einbindung von iPhones oder iPads in den Texteingabeprozess ist aktuell noch nicht vorgesehen, wäre für den Nutzer aber merklich komfortabler. Gut gefallen uns die neuen Suchmöglichkeiten mit Siri, allerdings ist uns der Sprachassistent stellenweise noch etwas zu doof. Apps lassen sich problemlos per Sprachbefehl öffnen und Filme bei iTunes und Netflix suchen, aber die Frage nach der Bundesligatabelle versackt in den Weiten des Internets. Sollte Apple es hinbekommen, die Sprachassistenz konsistenter zu machen und die Inhaltssuche auf weitere Apps auszuweiten, dürfte Siri für das Apple TV die stärkste Sprachsteuerung unter den Set-Top-Boxen sein.

Verglichen mit der Konkurrenz von Amazon, Google und Nvidia macht das neue Apple TV hinsichtlich der Streaming-Abo-Dienste letztlich aber nicht viel anders: Wichtige Dienste und Mediatheken fehlen auch hier. Wer ausschließlich eine Möglichkeit sucht, Netflix-Inhalte zu streamen, braucht die 180 Euro für das Apple TV nicht auszugeben.

Bei Spielen hingegen hat das Apple TV Potenzial, wie bereits kurz nach dem Start anhand der guten Auswahl ersichtlich wird. Mehrere Publisher haben zudem bereits Spiele für das Gerät angekündigt . Das liegt auch an der verglichen mit anderen Set-Top-Boxen verhältnismäßig guten Hardwareausstattung. An die Leistung von Konsolen wird das Apple TV allerdings natürlich nicht herankommen, von der Spielefunktionalität her auch nicht an das Shield TV.

Uns ist das neue Apple TV verglichen mit der Konkurrenz schlicht zu unspannend; für mindestens 180 Euro wird uns zu wenig geboten. Wer nur streamen will, kommt mit einem Fire TV Stick für 40 Euro aus. Wer ernsthaft mit seiner Set-Top-Box spielen will, dürfte bei Nvidias Shield TV weitaus besser aufgehoben sein, das in der günstigen Version 200 Euro und mit 500 GByte Speicher 300 Euro kostet. Vielleicht schafft es Apple, das neue Apple TV durch weitere Streaming-Abo-Services, gute Spiele und eine umfangreichere Sprachsteuerung in Zukunft noch attraktiver zu machen. Vielleicht kommt Apples Versuch, die Apple-TV-Reihe neu zu positionieren, aber auch einfach zu spät.


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