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Neuer Weltrekord in Schipkau: Windturm ragt 365 Meter in den Himmel

Die höchste Windenergieanlage der Welt steht in der Lausitz. Jetzt ist der Gicon-Höhenwindturm fertiggestellt. Ob sich die Technik rechnet, muss die Praxis zeigen.
/ Michael Linden
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Gicon-Höhenwindturm (Bild: Gicon)
Gicon-Höhenwindturm Bild: Gicon

Der Gicon-Höhenwindturm in Schipkau hat seine Endhöhe erreicht. Mit 365 Metern gilt die Anlage als die höchste Windenergieanlage der Welt(öffnet im neuen Fenster). Zugleich ist sie das zweithöchste Bauwerk Deutschlands.

Die Anlage gehört zum Auftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen Sprind(öffnet im neuen Fenster). Sie soll zeigen, ob sich Windenergie in größeren Höhen wirtschaftlich nutzen lässt.

Offizielle Inbetriebnahme im November

Der finale Bauabschnitt erforderte ein spezielles Litzenhubsystem. Damit wurde der Innenturm millimetergenau auf seine Zielposition gehoben und anschließend fixiert. Nach Angaben des Unternehmens dauern die abschließenden Arbeiten noch einige Tage. Die offizielle Inbetriebnahme ist für November vorgesehen.

Wind weht in großen Höhen gleichmäßiger

Der Turm nutzt die Tatsache, dass der Wind in größeren Höhen stärker und gleichmäßiger weht. Auf einer Nabenhöhe von 300 Metern versprechen die Entwickler einen erheblich höheren Energieertrag als bei konventionellen Anlagen. Prognosen zufolge könnte der Ertrag bei gleichem Rotordurchmesser in etwa doppelt so hoch ausfallen. Ob sich diese Werte im Alltagsbetrieb bestätigen, wird sich zeigen.

Die Pilotanlage arbeitet mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt. Für spätere Serienmodelle seien Anlagen mit mehr als 7 Megawatt geplant, teilte der Hersteller mit.

Auch vonseiten der Sprind fiel das Echo positiv aus. Innovationsmanager Martin Chaumet würdigte das Vorhaben als Beispiel dafür, wie eine Sprunginnovation vom Konzept bis zur Anwendung gelangen kann. Das Höhenwindrad war die erste vom Aufsichtsrat der Sprind genehmigte Sprunginnovation. Die Agentur betonte die vergleichsweise kurze Umsetzungszeit. Zugleich erinnerte Chaumet an den verstorbenen Professor Horst Bendix(öffnet im neuen Fenster), der das Thema Höhenwind direkt nach Gründung der Sprind eingebracht hatte.

Kommen mehr hohe Windräder?

Mit der Fertigstellung der Pilotanlage rückt nun die Frage der Serienreife in den Vordergrund. Ziel ist es, so bald wie möglich mit einer Fertigung in größerem Maßstab zu beginnen. Dabei deutet sich ein markantes Potenzial ab: Nach bisherigen Abschätzungen könnten in Deutschland bis zu 4.000 Höhenwindtürme in bestehenden Windparks nachgerüstet werden. Sie würden als zweite Ebene über den bestehenden Anlagen wirken.

Das würde zusätzliche Stromproduktion ermöglichen, ohne neue Flächen für Windparks ausweisen zu müssen. Gicon und die Sprind arbeiten derzeit an einem Vermarktungskonzept. Im Gespräch seien bereits mehrere Interessenten aus der Windbranche. Welche genau, teilte Gicon nicht mit.

Ob das Modell sich durchsetzt, hängt nicht nur vom Betriebsergebnis, sondern auch von der Akzeptanz in der Bevölkerung ab. Erste belastbare Daten dürften nach der Inbetriebnahme im November 2026 vorliegen.


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