Neuer Predator-Film Prey: Die intensivste Jagd seit 1987
Mit Predator: Upgrade(öffnet im neuen Fenster) sollte das Franchise 2018 eigentlich neu gestartet werden. Pläne für Fortsetzungen waren gemacht, aber der Film blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, ein Sequel war damit schnell abgesagt.
Hinzu kam ein Rechtsstreit zwischen Jim und John Thomas und Disney. Die beiden Autoren verklagten das Haus der Maus, weil sie entsprechend US-Gesetzen die Urheberrechte an ihrer Schöpfung aus dem Jahr 1987 zurückhaben wollten(öffnet im neuen Fenster). Über das Ergebnis ist nichts bekannt, die Parteien haben offenbar Stillschweigen bewahrt.
Heißt: Geld ist geflossen und die beiden Thomas-Brüder sind ausführende Produzenten von Prey, dem neuesten Film der Predator-Reihe. Dieser läuft nun ab 5. August bei Disney+ und will sich augenscheinlich stark von den Vorgängern abheben. Er erzählt eine Geschichte des Predator im Jahr 1719.
Jäger und Gejagte
Naru (Amber Midthunder) ist eine Komantschin und als Jägerin ebenso gut wie jeder Mann des Stammes. Als sie eine Erscheinung am Himmel beobachtet und völlig unbekannte Spuren auf dem Boden findet, ist sie sicher, dass ihr Stamm sich einer ganz neuen Bedrohung gegenübersieht. Ein kleiner Trupp wird losgeschickt, um einen Vermissten zu suchen – und begegnet einer Kreatur aus dem All, die nur aus einem Grund auf die Erde gekommen ist: um zu jagen.

Naru stellt sich der Bedrohung. Dabei ändern sich immer wieder die Rollen dessen, der gejagt wird, und der jagt.
Kein Überraschungsfilm mehr
Dan Trachtenberg (10 Cloverfield Lane) hat zusammen mit Autor Patrick Aison vier Jahre an der Entwicklung des Films gearbeitet. Das geschah in absoluter Stille und unter größter Geheimhaltung. Eigentlich war der Plan, das Publikum mit einem fertigen Predator-Film zu überraschen, 2021 wurde jedoch die Info durchgestochen(öffnet im neuen Fenster), dass Prey in Produktion sei – das war mitten während der Dreharbeiten in Kanada.
Der Film weckte sofort Interesse. Nicht nur, weil er losgelöst von allen anderen Teilen des Franchise ist und einen Titel hat, der nicht sofort an Predator denken lässt. Sondern auch, weil das Setting ungewöhnlich ist. In den Comics wurden über Jahrzehnte hinweg Geschichten mit dem Predator in den unterschiedlichsten Zeiten erzählt, bei den Filmen ist dies aber nun neu(öffnet im neuen Fenster).
Zugleich lässt die Geschichte mehr als alle anderen an den ursprünglichen Film von 1987 denken. Produzent John Davis hält ihn für so gut wie den ersten(öffnet im neuen Fenster): "Ich hatte das Gefühl, dass wir dem Original so nahekommen wie keines der anderen Sequels. Es waren andere Orte, andere Geschichten. Dieser Film hier komplimentiert den ersten jedoch. Er ist genauso gut."
Kontemplative Action
Davis hat damit durchaus Recht. Prey ist ein würdiger Nachfolger des originalen Films. Die Variationen in den Geschichten sind ja per se eher dünn, weil es immer um den Jäger und die Gejagten geht.
Mit dem Setting im Amerika des frühen 18. Jahrhunderts wird das ein wenig aufgebrochen, weil im Leben der Komantschen und auch der französischen Einwanderer Jagd eine wichtige Rolle spielt. Um in dieser Welt zu überleben, muss man zum Jäger werden. Der Predator taucht also inmitten einer gesellschaftlichen Struktur auf, die auf ihn zugeschnitten ist.
Der Film will etwas darüber aussagen, was passiert, wenn ein Alpha-Predator in ein neues Areal eindringt. Er ist auch ein Kommentar darauf, wie eine einst heile Welt durch Invasoren der Vernichtung näherkommt.
Zugleich wird der Predator als überlegen gezeichnet. Seine Technik ist für die Menschen des Jahres 1719 wie Magie. Er ist das Äquivalent moderner Jäger, die mit Hochpräzisionswaffen und in größtmöglicher Sicherheit in Afrika auf Großwildjagd gehen und sich toll fühlen, wenn sie etwas erlegt haben.
Mit Naru steht dem Predator hier aber eine Gegnerin gegenüber, die er – wie alle anderen – unterschätzt hat. Amber Midthunder spielt das wunderbar. Ihre Naru ist eine starke, unabhängige, kluge Frau, die weiß, wie sie sich zur Wehr setzen muss.
Das passiert vor allem in der zweiten Hälfte des Films. Allerdings könnte die erste schon so manchen Zuschauer vergraulen, denn Trachtenberg hat einen eher kontemplativen Einstieg für seinen Film gewählt. Hier wird die Natur zelebriert – und das einfache Leben. Es sind diese ruhigen Momente, die die Figuren definieren, und der Film braucht diese Zeit, um später, mit all der Action, regelrecht explodieren zu können.
Aber damit wird Prey sicher nicht jedermann abholen. Man muss sich auf diese langsame, die Welt des Films etablierende Gangart einlassen. Dann lohnt es sich.
Coole Action, miese CGI-Tiere
Prey sieht toll aus. Die Landschaften Kanadas werden prächtig eingesetzt, die Action ist zumeist innovativ und originell. Mitunter ist der Schnitt etwas zu schnell, wodurch die visuelle Verständlichkeit etwas leidet.
Kurios ist eigentlich nur, dass die CGI-Tiere alles andere als hervorragend sind. Das sieht man besonders an dem Bären, der erst Naru jagt und dann mit dem Predator kämpfen muss. Die Computeranimation ist hier nicht auf der Höhe der Kunst, der Bär wirkt zu oft unecht – ein erstaunlicher Fauxpas für einen großen Film des Jahres 2022.
So hat Prey seine Schwächen, aber die werden von einer Vielzahl von Stärken aufgehoben. Im Grunde wird die typische Predator-Geschichte erzählt, aber so bodenständig und intensiv wie seit dem originalen Film nicht mehr. Er kann in der Tat der Auftakt für eine Wiederbelebung des Franchise werden – mit Geschichten, die den Predator und seinen Aufprall auf die jeweilige Kultur querbeet durch alle Zeiten zeigen.
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