Neuer Netzbetreiber: Der sonderbare 5G-Tarif von 1&1

1&1 hat noch ganz knapp in diesem Jahr einen ersten 5G-Tarif im eigenen 5G-Netz gestartet. Beim Blick auf die Tarifdetails stellt sich allerdings die entscheidende Frage: Welche Kunden will 1&1 damit gewinnen? Denn der 5G-Tarif ist nicht als Smartphone-Tarif gedacht und darf nur stationär genutzt werden, also etwa zu Hause oder im Unternehmen. Für einen Festnetzanschluss leistet der 5G-Tarif von 1&1 aber zu wenig.
Die erste Einschränkung ist die geringe räumliche Abdeckung: Den 5G-Tarif gibt es derzeit nach Angaben von 1&1 nur in den Städten Karlsruhe und Frankfurt.
Auf der Produktseite zu den 5G-Tarifen(öffnet im neuen Fenster) gibt es keinen deutlichen Hinweis darauf, dass der Tarif derzeit nur im Bereich von zwei deutschen Großstädten genutzt werden kann. In einigen Wochen will 1&1 weitere Regionen mit 5G versorgen. Der Anbieter teilte weder einen genaueren Zeitplan mit, noch machte er Angaben dazu, in welchen Regionen das passieren soll.
5G-Tarife ohne Telefonfunktion
Der 5G-Tarif dient ausschließlich zur Internetnutzung; Telefonate sind damit nicht möglich. Der Anbieter stellt drei Tarifstufen zur Wahl, die alle mit einer gedrosselten Datenflatrate versehen sind. Im Markt für Festnetzanschlüsse sind unlimitierte Flatrates üblich und auch Telefonfunktionen stehen immer bereit.
Der kleinste Tarif nennt sich 1&1 5G zu Hause 50 und umfasst ein ungedrosseltes Datenvolumen von 50 GByte. Dafür fallen monatliche Kosten von 20 Euro an. Dabei wird eine maximale Geschwindigkeit von 500 MBit/s im Download und bis zu 40 MBit/s im Upload versprochen. Sind die 50 GByte aufgebraucht, liegt die maximale Geschwindigkeit bei 384 KBit/s. Die Internetnutzung ist dann nur sehr langsam und mit großen Einschränkungen möglich.
5G-Tarife haben als Festnetzersatz zu wenig Datenvolumen
1&1 gibt an, dass sich der Tarif an Personen richtet, die diesen allein nutzen. 1&1 weist nicht darauf hin, dass Videostreaming damit quasi ausgeschlossen ist, weil das Datenvolumen viel zu schnell verbraucht wäre. Selbst wenn nur wenige Tage im Monat Videostreaming genutzt wird, kann dies bereits dafür sorgen, dass das Datenvolumen vorher verbraucht ist. Eine Nachbuchung von Datenvolumen sieht 1&1 nicht vor.
Der nächsthöhere Tarif trägt den Titel 1&1 5G zu Hause 100 und ist laut 1&1 für Mehrpersonen-Haushalte gedacht, die Filme und Serien hochauflösend streamen wollen. Zum Tarif gehört ein ungedrosseltes Datenvolumen von 100 GByte und er kostet 30 Euro pro Monat. Wird der Tarif so eingesetzt, wie er vom Anbieter beworben wird, wird dieses Datenvolumen lange vor dem Monatsende verbraucht sein.
Ein typischer Mehrpersonenhaushalt kommt bei einem Festnetzanschluss auf einen monatlichen Verbrauch von mindestens 500 GByte, wenn Videostreaming gelegentlich und immer nur von einer Person genutzt wird und das auch nur in HD-Auflösung. Wenn Videostreaming mit 4K genutzt wird, steigt das benötigte Datenvolumen noch weiter an. Das Gleiche gilt, wenn mehrere Personen parallel intensiv Videostreaming verwenden. Der 1&1-Tarif ist also für den beworbenen Einsatzzweck viel zu klein dimensioniert.
Zu den Tarifkosten kommt noch die Hardware-Miete dazu
Das trifft aufgrund der oben genannten Zahlenbeispiele auch für den teuersten 1&1-Tarif zu, der 250 GByte ungedrosseltes Datenvolumen umfasst. Dieser Tarif kostet 40 Euro monatlich und ist laut Anbieter für Power-User gedacht. Wer damit allerdings 4K-Videostreaming nutzt, wird bereits nach wenigen Tagen kein ungedrosseltes Datenvolumen mehr haben. Auch in diesem Tarif ist keine Nachbuchung von Datenvolumen möglich.
Bei allen genannten Tarifen verlangt 1&1 einen Anschlusspreis von 40 Euro sowie Versandkosten von 10 Euro für den entsprechenden Router. Kunden können zwischen zwei unterschiedlichen Routern wählen, die sie bei 1&1 mieten können. Beide Router stammen von AVM und sind umfirmierte Fritzbox-Router. Der preiswerte Router kostet 7 Euro monatlich und nennt sich 1&1 HomeServer 5G. Der 1&1 HomeServer+ mit 5G Außenantenne kann für monatlich 10 Euro gemietet werden.