Neuer Krieg der Welten: Invasion im Westentaschenformat
Die erste Verfilmung des Romans von H.G. Wells stammt aus dem Jahr 1953(öffnet im neuen Fenster) , Ende der 1980er Jahre setzte eine Fernsehserie den Film fort. 2005 präsentierte Steven Spielberg seine Version vom Krieg der Welten(öffnet im neuen Fenster) , danach gab es noch eine Reihe günstiger Produktionen, eine Miniserie(öffnet im neuen Fenster) sowie eine Fernsehserie(öffnet im neuen Fenster) und eine Mockumentary(öffnet im neuen Fenster) .
Man kann also sagen: Ja, die Geschichte hat man schon ein paarmal gesehen. Warum nur hatte Autor und Regisseur Junaid Syed den Drang, die Geschichte als Der Krieg der Welten: Der Angriff noch einmal aufzuwärmen? Noch dazu, wenn kein Geld zur Verfügung stand?
Alles schon mal dagewesen
Der Film verlegt die Geschichte in die Gegenwart, ansonsten klappert er aber die üblichen Stationen ab. Nur die Figuren sind neu – allerdings auch nicht überzeugend. Aber fangen wir vorne an: Drei jugendliche Astronomiefreaks radeln sofort zur Absturzstelle eines Meteoriten. Nur dass es kein Meteorit, sondern ein Raumschiff ist. Sie schleichen sich ran, der eine sagt, dass es Hitze abstrahlt, der andere legt erst mal die Hand drauf – und verbrennt sich.
Aus dem Raumschiff kommt eine dreibeinige Maschine, die direkt ein paar Leute wegstrahlt. Es folgt das Übliche: Flucht, Schutz suchen in einem Farmhaus, der dortige Konflikt mit einem Wahnsinnigen, weitere Flucht, Kampf, und schließlich – natürlich – die Macht der Bakterien.
Das kennt man alles schon und hat es auch schon besser gesehen. Die minimalen Variationen ändern da nichts. Welche das sind? Der Priester aus dem 1953er-Film, der von den Marsianern gleich nach der Landung erledigt wird, verschmilzt hier mit dem von Tim Robbins gespielten Irren aus Steven Spielbergs Film, der gerne damit droht, mit einem Messer den Namen Gottes in verdorbenes Fleisch zu schneiden.
Im Grunde wünscht man sich, er täte es. Dann hätte man ja zumindest einen Splatterfilm.
Das Triumvirat der Langeweile
Die drei Protagonisten – einer heißt allen Ernstes Herbert Wells – sind uninteressant und lahm. Genauso wird das Trio auch gespielt. Die schauspielerischen Leistungen bewegen sich leider insgesamt auf dem Niveau von allenfalls halbwegs passablem Laientheater.
Sind denn wenigstens die Effekt gut?
Bleibt die Hoffnung auf gute Effekte. Aber: Wie will man eine Invasion mit einer Handvoll britischer Pfund umsetzen? Die Antwort: Indem man möglichst wenig Aufwand betreibt. Klar, es gibt ein paar Szenen mit den Marsianern – Marke Oktopus – und ihren Kriegsmaschinen, aber das sieht nie gut aus.
Die CGI-Effekte haben das Niveau von 20 Jahre oder noch älteren Games. Besonders schlimm: Wenn die Kriegsmaschine zu ballern beginnt und die Protagonisten samt Wackelkamera davonlaufen, hat man das Gefühl, man befinde sich in der Ruckeloptik eines Uralt-Games – mit Explosionen und Feuerbällen, die nicht im Entferntesten realistisch sind.
Wie wenig Geld bereitstand, sieht man auch an den "Massenszenen". Das sind in der Regel 15 bis 20 Leutchen, die loslaufen, wenn das Kommando gegeben wird. Soll heißen: Wenn die Marsianer-Maschinen auf sie schießen. Das Militär ist auch vorhanden, aber man sieht nie mehr als drei oder vier Soldaten auf einmal.
Das Großbritannien von Der Krieg der Welten: Der Angriff wirkt seltsam leblos. Und das ist nicht auf die Invasion der Marsianer zurückzuführen.
Wenn schon billig, dann wenigstens unterhaltsam
Über all das könnte man hinwegsehen, wäre der Film wenigstens auf einer Trash-Ebene unterhaltsam. Aber er ist so bierernst erzählt, die Schauspieler mühen sich so sehr um Seriosität, dass nichts verfängt. Das liegt in erster Linie am Drehbuch, entsprechend langweilig ist der Film, und das bei einer Laufzeit von weniger als 90 Minuten!
Im Grunde darf man einen Stoff wie diesen nicht mit dem finanzieren, was man an Kleingeld in den Ritzen der Couch gefunden hat. Tut man es doch, muss zumindest etwas Unterhaltsames wie bei Asylum herauskommen.
Wer H.G. Wells' Geschichte sehen will, hat weit bessere Möglichkeiten, zumal der 1953er-Film gerade vor wenigen Tagen zusammen mit Der jüngste Tag auf UHD erschienen ist. Was Der Krieg der Welten: Der Angriff betrifft: Er kommt am 22. September fürs Heimkino heraus. Aber eigentlich reicht auch der Trailer(öffnet im neuen Fenster) .
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