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Neuer Datenmissbrauch: Politik kritisiert Facebooks Datenweitergabe

In Deutschland und den USA sieht sich Facebook starker Kritik ausgesetzt. Facebook soll mehr als 60 Geräteherstellern Zugriff auf Nutzerdaten gewährt haben. Dem sozialen Netzwerk wird vorgeworfen, bei Anhörungen die Unwahrheit gesagt zu haben - weitere Anhörungen sind geplant.

Artikel veröffentlicht am ,
Facebook steht wegen eines neuen Datenskandals unter Druck.
Facebook steht wegen eines neuen Datenskandals unter Druck. (Bild: Joel Saget/AFP/Getty Images)

Haben Facebook-Führungskräfte gezielt gewählte Amtsträger getäuscht? Diese Frage stellen Politiker aus den USA und wollen den aktuellen Datenskandal bei Facebook untersuchen. Aber auch in Deutschland gibt es aus der Politik viel Kritik an Facebook. Das soziale Netzwerk wird aufgefordert, die Hintergründe dazu aufzuklären. Ein Bericht der New York Times hat aufgedeckt, dass Facebook seit über zehn Jahren mit über 60 Geräteherstellern direkt Nutzerdaten von Facebook-Kunden austauscht. Auch die Daten befreundeter Facebook-Nutzer werden ausgetauscht, ohne dass die betreffenden Kunden dem zugestimmt hätten. Facebook bestreitet, dass die Daten ohne Zustimmung ausgetauscht wurden.

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Die Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat auf Twitter Facebooks Geschäftsmodell kritisiert: "Es ist ein Geschäftsmodell, seine Nutzer bis ins Kleinste auszuforschen und die Daten mit Geschäftspartnern zu teilen. Der Fehler liegt im System. Facebook muss sich erklären und die strikte Einhaltung des EU-Datenschutzrechts sicherstellen."

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte dem Hamburger Abendblatt: "Das Weiterleiten hochsensibler Daten von Nutzern, die dem nicht zugestimmt haben, an Gerätehersteller ist eine beispiellose Verletzung sowohl von Datenschutzgesetzen als auch des Vertrauens der Verbraucher."

Politik wirft Facebook falsche Rechtsauffassung vor

Elisabeth Winkelmeier-Becker ist die Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Recht und Verbraucherschutz und wirft Facebook vor, eine völlig falsche Rechtsauffassung zu vertreten. "Facebook argumentiert im Cambridge-Analytica-Skandal immer wieder damit, dass die Nutzer der Weitergabe der Daten ihrer Freunde eingewilligt hätten. Darin zeigt sich ein grundlegend falsches Verständnis des Unternehmens davon, wer eine wirksame Einwilligung in die Weitergabe von Daten geben darf: Niemand kann über die Daten seiner Facebook-Freunde verfügen; das können nur die Betroffenen selbst, und zwar durch ihre ausdrückliche Zustimmung." Winkelmeier-Becker fragt sich, "ob Facebook aufgrund seiner falschen Rechtsansicht auch an anderer Stelle bewusst Nutzerdaten ohne dazu berechtigende Einwilligung weitergegeben hat."

Auch in den USA gibt es scharfe Kritik am Vorgehen von Facebook. US-Senator John Thune sagte, der Bericht werfe "wichtige Fragen zur Transparenz und zu möglichen Datenschutzrisiken für Facebook-Nutzer auf". Der Vorsitzende des US-Handelsausschusses wolle Facebook dazu befragen, berichtet die New York Times.

Richard Blumenthal, ein Mitglied des US-Senatsunterausschusses für Verbraucherschutz, sagte dazu: "Ich denke, Mark Zuckerbergs Aussage wirft sehr ernste und gravierende Fragen über die Glaubwürdigkeit von Facebook auf." Dabei bezieht er sich auch darauf, dass Facebook jüngst genau zu solchen Problemen befragt wurde, ohne die neu bekanntgewordenen Fälle zu thematisieren.

US-Politik bezichtigt Zuckerberg der Lüge

Noch deutlicher wurde David Cicilline, der im US-Repräsentantenhaus im Ausschuss zur Untersuchung von Kartellfragen sitzt. Auf Twitter schrieb er: "Es sieht so aus, als hätte Zuckerberg den Kongress darüber angelogen, ob die Nutzer 'die volle Kontrolle' darüber haben, wer unsere Daten auf Facebook sieht. Dies muss untersucht werden, und die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden."

In dieser Woche hat die New York Times aufgedeckt, dass Facebook Geräteherstellern Zugriff auf Facebook-Daten gewährt. 2007 wurde die Device-Integrated-API veröffentlicht, diese war aus einer Zeit, als Facebook noch darum kämpfte, auch auf mobilen Geräten genutzt zu werden. Zu dieser Zeit waren noch keine Apps üblich, wie sie heute bekannt sind. Mit dieser API sollten Gerätehersteller ihren Kunden die Möglichkeit geben, Facebook auf ihrem mobilen Gerät zu verwenden.

Daten von Freunden ohne deren Zustimmung erhalten

Diese API wurde unter anderem von Amazon, Apple, Blackberry, Microsoft und Samsung verwendet. Die New York Times ging der Sache nach und hat ein Blackberry-Smartphone von 2013 eingerichtet. Nachdem die Nutzerdaten für ein Facebook-Konto im Blackberry Hub eingegeben wurden, wurden alle Daten auf das Gerät geladen. Der Hub dient dazu, alle Daten aus sozialen Netzwerken, E-Mails und SMS an einem zentralen Ort zu sammeln. Darüber hinaus wurden aber auch die Nutzerdaten von Freunden geladen. Aber damit nicht genug, auch die persönlichen Daten von Freunden dieser Freunde wurden auf das Blackberry-Smartphone gespielt.

Zunächst gelangten so die Facebook-Daten von 556 Kontakten auf das Smartphone, am Ende hatte er Zugriff auf die Nutzerdaten von 294.258 Facebook-Anwendern. Die New York Times betont, dass diese Daten auch dann weitergegeben wurden, wenn die betreffenden Personen einer Weiterleitung ihrer Daten ausdrücklich nicht zugestimmt haben.

Seit 2015 haben Facebook-Kunden die Möglichkeit, der Datenweitergabe an Dritte zu widersprechen. Dieser Widerspruch gelte aber nach Facebooks Ansicht nicht für Device-Integrated-APIs. Denn das soziale Netzwerk sieht Kunden dieser API als Service Provider und diese seien keine dritten Parteien. Damit gelten nach Ansicht von Facebook auch nicht die 2012 ergangenen Regeln der US-Handelsaufsicht FTC, wonach sich Facebook verpflichtet, die Datenschutzeinstellungen der Kunden bezüglich der Datenweitergabe an Dritte zu berücksichtigen. Diese Auffassung teilt die FTC nicht und eine Datenweitergabe über die API sei damit nicht erlaubt.

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plutoniumsulfat 06. Jun 2018

Schon mal mit Gewaltenteilung beschäftigt? Wird in der Schule in so ziemlich jeder Stufe...

Cyber 06. Jun 2018

Es geht schlicht darum, dass Facebook (oder hier auch die API) einfach dein Adressbuch...

Bosancero 05. Jun 2018

Daran muss man auch denken...

PmK 05. Jun 2018

das mit dem Gevolkswagnet glaub ich auch.. und zwar genau aus der selben Perspektive...

bierwagenfahrer... 05. Jun 2018

Eigtl immer das selbe Sozialabbau, da passt social media doch gut ins Bild.


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