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Neue Werkstoffe: Transparentes Holz statt Glas und Plastik

Bei der indischen Version hapert es noch an der Durchsichtigkeit, doch die Herstellung soll umweltverträglich sein.
/ Wolfgang Kempkens
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Transparentes Holz aus Indien (Bild: Anish M. Chathoth)
Transparentes Holz aus Indien Bild: Anish M. Chathoth

Eine Entdeckung des Forstbotanikers Siegfried Fink von der Universität Freiburg ließ Anfang der 1990er Jahre die wissenschaftliche Welt aufhorchen. Er hatte, um sich die Mikroskoparbeit zu erleichtern, transparentes Holz hergestellt. Seitdem arbeiten Forscher in aller Welt daran, das Verfahren umweltverträglicher zu gestalten und die Transparenz zu verbessern.

Die Ligninwäsche ist entscheidend

In Sachen Umweltverträglichkeit setzen Forscher am Indian Institute of Technology(öffnet im neuen Fenster) in der indischen Hauptstadt Neu Delhi jetzt nach eigener Aussage neue Maßstäbe. Sie waschen das Lignin, das die Holzfasern zusammenhält und für Intransparenz sorgt, mit einem Salz namens Natriumchlorit aus und ersetzen es durch ein transparentes Epoxidharz. Dabei entstünden weniger oder gar keine Reststoffe, die entsorgt werden müssen, sagt Prodyut Dhar, Assistenzprofessor an der Bioverfahrensschule des Instituts.

"Transparentes Holz kann umweltschädliche Kunststoffe auf Erdölbasis wie Polypropylen, Polyvinylchlorid (PVC), Acryl, Polyethylen und andere ersetzen", meint Dhar. Allerdings erreicht die indische Version des Holzes noch längst nicht die Transparenz von Glas. Forscher an der University of Maryland in College Park/USA waren in dieser Hinsicht 2016 schon weiter, Golem.de berichtete. Bei der Umweltverträglichkeit sehen sich die indischen Forscher jedoch vorn.

Schutz vor neugierigen Blicken

Transparentes Holz nach indischer Art könnte Fensterglas nur in Spezialfällen ergänzen, etwa in sanitären Räumen, die vor Blicken geschützt werden müssen. Hier könnte es seine großen Vorteile ausspielen, nämlich nahezu unzerbrechlich zu sein und bei der Herstellung deutlich weniger Energie zu verbrauchen, was nicht ganz unumstritten ist.

Vielseitig einsetzbar

Transparentes Holz wird aus dünnen Holzscheiben nahezu beliebiger Größen hergestellt. "Es ist so fest wie das ursprüngliche Holz, aber leichter", sagt Anish M. Chathoth, Assistenzprofessor am College of Forestry der Kerala Agricultural University(öffnet im neuen Fenster) in Vellanikkara. "Die Möglichkeit, transparentem Holz vielfältige und fortschrittliche Eigenschaften durch den Einbau unterschiedlicher Kunststoffmoleküle zu verleihen, macht es zu einem einzigartigen biobasierten Material für vielseitige Anwendungen." Angesichts der wachsenden Bedenken hinsichtlich der Umweltauswirkungen von Kunststoffmaterialien auf Erdölbasis könne transparentes Holz eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen.


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