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Stromnetzentlastung durch die Hintertür

Damit im Sommer möglichst wenig Strom verschenkt und im Winter noch ein bisschen eingespeist wird, wäre eine Anlagengröße zwischen 4 und 5 Kilowatt sinnvoll. Auch der Stromspeicher sollte in diesem Bereich liegen.

Richtet man die Solarmodule, sofern möglich, in verschiedene Richtungen aus, kann der Wechselrichter an einem sonnigen Tag bis zu 10 Stunden nur aus der direkten Umwandlung der Sonnenenergie einspeisen. Das Leistungsmaximum in der Mitte des Tages würde im Akku für die Abend- und Nachtstunden zwischengespeichert.

Mittelweg finden

Auf diese Weise würden an den besten Tagen mehr als 10 kWh eingespeist, allerdings auch 10 kWh verloren gehen. Zu weniger sonnigen Zeiten wäre das System dagegen gut ausgelastet und selbst im Winter würden sich noch 1 bis 2 kWh erzeugen lassen. Der Stromspeicher hingegen wäre in der dunklen Jahreszeit weitgehend beschäftigungslos.

Ist dagegen ein dynamischer Stromtarif verfügbar, könnte der Akku in den Wintermonaten genutzt werden, um Produktionsspitzen bei der Windkraft abzuschöpfen und diesen Strom selbst zu nutzen. Dann könnte der Speicher vermutlich sogar größer ausfallen.

Die Komplexität der Anlage nimmt so natürlich zu, entsprechend auch die Anschaffungskosten. Mit 4 Kilowatt an PV-Leistung und einem ähnlich großen Akku, der ausschließlich über die Solarzellen geladen wird, könnten grob überschlagen 2.500 kWh im Jahr in das eigene Stromnetz fließen. Aufgrund der geringen Einspeiseleistung ließe sich das meiste davon vermutlich sogar selbst verbrauchen.

Netzstrom bleibt allerdings unverzichtbar. Schon der Wasserkocher überschreitet die begrenzte Einspeiseleistung, die Waschmaschine erst recht. Sämtliche Kleinelektronik, Fernseher und Licht hingegen ließen sich aus selbst erzeugtem Strom betreiben, wenigstens im Sommerhalbjahr.

Forderungen aus der Politik finden sich wieder

Weil sich durch die im Raum stehende Abschaffung der festen Einspeisevergütung für private Solaranlagen die Installation von 10 oder 15 Kilowatt PV-Leistung nur noch selten lohnt, stellt ein übergroßes Balkonkraftwerk eine interessante Alternative dar. Anders als bei großen Anlagen würde der meiste Strom selbst verbraucht und eine weitere Verwertung wäre unnötig.

Die Begrenzung der Netzeinspeisung auf 800 Voltampere würde zudem durch die Hintertür eine Überproduktion in sonnigen Mittagsstunden verhindern. Die Verwendung eines Akkuspeichers würde mittägliche Spitzen puffern und dann freigeben, wenn der Strom tatsächlich benötigt würde. So könnte die Norm zusätzlich zur Netzstabilität beitragen und Diskussionen über Einspeisevergütungen überflüssig machen, auch wenn sie die Verantwortung komplett auf die Verbraucher überträgt.

In Summe bedeutend

Für alle lohnen könnte es sich trotzdem. Nur einmal angenommen, dass drei von vier Haushalten die Möglichkeit hätten, eine solche Anlage mit 4 Kilowatt zu betreiben und 2.500 kWh zu erzeugen. Das ergäbe etwa 75 Terawattstunden Strom pro Jahr, rund ein Siebtel der kompletten Stromerzeugung in Deutschland. Bei 30 Cent je kWh ließen sich 22,5 Milliarden Euro im Jahr sparen, 270 Euro pro Kopf.


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