Neue Staffel, neues Glück: Die zweite Staffel von Halo ist deutlich besser

Spoiler-Warnung: Naturgemäß müssen wir auf Ereignisse der ersten Staffel Bezug nehmen. Wer nichts wissen will, bevor er oder sie selbst schaut, sollte hier nicht weiterlesen!
Die erste Staffel ist bei Kritikern und Fans umstritten. Sie bietet reichlich Action und coole Effekte, ihr gelingt jedoch nicht die Balance zwischen notwendigem Fan-Service und der Originalität, die auch ein Publikum anspricht, das mit den Games nicht vertraut ist. Vielleicht auch deswegen wurde der Showrunner ersetzt. Die Geschicke der zweiten Staffel leitet David Wiener(öffnet im neuen Fenster) und beschert der Show eine Art soften Reboot.
Halo ist eines der erfolgreichsten Games aller Zeiten - es gab einige Fortsetzungen, Filme und Webserien und auch Romane. Die Serie von Paramount+ ist aber der ambitionierteste Versuch, die Welt der Games in die des Mediums Film zu übertragen. Dass dies besser als bisher gelingt, ist Wiener anzurechnen.
Er hat viel von dem über Bord geworfen, was in der ersten Staffel nicht funktionierte, etwa die sich ständig bemüht anfühlende Romanze zwischen John-117 und Makee. Was er auch verwarf: Cortana. Die KI übernahm am Ende der ersten Staffel den Master Chief. Dieses Story-Element wird man gleich in der ersten Folge los - dann folgt der Zeitsprung.
Monate später
Die Geschichte beginnt sechs Monate nach den Ereignissen des Finales der ersten Staffel. Der große außerirdische Gegner ist noch immer der Covenant. Er hat seine Kampagne gegen die Menschheit ausgebaut und greift eine Welt nach der anderen an, weswegen das UNSC, das United Nations Space Command, dem auch die Spartans unterstehen, immer wieder aktiv werden muss. Der Master Chief und seine Mitstreiter sind mehr denn je gefragt, dem Feind die Stirn zu bieten - und finden im Lauf dieser Abwehrkämpfe auch mehr über den Covenant heraus.
Die Kämpfe sehen besser denn je aus. Das zeigt sich schon in der ersten Folge, als der Master Chief und seine Leute im Nebel gegen Feinde mit Energieschwertern kämpfen. Das ist ein starker visueller Einstieg. Die Action ist heftig und immersiv.
Hauptdarsteller Pablo Schreiber hatte schon im Vorfeld versprochen, dass die Tonalität eine andere sein würde. Er sagte:(öffnet im neuen Fenster) "Die Staffel ist düsterer und mysteriöser."
Zugleich wird die Action aber auch etwas anders als bisher aussehen. Auch darüber ließ sich Schreiber aus: "Die Art und Weise, wie wir die Actionsequenzen handhaben, ist anders. Sie fühlen sich viel subjektiver an. Man ist sozusagen mit den Figuren in der Schlacht, anstatt sie aus der Ferne zu sehen. Ich denke, das ist eine viel effektivere Art, mit den Kampfsequenzen umzugehen. Und ganz allgemein ist diese Veränderung in der Tonalität die größte Veränderung, die das Ganze ein bisschen tiefer, geheimnisvoller und interessanter macht."
Das ist auch definitiv eine der Verbesserungen der neuen Staffel. Aber: Der Helm bleibt nicht ständig auf. Und das ist gut so.
Mit dem Helm würde man viel verlieren
Fans störten sich daran, dass der Master Chief ohne Helm zu sehen ist. Oft wird The Mandalorian als Vergleich herangezogen - dass man eine Figur auch emotional aufbauen kann, ohne dass man ihr Gesicht sieht. Aber bei Halo würde man viel verlieren. Denn Pablo Schreiber ist gut - das zeigt sich am meisten in den gemeinsamen Szenen mit dem Neuankömmling James Ackerson (gespielt von Joseph Morgan), der der neue Leiter des Spartan-Programms ist. Die Figur ist aus den frühen Romanen zu Halo bekannt. Ein Veteran, der durchaus manipulativ sein kann und für die Dynamik der Gruppe enorm wichtig ist. Die Gespräche zwischen Ackerson und John sind ein echtes Highlight der ersten Folgen.
Schreiber nutzt die Gelegenheit, schauspielerisch zu strahlen. Man spürt richtig, wie er aufblüht, nun, da einige der fragwürdigeren Konzepte der ersten Staffel über Bord geworfen wurden.
Überbleibsel aus Staffel 1
Es gibt aber Rückstände aus der ersten Staffel. Die Szenen mit dem von Bokeem Woodbine gespielten Soren, einem alten Kumpel des Master Chiefs, sind noch überflüssiger, als sie es in der ersten Staffel schon waren. Seine Suche nach der verschwundenen Doktor Halsey, die einst das Spartan-Programm leitete, aber ihre ganz eigene Agenda verfolgte, wirkt fast schon wie ein Fremdkörper. Man könnte sagen: Die Szenen mit Soren haben das Niveau der entsprechenden Sequenzen der ersten Staffel. Aber der Rest von Halo ist besser geworden - und darum merkt man nun eine deutliche Diskrepanz. Im Grunde hätte man Wiener den Mut gewünscht, auf diese Handlungsteile komplett zu verzichten.
Das gilt auch für Makee (gespielt von Charlie Murphy), die Menschenfrau in Diensten des Covenants. Sie ist wieder dabei, aber ihre Figur hätte es nicht mehr gebraucht. Sie ist nur ein weiteres Überbleibsel, vielleicht aus dem Gedanken heraus geboren, den Übergang von der ersten zur zweiten Staffel für jene leichter zu machen, die schon die ursprüngliche Staffel in ihrer Gesamtheit gut fanden.
Zweite Chance
Die Action ist noch ein Stück weit besser als bisher. Sie sieht umwerfend aus. Aber das allein könnte das Interesse nicht halten, es ist tatsächlich die gelungenere Definition von Master Chief John-117 als Figur, die einer der Pluspunkte der zweiten Staffel ist. Zudem gibt es mit Ackerson eine neue, interessante Figur. Und: Schon in den ersten beiden Folgen werden ein paar Mysterien angesprochen, die im Verlauf der Staffel wichtig werden und das Publikum in die Geschichte hineinziehen.
Die zweite Staffel hat ihre Schwächen, aber sie ist eine deutliche Verbesserung, so dass es sich zumindest lohnt, der Show eine zweite Chance zu geben. Alle, die die Serie bisher nicht mochten, könnte eine positive Überraschung erleben.



