Neue Sailfish-Geräte angeschaut: Jolla bringt Sailfish OS auf Feature Phones

Jolla hat nicht nur Sailfish OS 3 angekündigt, sondern weitet auch die Verfügbarkeit seines Betriebssystems aus: Mit dem Xperia XA2 und dem Gemini PDA können weitere Geräte Sailfish OS verwenden. Interessant dürfte zudem die Handy-Version von Sailfish OS sein, die Android-Apps wiedergeben kann.

Ein Hands-on von veröffentlicht am
Sailfish OS auf einem Feature Phone
Sailfish OS auf einem Feature Phone (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Der finnische Hersteller Jolla hat die dritte Version seines mobilen Betriebssystems Sailfish OS vorgestellt. Sailfish OS 3 bringt Verbesserungen beim Design und der Sicherheit, neue APIs sowie eine vollständige Cloud-Integration. Außerdem hat Jolla eine breitere Verfügbarkeit seines Betriebssystems für weitere Geräte angekündigt.

Neben Smartphones soll Sailfish OS künftig auch auf Feature Phones laufen, also einfachen Handys, wie sie beispielsweise HMD Global unter der Marke Nokia gerade wieder verstärkt auf den Markt bringt. Golem.de hat sich einige der neuen Geräte angeschaut.

Abseits der direkt mit Jolla veröffentlichten Smartphones wird das Sailfish-X-Programm ausgeweitet. Neben dem Xperia X kann Sailfish OS künftig auch auf Sonys auf der CES 2018 vorgestelltem Xperia XA2 laufen. Hilfreich ist hier der wesentlich schmalere Rahmen links und rechts vom Display, der die Wischgesten vereinfacht.

Wie von Sailfish OS gewohnt, können wir mit Wischgesten vom Startbildschirm in die Terminübersicht wechseln. Die App-Übersicht erreichen wir wie gehabt durch einen Wisch von unten in das Display; befinden wir uns in einer App, kommen wir mit einem Wisch rechts ins Bild hinein wieder in den Startbildschirm.

Gänzlich anders sieht Sailfish OS auf einem Nokia 3310 von HMD Global aus. Das Gerät sieht allerdings nur aus wie ein Nokia 3310, im Inneren steckt andere Technik. Zur neuen Strategie von Jolla gehört es, sein Betriebssystem auch für Feature Phones zur Verfügung zu stellen. Dort ist die Bedienung komplett auf Hardwarebuttons ausgelegt, zudem ist das System merklich im Funktionsumfang reduziert. Der Grund dafür liegt in den Hardwarebeschränkungen der meisten Feature Phones, die für gewöhnlich wenig Speicher und einen schwachen Prozessor haben.

  • Der Gemini PDA hat eine vollwertige Tastatur und kann mit Sailfish OS bestückt werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Eine Terminal-Anwendung auf dem Gemini PDA (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Benutzeroberfläche von Sailfish OS sieht auch im Querformat gut aus und lässt sich gut bedienen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Das Gemini PDA im zusammengeklappten Zustand (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Neu ist Sailfish OS auch auf dem Xperia XA2 von Sony ...
  • ... sowie auf dem Handy Nokia 3310 von HMD Global. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Bedienung auf dem Xperia XA2 ist dank des schmalen Displayrahmens sehr angenehm. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Benachrichtigungsbildschirm von Sailfish OS (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Auf dem Nokia 3310 sieht man der Benutzerfläche an, dass Sailfish OS dahintersteckt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Interessant ist Sailfish OS auf einfachen Feature Phones vor allem wegen der Unterstützung von Android-Apps - wie beispielsweise Whatsapp. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der Gemini PDA hat eine vollwertige Tastatur und kann mit Sailfish OS bestückt werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Android-Apps auf Feature Phones

Dennoch kommt Sailfish OS für Feature Phones mit den Kern-Apps des Betriebssystems, wie etwa dem Kalender, einem Browser und einem E-Mail-Programm. Zusätzlich können Nutzer über einen speziellen Appstore Android-Anwendungen herunterladen und installieren. Das ist beispielsweise bei Messengern wie Whatsapp praktisch, die dadurch auch auf einfachen Handys genutzt werden können. Auch hier liegt die Beschränkung in der Hardware, nicht bei der Software - mittlerweile ist es Jollas CEO Sami Pienimäki zufolge möglich, fast alle Android-Apps auch auf Sailfish OS laufen zu lassen.

Ein mit Sailfish OS ausgestattetes Handy würde einen deutlich größeren Funktionsumfang als bisherige Geräte haben. Bei dem uns gezeigten Feature Phone lief das Betriebssystem zügig, solange der Nutzer die Kernanwendungen verwendet. Der Start von Whatsapp hat einige Sekunden benötigt, dann war der Chat-Client allerdings nutzbar wie auf einem Smartphone.

Ein weiteres Gerät, auf dem Sailfish OS laufen wird, ist der Gemini PDA von Planet Computers. Der PDA soll im Frühjahr 2018 an die Crowdfunding-Unterstützer ausgeliefert werden und bietet ein aufklappbares Display und eine vollwertige Hardwaretastatur im Hosentaschenformat.

Sailfish OS im Querformat auf dem Gemini PDA

Sailfish OS wirkt im Querformat auf dem Gerät genauso gut nutzbar wie auf einem Smartphone im Hochformat. Die Benutzeroberfläche läuft auch hier flüssig, die Gesten sind dieselben wie bei den Sailfish-OS-Smartphones. Der Gemini PDA soll letztlich sowohl mit Android als auch verschiedenen Linux-Distributionen und Sailfish OS kompatibel sein, je nachdem, was der Nutzer präferiert.

Die Ausweitung von Sailfish OS könnte in Zukunft einige interessante Geräte hervorbringen. Gerade im preiswerten Feature-Phone-Markt könnte die Android-Kompatibilität des Betriebssystems einen Mehrwert bringen.

Sailfish OS 3 soll im dritten Quartal 2018 an alle Lizenznehmer und Kunden verteilt werden. Wer bereits Sailfish X für sein Sony-Smartphone gekauft hat oder ein Jolla-Smartphone besitzt, bekommt das Update drahtlos geliefert. Jolla arbeitet aktuell daran, neue Geräte mit Partnern zu entwickeln und treibt die Lokalisierung in Russland, China und Südamerika voran.

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