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Neue Prime-Video-App im Test: Amazon macht Prime Video noch schlechter

Amazon hat der Prime-Video-App eine neue Oberfläche verpasst. Die grundlegenden Probleme von Prime Video werden nicht gelöst, sondern noch schlimmer, wie unser Test zeigt.
/ Ingo Pakalski
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Amazons neue Prime-Video-Oberfläche im Test (Bild: Screenshot: Golem.de)
Amazons neue Prime-Video-Oberfläche im Test Bild: Screenshot: Golem.de

Unübersichtlich und unpraktisch: Die Nutzeroberfläche für Prime Video hat so einige Probleme. Mit der neuen Version von Prime Video sollte eigentlich alles besser werden – ist es aber nicht. Unser Test zeigt die Schwachstellen und wo die neue App sogar noch schlechter ist als die alte.

Getestet haben wir die neue Prime-Video-App auf mehreren Streaming-Plattformen: Amazons Fire TV, Apples tvOS, Googles Android TV und dem Roku-Betriebssystem. Auf Amazons Fire-TV-Geräten gibt es die neue Oberfläche nur in einer gesonderten Prime-Video-App, obwohl diese Geräte eigentlich auf die Nutzung von Prime Video zugeschnitten sind. Die Änderungen von Prime Video haben also auf die Fire-TV-Oberfläche (g+) keinen Einfluss.

Besonders augenfällig ist, dass die bisher horizontal angeordnete Hauptnavigationsleiste durch eine vertikale Variante ersetzt wurde. Die Leiste befindet sich nun auf der linken Seite der Oberfläche und umfasst, von oben nach unten gelesen, die Menüpunkte Profilwechsel, Suche, Hauptbildschirm, Shop, Live-TV, Freevee sowie einen "eigenen Bereich". Letzterer bietet den Zugriff auf die Merkliste sowie die gekauften oder geliehenen Titel.

Optische Änderungen in der Prime-Video-App

In der Hauptrubrik und im Shop-Bereich gibt es ganz oben die Möglichkeit, zwischen weiteren Rubriken zu wechseln. In der Hauptansicht sind das Alle (Inhalte), Filme, Serien und Sportübertragungen. Im Freevee-Bereich wird unterteilt in Alle (Inhalte), Filme und Serien. In der Shop-Rubrik gibt es wieder als erstes den Bereich Alle, danach folgen Kaufen und Leihen als ein Bereich, Channels sowie zum Schluss ein Bereich mit Angeboten.

In den einzelnen Rubriken finden sich weitere Unterbereiche, die dann wieder horizontal angeordnet ist. Wir können seitlich durch die jeweiligen Kategorien scrollen. Hier gibt es also die alte Struktur. Insbesondere hier zeigt sich, wenn die verwendete Hardware für die Prime-Video-App nicht leistungsfähig genug ist. Dann hakt und stockt es, ein flüssiges Scrollen durch die Inhalte ist nicht möglich.

Wenn es in der Prime-Video-App hakt

Die Probleme mit der langsam reagierenden Oberfläche gibt es unter anderem auf Googles Chromecast mit Google TV, den Roku-Geräten sowie den preiswerteren Fire-TV-Modellen. Auch beim Blättern zwischen den Kategorien hakt es mitunter. Wer sich daran stört, muss auf leistungsfähige Geräte setzen, wie etwa den Fire TV Stick 4K Max (g+), den Fire TV Cube oder das Apple TV (g+).

Auf dem Hauptbildschirm der Prime-Video-App gibt es ganz oben Programmhinweise, die viel Platz einnehmen. In der Zeile darunter sind neuerdings besonders große Coverbilder für die Inhalte, die Amazon dort entsprechend bewirbt. Dadurch ist weniger Platz für andere Informationen. Bis man die übrigen Inhalte zu Gesicht bekommt, muss man erstmal weit nach unten blättern.

Weiterschauen-Bereich ist weit nach unten gerutscht

Im Hauptbildschirm gibt es zudem einen Bereich, in dem die Filme und Serien gesammelt werden, die noch nicht zu Ende geschaut wurden. Eigentlich ist die Funktion dazu gedacht, zügig bereits begonnene Inhalte weiterschauen zu können. In der neuen Prime-Video-App ist dieser Weiterschauen-Bereich bei uns sehr weit nach unten gewandert – wir müssen im Hauptbildschirm mit der Fernbedienung fünf Mal nach unten blättern. Für unseren Geschmack hat Amazon diese zentrale Funktion viel zu weit nach unten gesetzt.

Wie auch bisher schon müssen sich Abonnenten von Prime Video damit abfinden, dass am Anfang von Filmen, Serien und einzelnen Episoden Werbeclips eingeblendet werden. Diese lassen sich überspringen, es ist aber trotzdem ärgerlich, dass das kostenpflichtige Abo mit Werbung versehen ist, obwohl Abonnenten eigentlich für einen werbefreien Streamingdienst zahlen. Auch Apple folgt bei Apple TV+ dem Beispiel von Amazon und zeigt vor Filmen, am Anfang von Serien und zu Beginn von Serienepisoden ebenfalls Werbeclips. Bei Diensten wie Disney+ oder Netflix gibt es das nicht.

Das ist ärgerlich, aber noch viel ärgerlicher ist: Im Test wurde jede Hoffnung zerstreut, dass die neue Prime-Video-Oberfläche eine klarere Trennung zwischen Abo- und Bezahlinhalten bringen wird. Es ist sogar noch schlimmer geworden.

Prime-Video-App verliert Prime-Banderole

In der neuen Oberfläche von Prime Video vermischt Amazon weiterhin Abo-Inhalte von Prime Video mit Kauf- und Leihtiteln, die zusätzliche Gebühren kosten. In der Merkliste und bei den Suchergebnissen kommen zur weiteren Verwirrung noch die Inhalte von Freevee dazu, also von Filmen und Serien mit Werbeunterbrechungen.

Wie bei Netflix oder Wow ändert sich der Katalog von Prime Video nahezu täglich. Es kommen Filme und Serien dazu, andere Inhalte verschwinden aus dem Abo. Der Katalog von Prime Video ändert sich dynamisch, so dass es passieren kann, dass ein vor einigen Wochen oder Monaten vorgemerkter Film nicht mehr im Prime-Abo enthalten ist, wenn Abonnenten ihn später anschauen wollen. Nicht nur deswegen wäre es für Abonnenten wünschenswert, nur die Inhalte angezeigt zu bekommen, die im Abo enthalten sind.

Eine solche, von vielen Abonnenten etwa in Foren immer wieder gewünschte Option gibt es in der neuen Prime-Video-App auf Streaming-Geräten weiterhin nicht. Es gab einen solchen Schalter auf Smartphones und Tablets, aber die Filtermöglichkeit wurde mit dem Update der Prime-Video-App entfernt.

Amazon entfernt Prime-Banderole bei weiteren Geräten

Bislang hatten Filme und Serien im Abo eine Prime-Banderole, womit sie auf einen Blick als Abo-Inhalte erkennbar waren. Diese sichtbare Markierung gibt es in der neuen Version von Prime Video nicht mehr. Auf Fire-TV-Geräten wurde die Prime-Markierung bereits 2016 aus der Oberfläche entfernt. Nun verschwindet die praktische Markierung auch bei allen übrigen Geräten, auf denen Prime Video läuft.

Markiert sind nun die Kauf- und Leihtitel. Sie tragen in allen Bereichen der Prime-Video-App unter dem Icon einen Schriftzug, wonach der Titel ausgeliehen oder digital gekauft werden kann – ein klarer Vorzug gegenüber der Fire-TV-Oberfläche, in der eine solche Kennzeichnung fehlt. Umgekehrt heißt das aber nicht, dass alle nicht markierten Titel zum Abo gehören. Sie können genauso gut zu Freevee gehören, denn die Freevee-Inhalte haben ebenfalls keine Markierung – das Problem zeigt sich in der Merkliste und den Suchergebnissen. Ob Freevee oder Abo ist erst in den Details zu sehen.

Integration von Freevee-Inhalten bringt weitere Probleme

Damit ist der Katalog von Prime Video noch unübersichtlicher geworden – vor allem für Nutzer, die keine Inhalte mit Werbeunterbrechungen anschauen möchten. Es ist ärgerlich, dass Amazon die eindeutige Prime-Markierung zugunsten dieser Unübersichtlichkeit aufgegeben hat.

Das gilt auch für die Suche: Zwar bietet sie als einziger Bereich in der Prime-Video-App eine Filterfunktion, die ist aber nicht gerade nutzerfreundlich integriert. Denn nach der Eingabe eines Suchbegriffs erhalten wir die Option "für mich kostenlos". Das bedeutet aber keinesfalls, dass nur noch Prime-Abo-Inhalte angezeigt werden. Stattdessen landen alle Freevee-Inhalte mit in den Suchergebnissen.

Die Filterfunktion in der Suche hat Tücken

Somit fehlt also auch in der Suche ein Filter, um sich nur die Abo-Inhalte von Prime Video anzeigen zu lassen. Abgesehen davon ist der Kostenlosfilter unfassbar schlecht implementiert. Er kann nicht dauerhaft aktiviert werden, sondern muss nach jeder weiteren Suchanfrage erneut angewählt werden. Unpraktischer geht es kaum noch.

Ein weiteres Manko: In den Details von Filmen und Serien haben wir auf Streaming-Geräten oder Smart-TVs keine Möglichkeit, uns die Kundenkommentare anzusehen. Dabei wäre es manchmal ungemein praktisch, diese Bewertungen auch auf dem Fernseher lesen zu können.

Prime-Video-App nicht an Apple TV angepasst

Schwerer wiegt aber, dass die Prime-Video-App leider nicht auf allen Plattformen an die jeweiligen Fähigkeiten der Geräte angepasst ist. Auf Roku-Geräten erhalten wir bei Druck auf die Rücksprungtaste weiterhin für ein paar Sekunden automatisch Untertitel eingeblendet, sofern diese verfügbar sind. Wer also etwa in einem Film oder einer Serie zurückspringt, weil er etwas akustisch nicht verstanden hat, erhält die optimale Hilfestellung. Schade, dass es die Funktion auf anderen Plattformen nicht gibt.

Ein klarer Rückschritt ist die neue Prime-Video-App für das aktuelle Apple-TV-Modell mit Jog-Dial-Steuerung auf der Fernbedienung (g+). Während bei der Markteinführung des aktuellen Apple TV die Prime-Video-App die Jog-Dial-Steuerung unterstützte, wurde diese Funktion mit der neuen Version der Prime-Video-App gestrichen. Es gibt also die gleiche Beschränkung wie bei Disney+ auf dem Apple TV.

Weiterhin ist Prime Video das einzige Streaming-Abo, bei dem Informationen zu Schauspielern in einer Szene angezeigt werden. Die Funktion nennt sich X-Ray. Auch mit der Neugestaltung der Prime-Video-App gibt es weiterhin keinen Sonderbereich, um Bonusmaterial zu Filmen wie gelöschte Szenen, Hintergrundberichte oder ähnliches zu präsentieren. Diesbezüglich ist Disney+ der einzige Anbieter, der solche Dinge bereitstellt.

Neues Prime Video im Test – Verfügbarkeit und Fazit

Die neue Prime-Video-Oberfläche sollte auf allen bekannten Plattformen verfügbar sein. Amazon hat nach eigenen Angaben im Juli 2022 mit der Verteilung begonnen. Es ist unklar, ob die Aktualisierung bereits bei allen Abonnenten angekommen ist, möglicherweise dauert es bei einigen noch ein paar Wochen. Golem.de hat Prime Video auf folgenden Geräten getestet: Apple TV, auf verschiedenen Fire-TV-Modellen, dem Roku Streaming Stick 4K sowie Googles Chromecast mit Google TV.

Fazit

Mit dem Update der Prime-Video-App enthält Amazon Abonnenten weiterhin vor, was Kunden von einer solchen App erwarten: In der neuen Oberfläche gibt es erneut keine Möglichkeit, sich nur die Inhalte anzeigen zu lassen, die im Abo von Prime Video enthalten sind.

Weiterhin vermischt Amazon munter Abo-Inhalte mit Kauf- und Leihtiteln. In der Merkliste sowie in den Suchergebnissen werden zudem alle Inhalte von Freevee integriert, also Filme und Serien mit Werbeunterbrechungen. Dadurch hat sich die Übersichtlichkeit für Prime-Video-Abonnenten nochmal enorm verschlechtert.

Denn Prime-Inhalte lassen sich durch den Wegfall der Prime-Banderole weniger gut erkennen als bisher. Abonnenten können zwar auf einen Blick erkennen, wenn für einen Film oder eine Serie zusätzlich etwas bezahlt werden muss. Jedoch haben Prime-Abo- und Freevee-Inhalte keine Markierung und können somit nicht unterschieden werden. Das ist das Gegenteil einer intuitiven Bedienung.

Es ist schade, dass Amazon seinen Dienst weiterhin an den Bedürfnissen der Abonnenten vorbei entwickelt. Das bekommen Anbieter wie Sky seit Jahren besser hin: In der Hauptansicht von Wow (ehemals Sky Ticket) sind nur Abo-Inhalte zu sehen. Diese Übersichtlichkeit erwarten Prime-Video-Abonnenten ebenfalls.

Amazon hatte sich nach eigenen Angaben eigentlich zum Ziel gesetzt, die Nutzung von Prime Video auf Smart-TVs und externen Streaming-Lösungen für die Kundschaft angenehmer zu machen. Dieses Vorhaben ist gescheitert, die Übersichtlichkeit wurde verschlechtert und längst überfällige Komfortfunktionen fehlen weiterhin.

Amazons neue Prime-Video-App ausprobiert
Amazons neue Prime-Video-App ausprobiert (01:10)

Auch mit der neuen Prime-Video-App müssen zahlende Abonnenten damit leben, dass vor Filmen, Serien und einzelnen Serienfolgen Werbeclips von Amazon geschaltet werden. Bei einem Bezahlabo können Abonnenten eigentlich erwarten, dass dieser ohne Werbung nutzbar ist.

Ärgerlich ist auch, dass die App auf allen preiswerteren externen Streaming-Lösungen nur träge reagiert und wir nicht flüssig in den Inhalten navigieren können. Das betrifft auch die meisten eigenen Fire-TV-Sticks, die Amazon verkauft und eigentlich speziell für den Konsum von Prime Video empfiehlt.


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