Neue Nuklearstrategie: Kanada will Kernreaktoren bauen und exportieren
Kanada will bis zum Jahr 2040 zehn neue Kernreaktoren errichten. Wie die Canadian Broadcasting Corporation (CBC) berichtet(öffnet im neuen Fenster), erklärte der kanadische Minister für Energie und natürliche Ressourcen, Tim Hodgson, die Neuausrichtung der Nuklearstrategie Kanadas sei notwendig, um das Ziel einer Verdopplung der erzeugten Energie zu erreichen.
"Wenn unser Ziel darin besteht, die Netzkapazität zu verdoppeln und in weniger als 25 Jahren eine kohlenstoffarme Wirtschaft aufzubauen, gibt es keinen glaubwürdigen Plan, dies ohne Kernenergie und den sauberen, zuverlässigen Grundlaststrom, den sie liefert, zu erreichen", so Hodges.
Der Minister rechnet zudem damit, dass die Pläne die Beschäftigtenzahl im Nuklearsektor von derzeit rund 90.000 auf über 180.000 ansteigen lassen werden. Es ist außerdem vorgesehen, dass bis zum Jahr 2035 ein in Kanada entwickelter Mikroreaktor fertiggestellt und dieser bis Ende der 2030er Jahre in einer abgelegenen Gemeinde in Betrieb genommen werden soll. Zudem ist geplant, in Kanada hergestellte Reaktoren an andere Länder zu verkaufen und den Uranexport zu verdoppeln.
Russland als Lieferanten für angereichertes Uran ersetzen
Kanada betreibt derzeit vier Kernkraftwerke, die 15 Prozent des kanadischen Stroms erzeugen. Vertreter des Ministeriums erklärten gegenüber CBC, dass der Bau der im Strategieplan vorgesehenen Reaktoren mehr als 100 Milliarden kanadische Dollar (61,9 Milliarden Euro) kosten könnte. Der Strategieplan enthält keine Angaben zur Finanzierung dieses Betrags.
Durch die Ausweitung der Exporte möchte Kanada Kernenergie als geopolitisches Instrument nutzen. Im Strategieplan wird betont, dass der Export von Reaktoren kein Einzelgeschäft sei, sondern auf Jahrzehnte angelegte geopolitische sowie wirtschaftliche Beziehungen schaffe.
Verkauft werden sollen vor allem Candu-Reaktoren. Diese sind nicht auf angereichertes Uran angewiesen und lassen sich auch mit Thorium-Mischungen auf Uran- oder Plutoniumbasis betreiben. Sollte sich der Export von Reaktoren nicht wie erwartet entwickeln, empfiehlt das Strategiepapier die Ausweitung der kanadischen Urananreicherung. Damit könne Kanada davon profitieren, dass sich westliche Verbündete von Russland als bislang wichtigstem Lieferanten für angereichertes Uran abwenden.
Der Golem-Blick
Im Zuge der Energiewende wird Kernenergie immer wieder als unverzichtbarer Bestandteil zur Grundlastsicherung einer kohlenstoffarmen Energieerzeugung genannt. Studien haben allerdings ergeben, dass Kernkraftwerke durch hohe Kosten, lange Bauzeiten von Reaktoren und deren träge Regelbarkeit schwerwiegende praktische Nachteile für die Integration in erneuerbare Energiesysteme mit sich bringen. Hinzu kommen die Risiken durch ernsthafte Reaktorunfälle.
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