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Neue Netflix-App auf Smart-TVs: Mehr Frust als Streaming-Lust

Viele Nutzer ärgern sich über die neue Netflix -App. Wir haben sie jetzt auch auf unserem Smart-TV und verstehen den Frust.
/ Mike Faust
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Netflix setzt uns die neue Oberfläche vor, ohne die Änderungen zu erklären. (Bild: Mike Faust/Golem.de)
Netflix setzt uns die neue Oberfläche vor, ohne die Änderungen zu erklären. Bild: Mike Faust/Golem.de

Mit dem Update seiner App auf Streaminggeräten und Smart-TVs wollte Netflix eigentlich für mehr Übersicht sorgen, stieß dabei aber nicht nur auf Begeisterung . Zwar wurde das Update bei vielen Nutzern immer noch nicht ausgeliefert, bei uns ist es aber mittlerweile auf ersten Geräten angekommen und wir können den Frust nachvollziehen.

Insbesondere die von der linken Seite an den oberen Rand des Bildschirms versetzte Menüleiste hat uns zunächst verwirrt. Beim Durchstöbern der viel zu großen Vorschaubilder auf der Startseite verloren wir außerdem schnell die Orientierung, in welcher Liste wir uns gerade befanden.

Während wir zuvor noch über und unter der aktuellen Ansicht sehen konnten, welche Vorschläge uns in der jeweiligen Aufreihung erwarteten, kündigt das nun nur noch eine kleine Überschrift der nächsten Sektion am unteren Ende des Bildschirms an. Nach oben erkennen wir jetzt gar nicht mehr, ob uns dort die Weiterschauen-, die Als-nächstes-für-Sie-ausgewählt- oder eine der anderen Auswahllisten erwartet.

Neuerungen werden nicht erklärt

Ein gutes Beispiel für die zu großen Vorschaubilder ist die Top-10-Liste. Hier sehen wir statt fünf nur noch zweieinhalb Titel, wobei dem halben Bild der Titel des Inhalts fehlt. In den übrigen Listen sehen wir immerhin drei Vorschläge komplett.

Über den Sinn der zwischendurch vorgestellten Spiele-Apps lässt sich ohnehin streiten und ob Netflix weiterhin die Titelbilder von Filmen und Serien nach einem nicht erkennbaren Muster tauscht und so das Erkennen der Titel am Cover erschwert, können wir noch nicht beurteilen.

Besonders anspruchsvoll für das Muskelgedächtnis bleibt allerdings die Menüleiste: In der alten Netflix-Oberfläche konnten wir mit einem Klick nach links unkompliziert die Kategorien und das Suchmenü aufrufen. In der neuen Oberfläche klickten wir uns dafür zunächst immer wieder bis nach oben – ehe wir bemerkten, dass ein Druck auf die Zurück-Taste unserer Fernbedienung reicht.

Das Herumprobieren wäre nicht nötig, würde Netflix den Nutzern die neue Oberfläche erklären – stattdessen wird sie ihnen einfach vorgesetzt. Nutzern einfach eine neue Oberfläche vorzusetzen und nichts zu erklären. Dadurch müssen bisher genutzte Funktionen mitunter erst mühsam gesucht werden.

Merkliste immer noch nicht sortierbar

Dass das Menü verkürzt wurde, stört uns weniger. Die Rubriken Neu und beliebt und Kategorien fallen weg, es bleiben die Punkte Suche, Startseite, Serien, Filme und Mein Netflix. Die Kategorien sind zudem nicht gänzlich weg, sondern werden im Suchmenü unterhalb des Tastenfeldes immer noch zur Auswahl angeboten.

Der Mein-Netflix-Bereich, den es auf Smartphones und Tablets bereits seit Längerem gibt, zeigt uns als ersten Eintrag unsere eigenen Merkliste an. Die können wir zwar nicht selbst sortieren, allerdings scheint es so, dass der zuletzt zur Merkliste hinzugefügte Titel immer als erstes angezeigt wird.

Die von der Netflix-App auf Smartphones und Tablets bekannte Option, die Merkliste zumindest nach Datum der Aufnahme in die Liste oder von A bis Z zu sortieren, hätten wir uns auch auf dem TV gewünscht. Wobei sich auf den mobilen Endgeräten immer noch kritisieren lässt, dass sich die Liste die eingestellte Sortieroption nicht merkt und nach jedem Menüwechsel wieder auf die von Netflix bestimmte Sortierung zurückgesetzt wird.

Im Vergleich ist Netflix dennoch gut

Unter den übrigen Listen im Mein-Netflix-Bereich finden sich auch Titel, die wir bereits gesehen und als Gefällt mir markiert oder deren Trailer wir uns angesehen haben. Vor allem die Vorschläge für Inhalte, die wir vielleicht noch einmal ansehen möchten, haben uns sehr gut gefallen.

Die Netflix-App gehört unter den Streaming-Apps zu den performanteren: Sie lässt sich fast immer flüssig bedienen und hat nur selten mit Ladeproblemen zu kämpfen, wie auch ein Golem-Leser unter unserem Artikel zum Netflix-Jubiläum schreibt. Unter anderem Wow und Paramount+ schneiden bei der Zuverlässigkeit deutlich schlechter ab.

Da sich der Aufbau einer App zwar objektiv beschreiben, der vermittelte Eindruck aber nur subjektiv bewerten lässt, kann es ein, dass andere Nutzer die Neuerungen weniger unübersichtlich finden. Und im Vergleich mit der Konkurrenz zeigt sich die Netflix-App noch immer gut durchdacht. Das neue Design bringt uns allerdings kaum Verbesserungen und die Übersichtlichkeit leidet durch die viel zu großen Vorschaubilder.


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