Neue Konzepte: Microsoft ist im Angriffsmodus

Hololens, plattformübergreifende Microsoft-Anwendungen überall und immer mehr Neuheiten, die durchaus das viel zu häufig verwendete Wort Innovation verdienen: Der Wandel des Unternehmens ist geglückt und der Rest der Konkurrenz sollte schon einmal Angst bekommen.

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Microsoft-Chef Satya Nadella auf der Build 2015
Microsoft-Chef Satya Nadella auf der Build 2015 (Bild: Robert Galbraith/Reuters)

"MS ist wohl gerade im Angriffsmodus", kommentierte einer unserer Forenteilnehmer unsere Berichterstattung von Microsofts Entwicklerkonferenz Build 2015 und der darauffolgenden Ignite. Und das stimmt. Aber wer hätte das gedacht? Microsoft als innovatives Unternehmen mit intelligenten Konzepten für den modernen IT-Arbeiter? Vor ein paar Jahren wäre noch jeder ausgelacht worden, der so etwas behauptet hätte.

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Doch unter Satya Nadella wandelt sich der Konzern in einem atemberaubenden Tempo. Microsoft hat erkannt, dass es nicht mehr kleinteilig geht. Die neue Konferenz Ignite unterstreicht das, was Microsoft im ganzen Konzern macht: Konsolidieren und Zusammenpacken von allem, was eigentlich zusammengehört. Die Konferenz hat über 20.000 Teilnehmer, vereinigt Sharepoint-Profis mit Teched-Entwicklern und IT-Administratoren. Statt Dutzende Konferenzen abzuhalten, lässt Microsoft Gruppen sich miteinander austauschen, die unter Steve Ballmers Regie getrennte Universen waren. Die einzelnen Abteilungen haben sich früher sogar bekämpft.

Die Welt dreht sich nicht nur um Redmond

Microsoft hat jetzt erkannt, dass es da draußen nicht nur Microsoft gibt. Der Windows-Anwender ist längst mit einem Android- oder iOS-Smartphone unterwegs und will sich von Microsoft nicht vorschreiben lassen, stattdessen ein Windows-Smartphone zu nutzen. Mitunter arbeitet er sogar mit Linux oder einem Mac. Beide Plattformen haben die Entwickler aus Redmond im Fokus. Und auch hier gilt: Die einzelnen Gruppen reden miteinander - gleichberechtigt. Dass sich Microsoft diese Märkte nicht entgehen lassen will, zeigt sich auch an anderen Stellen: Die Windows-Server werden Linux-tauglich. Azure gibt es für alle, und obendrein ist eine der wichtigsten Einnahmequellen von Microsoft, nämlich die Office-Plattform, nun so weit gediehen, dass echtes plattformunabhängiges Arbeiten zumindest in Aussicht gestellt wird.

Das hat auch das ehemals innovative Unternehmen Apple versucht und scheiterte gewaltig auf der eigenen Plattform, etwa mit dem Büroprogramm iWork. Auch ich habe schon Daten verloren, weil ich törichterweise davon ausging, dass ein Pages-Dokument auf dem Mac auch auf dem iPhone funktionieren würde. Das iWork-Kompatibilitätschaos der ersten Jahre ist zwar schon vergessen, aber symptomatisch für den vermeintlich innovativen Mac-Konzern. Apple stutzte in der Folge seine Anwendungen zusammen und verärgerte mit dem Entfernen von Funktionen und den daraus resultierenden, weiteren Inkompatibilitäten seine Anwender. Selbst vor Profianwendungen wie Final Cut und Aperture machte Apple nicht halt.

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Zudem wirken Apples Ansätze für kollaboratives Arbeiten nicht durchdacht. Der Tausch von Dateien per Airdrop ist mit zahlreichen Kompatibilitätsfallen gespickt. Und das ausgerechnet bei Anwendern, die für Probleme dieser Art nicht trainiert wurden. Überhastete Releases von OS X und iOS 8 frustrierten die Nutzer zusätzlich. Auch heute starte ich mein iPad wegen technischer Probleme häufiger neu als meinen vier Jahre alten Windows-PC - sei es wegen WLAN-Problemen, ausgefallenem Streaming zu Apple TV (das ebenfalls häufiger neu gestartet wird) oder nicht nachvollziehbaren Problemen beim Empfang von Kurznachrichten, die nur auf dem iPad erscheinen, nicht aber auf dem Smartphone.

Und Google als großer Konkurrent? Der Ansatz seines Dokumenten- und Cloud-Systems ist durchdacht, doch nicht vollständig. Der größte Nachteil ist die starke Ausrichtung auf eine Netzverbindung und Software. Googles Hardware fertigt hingegen in der Regel jemand anderes, und gerade bei Android-Geräten gilt: Viele Patches gibt es für das Gros der Geräte nicht, um eine Plattformfragmentierung zu vermeiden. Aber genau das ist Unternehmen wichtig.

Microsofts Strategie scheint dagegen umfassender zu funktionieren. Die Grundlagen gehen so weit, dass selbst neue Geräte neben Smartphone, Tablet und PC in die Strategie von Anfang an eingebunden werden. Hololens, Sensoren und Surface Hub gehören beispielsweise zum großen Plan. Die Werkzeuge sind für diese Geräteklassen bereits vorbereitet. Parallel dazu werden andere Geräteklassen produktiver. Continuum auf dem Smartphone dürfte spannend werden und ermöglicht eine Bedienung per Alt-Tab und Copy-and-Paste mit der Maus auf einem mobilen Kleingerät, das gleichzeitig lange unterstützt wird. Das Teilen von Informationen gehört natürlich auch dazu. Cloud-Anbindung, plattformübergreifende Anwendungen und langer Support: Microsoft setzt vieles daran, eine einheitliche Umgebung zu schaffen. Für sich, um Geld zu verdienen - und für die Anwender, um sie zu überzeugen, für Microsoft-Produkte Geld auszugeben.

Einiges wird aufgegeben, doch wichtige Kompatibilität bleibt erhalten

Die Anwender werden aber auch leiden. Windows RT verschwindet, das Media Center von Windows wird aufgegeben, auch das Casting-Konzept für Videoübertragungen aus Windows 8 wurde in Teilen aufgegeben und neu entwickelt. Es braucht also Alternativen, und im Fall von Screencasting sind sogar Neuentwicklungen notwendig. Ein ziemlich radikaler Schritt für ein Kompatibilitätsunternehmen wie Microsoft. Und so manche Spezialanwendung wie Microsoft Project oder Access schafft es trotzdem nicht auf alle Plattformen. Bei Access hat man aber ohnehin das Gefühl, dass Microsoft das Programm nur noch aus Kompatibilitätsgründen weiterentwickelt. Immerhin bleibt Microsoft so seiner alten Nutzerbasis in vielen - und vor allem professionellen - Bereichen treu.

Microsoft arbeitet an einem Rundum-glücklich-Paket. Als Anwender, der seit zehn Jahren erfolgreich mit Macs und PCs parallel und gleichberechtigt arbeitet, freue ich mich auf deutlich verbessertes plattformübergreifendes Arbeiten - auch wenn der Gedanke, dass meine Apple-Geräte erst mit Microsoft-Produkten produktiv werden, seltsam wirkt.

Noch ist das meiste allerdings eine Ankündigung, wenngleich über die Vorschauversionen schon viel des Potenzials zu sehen ist und die neue Offenheit des Konzerns gegenüber anderen Ideen Mut macht. Microsoft muss seine Versprechungen einlösen. Wenn das gelingt, lässt Microsofts Angriff auf Reaktionen der Konkurrenz hoffen. Die muss sich wieder anstrengen, will sie sich nicht von dem ehemals kaum beweglichen, innovationsfeindlichen Konzern Microsoft abgehängt werden. Und das gilt auch für Apple.

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hhirschi 08. Mai 2017

Ich bin noch bei ACCESS 2000, weil bei uns OO verordnet wurde. Sehe ich auch so. Liegt...

HierIch 11. Mai 2015

Wo wir gerade bei Webstandards sind ... Wusstet ihr, dass so einiges, was wir heute in...

newyear 11. Mai 2015

Du hast bestimmt recht. Apple hat ja nur 1 Million Uhren verkauft - am Erscheinungstag...

newyear 10. Mai 2015

Na, Mensch. Leider falsch: Eine Firma hat eine Unternehmenskultur, Microsoft zum...

Anonymer Nutzer 09. Mai 2015

Es gibt halt aktuell kaum Linux Distribution die von Haus aus mehr als vier Workspaces...



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