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Neue iPhones: Mehr GPU, mehr Kamera, gleiche Akkueffizienz

Apple legt bei den neuen iPhones das erste 3-nm-SoC vor, bei dem vor allem die GPU beeindruckt. Die iPhone-15-Reihe ist trotzdem eher Evolution statt Revolution.
/ Tobias Költzsch , Martin Böckmann
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Das iPhone-15-Lineup (Bild: Apple)
Das iPhone-15-Lineup Bild: Apple

Nach einigen Spekulationen in den vergangenen Wochen und Monaten hat Apple die neuen iPhones vorgestellt – nach scheinbar endlosen "Heute kommt das neue iPhone!" -Meldungen und Prognosen, was Apple am Abend alles vorstellen würde. Dabei hat Apple mehr oder weniger die Erwartungen erfüllt: Die neuen iPhones haben bessere Kameras, hellere Displays, teilweise neue Gehäusematerialien und bei den Pro-Modellen vor allem ein neues SoC.

Von Apples A17 Pro sind wir zwar nicht enttäuscht, etwas mehr hatten wir allerdings schon erwartet. Während im vergangenen Jahr beim Wechsel vom A15 zum A16 lediglich kleinere Verbesserungen an der Architektur möglich waren, gab es dieses Jahr auch einen echten Wechsel beim Fertigungsprozess. TSMCs N3-Node sollte den vorherigen 5-nm-Nodes (N4, N5) eigentlich deutlich überlegen sein.

TSMC setzt auf FinFET-Transistoren, die in einem 24-Layer-Multipatterning EUV-Prozess hergestellt werden und 60 bis 70 Prozent höhere Logikdichte haben sollen. Außerdem sollen 15 Prozent höhere Leistung oder 30 bis 35 Prozent niedrigere Leistungsaufnahme bei gleicher Performance möglich sein. Diese Werte beziehen sich allein auf den Fertigungsprozess.

Zehn Prozent mehr Leistung erscheint nicht viel

Dass Apple daher nur zehn Prozent mehr Leistung erreicht, also sogar weniger als TSMCs Angaben zum Fertigungsprozess, ist deshalb rätselhaft. Zur gesteigerten Effizienz hat Apple keine Angaben gemacht, die angegebene Akkulaufzeit bleibt aber auf dem Niveau des iPhone 14 Pro – auch das hat uns etwas überrascht.

Apple zeigt iPhone 15 Pro (Herstellervideo)
Apple zeigt iPhone 15 Pro (Herstellervideo) (20:15)

Gleichzeitig muss man aber auch erwähnen, dass Apple mit dem A16 Bionic bereits einen der schnellsten Smartphone-Chips auf dem Markt hatte. Eine Verbesserung um 10 Prozent für den CPU-Teil, 20 Prozent für die GPU, die zudem neue Features erhalten hat, und eine deutlich schnellere KI-Performance durch die überarbeitete Neural Engine dürften daher reichen, um den A17 Pro zum schnellsten Smartphone-SoC zu machen.

Die GPU hat laut Apple eine komplett neue Shader-Architektur erhalten. Die Performance ist im Vergleich zum A16 Bionic um 20 Prozent gestiegen. Erstmals für Apple gibt es Unterstützung für Hardware-Raytracing und KI-Upscaling, was auch die Neural Engine mitbenutzt, die im Vergleich zum Vorjahr doppelt so schnell sein soll.

Bei den Kameras setzt Apple weiterhin auf Computational Photography – also die Algorithmen-unterstützte Fotografie, bei der die Bilder mithilfe von Software direkt bei der Aufnahme verbessert werden. Wir erwarten wieder Bilder mit einem großen Dynamikumfang, Apple hat in der Präsentation auch verbesserte Lowlight-Aufnahmen erwähnt. Hier dürfte die laut Apple doppelt so leistungsfähige Neural Engine hilfreich sein.

Hauptkamera mit neuer Standardauflösung

Interessant ist die neue Standardauflösung der Hauptkameras: Sowohl das iPhone 15 als auch das iPhone 15 Pro machen standardmäßig Aufnahmen mit 24 Megapixeln – mehr als bisher. Die Sensoren haben jeweils 48 Megapixel. Die Qualität der Aufnahmen dürfte entsprechend besser sein, allerdings auch der Speicherbedarf größer. Apple hat nur beim iPhone 15 Pro Max den Minimalspeicher von 128 auf 256 GByte angehoben, bei gleichbleibendem Preis. Alle anderen Modelle haben in der günstigsten Version 128 GByte, was bei vielen Fotos problematisch werden könnte.

Das iPhone 15 Pro und Pro Max hat, wie im Vorjahr, das etwas vielseitigere Kamerasystem, da die beiden Modelle jeweils noch ein Teleobjektiv haben. Beim Max-Modell kommt eine Telekamera mit optischer Fünffachvergrößerung zum Einsatz, die in Periskopbauweise realisiert ist – ein Novum für Apple, bei der Konkurrenz aber schon seit Jahren im Einsatz.

Auffällig ist, wie Apple den Begriff "Digitalzoom" vermeidet. Stattdessen spricht der Hersteller von unterschiedlichen Brennweiten, die allerdings teilweise nur einer digitalen Vergrößerung entspricht. Aufgrund der Auflösung des Bildsensors dürften diese leichten digitalen Vergrößerungen im Alltag sehr gut nutzbar sein.

Apple entschied sich rein freiwillig für USB-C

Ebenfalls interessant war, wie Apple den Wechsel auf USB-C angekündigt hat: In gewohnt sicherem Marketing-Sprech erklärte das Unternehmen, dass USB-C seit Jahren ein akzeptierter Standard sei, der ja auch bei vielen Apple-Geräten zum Einsatz kommt. Das ist zweifelsfrei richtig: Weshalb sich Apple trotzdem gegen USB-C bei iPhones gesträubt hat und auch nach der Entscheidung der EU-Kommission nicht davon ablassen wollte, darauf werden wir wohl nie eine Antwort bekommen.

Apple zeigt iPhone 15 (Herstellervideo)
Apple zeigt iPhone 15 (Herstellervideo) (17:35)

Alle neuen iPhones haben einen USB-C-Port, der allerdings beim iPhone 15 und iPhone 15 Plus nur USB 2 unterstützt. Wer seine Daten mit bis zu 10 Gbit/s transportieren will, muss zu einem Pro-Modell greifen – diese unterstützen USB 3. Wir finden dieses Zweiklassensystem etwas unverständlich.

Das iPhone 15 Pro und das iPhone 15 Pro Max haben Titangehäuse. Titan ist ein sehr leichtes Material, trotzdem wiegen die beiden Pro-Modelle mehr als ihre Standardpendants (187 statt 171 Gramm und 221 statt 201 Gramm). Das dürfte unter anderem an dem zusätzlichen Objektiv liegen. Verglichen mit dem iPhone 14 Pro ist das iPhone 15 Pro knapp 20 Gramm leichter.

Apple hat das Titangehäuse PVD-beschichtet – eine gute Maßnahme, da Titan zwar sehr leicht, aber auch sehr kratzempfindlich ist. Die Pro-Modelle sind, wohl wegen des Materials, in relativ dunklen, nicht sonderlich aufsehenerregenden Farben erhältlich.

Pro-iPhones bleiben die teureren, technisch wesentlich besseren Geräte

Apple hat bei seinen neuen iPhones die Dichotomie zwischen den Standardmodellen und den Pro-Geräten fortgeführt. Der Leistungsunterschied bei den SoCs dürfte dabei aber im Alltag bei den meisten Nutzern kaum eine Rolle spielen. Dennoch sollte anerkannt werden, dass Apple mit dem A17 Pro das Mobile Computing ein gutes Stück voranbringt – es bleibt abzuwarten, wie Qualcomm darauf reagieren wird.

Wie in den letzten Jahren üblich, dürfte sich ein Wechsel auf eines der neuen iPhones nur für Besitzer eines älteren Gerätes lohnen. Wie sich die neuen Geräte in der Praxis schlagen werden, wird der Test von Golem.de zeigen.


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