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Neue Editionen von Koch Films: David Lynchs Dune jetzt auch in 4K

Vier Wochen nach dem Kinostart von Denis Villeneuves Dune , präsentiert Koch Films David Lynchs Version aus dem Jahr 1984 in einer 4K-Edition.
/ Peter Osteried
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Damals kannte ihn kaum jemand: Kyle MacLachlan in Dune (Bild: Koch Films)
Damals kannte ihn kaum jemand: Kyle MacLachlan in Dune Bild: Koch Films

Vielleicht war der Film von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil man versuchte, die 900 Seiten von Frank Herberts Roman Dune in einen einzigen Film zu packen. Zumal einen, der nach der ersten Star-Wars-Trilogie praktisch die Antithese dazu sein sollte und die Zuschauer in eine grimmige Welt der Science-Fiction hineinzog, wie sie größer, aber auch beängstigender kaum sein könnte.

Auf heute übertragen kann man sich das so vorstellen, als hätte jemand versucht, aus George R. R. Martins erstem Roman zu Game of Thrones einen Film zu machen - und nicht eine ganze Serienstaffel mit knapp zehn Stunden Laufzeit. Ab dem 16. September wird in den deutschen Kinos zu sehen sein, was Regisseur Denis Villeneuve aus dem Stoff gemacht hat. Davor, am 26. August, bringt Koch Films einige besondere Editionen zur 1984er-Version von David Lynch heraus.

Der Roman von Frank Herbert, auf dem beide Filme basieren, stammt aus dem Jahr 1965 und an seiner Verfilmung hatten sich schon einige versucht. Bereits über die gesamten 1970er Jahre hinweg gab es mehrere Anläufe. Am nächsten kam der Sache der Ausnahmeregisseur Alejandro Jodorowsky, aber auch er konnte den Film nicht umsetzen. Zu seinem Vorhaben gibt es eine ganze Dokumentation: Jodorowsky's Dune(öffnet im neuen Fenster) .

Herbert erzählt in seinem Roman von einem Sternenreich 10.000 Jahre in der Zukunft, in dem verschiedene Adelshäuser um die Vorherrschaft auf Arakis, dem Wüstenplaneten, kämpfen. Nur dort findet sich die sogenannte Spice Melange, ein Gewürz, das das Leben verlängern kann. Zu Beginn herrscht Leto Atreides über den Wüstenplaneten, doch er fällt einem Komplott zum Opfer. Sein Sohn Paul überlebt und wird sein Nachfolger.

Die Filmrechte für Dune lagen bei Dino De Laurentiis, der Ridley Scott für das Projekt verpflichtete. Scott hatte aber gerade seinen Bruder Frank verloren und war nicht bereit, viel Zeit in einen Film zu investieren. Er rechnete damit, dass Dune ihn knapp drei Jahre in Beschlag nehmen würde, und das wollte er nicht.

Der Weg zu David Lynch

Dinos Tochter Raffaella De Laurentiis fand schließlich den nächsten Kandidaten. Sie war beeindruckt von dem Film Der Elefantenmensch, den David Lynch nach seinem sehr experimentellem Debüt Eraserhead gedreht hatte. Zu dem Zeitpunkt hatte Lynch einige gute Angebote auf dem Tisch, George Lucas wollte ihn für Die Rückkehr der Jedi-Ritter, Lynch entschied sich aber für Dune. Dabei kannte er den Roman nicht einmal und war auch kein besonderer Science-Fiction-Fan.

Dune - Der Wüstenplanet (Trailer)
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Im Rückblick ging Lynch mit sich selbst hart ins Gericht(öffnet im neuen Fenster) : "Ich habe bei Dune schnell begonnen, mich selbst zu verkaufen. Daran ist niemand schuld außer mir selbst. Ich hätte den Film wohl nicht machen sollen, aber ich sah haufenweise Möglichkeiten, hier Dinge zu machen, die ich liebte. Dune bot den Rahmen, um sie umzusetzen."

Sechs Monate lang schrieb Lynch zusammen mit Eric Bergren und Christopher De Vore das Drehbuch, dann überwarf sich das Team und der Regisseur machte alleine weiter. Fünf weitere Versionen des Skripts entstanden.

Dune hatte Kyle MacLachlan, Patrick Stewart - und Sting

Für die Hauptrolle, Paul Atreides, wählte Lynch den damals völlig unbekannten Kyle MacLachlan aus, mit dem er später bei Blue Velvet und Twin Peaks wieder zusammenarbeiten sollte. Paul Atreides' Vater Leto wurde von Jürgen Prochnow gespielt, der nach Das Boot auch Rollen in amerikanischen Produktionen ergatterte.

Damals weitestgehend unbekannt war auch der spätere Enterprise-Captain Patrick Stewart, der Gurney Halleck spielt, den Waffenmeister des Hauses Atreides. Weitere Namen, die später bekannter werden sollten: Linda Hunt, Alicia Witt, Sean Young, Brad Dourif und Virginia Madsen. Letztere enthüllte Jahre später, dass sie einen Vertrag über drei Filme unterschrieben hatte. Letztlich überflüssig, da der finanzielle Misserfolg jedwedes Bestreben zunichtemachte, eine Fortsetzung zu produzieren.

Mit Max von Sydow hatte man zudem einen Altstar dabei - und mit dem Sänger Sting einen echten Star, der sich als Schauspieler versuchen wollte und als Feyd Rautha erstaunlich charismatisch ist.

Übrigens war Patrick Stewart eigentlich eine "Fehlbesetzung". Zuerst wollte man Aldo Ray für die Rolle, aber als der im letzten Moment ersetzt werden musste, nahm Lynch Patrick Stewart - in der Annahme, der wäre ein anderer Schauspieler. Eine Verwechslung, die für den Film durchaus gut war, denn Stewart ist in der Rolle hervorragend.

In einem Interview erzählte Stewart später(öffnet im neuen Fenster) über Dune unter anderem, dass der "Stillsuit", den die Ureinwohner von Arakis in der Wüste tragen, um zu überleben, extrem unangenehm war - und dass er noch nie von Sting gehört hatte. Als er ihn gefragt habe, ob er ein Solo-Künstler sei oder in einer Band spiele, habe Sting geantwortet, er gehöre zu The Police. Auch von denen hatte Stewart noch nie gehört und dachte, das wäre eine Band echter Polizisten.

Kampf gegen die Diarrhö, Kampf um die richtige Filmlänge

Noch bevor das finale Skript vorlag, begannen die Dreharbeiten des letztlich 40 Millionen US-Dollar teuren Films am 30. März 1983 in Mexiko. Sie waren für Lynch und seine Crew ein logistischer Albtraum(öffnet im neuen Fenster) . Die Dreharbeiten in den Churubusco Studios verliefen noch einigermaßen gut, ging es aber an den Außendreh, gab es Probleme in rauen Mengen.

Nicht nur, dass viele Crew- und Castmitglieder mit Diarrhö zu kämpfen hatten; es gab auch Probleme mit den Generatoren, die die Dreharbeiten verzögerten, Schwierigkeiten mit der mexikanischen Bürokratie und nur ein einziges Telefon. Montezumas Rache war aber das größte Problem, weswegen das Studio eine eigene Cafeteria baute und alle Nahrungsmittel aus den USA einführte, um weitere Drehverzögerungen zu verhindern.

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In den Churubusco Studios wurden 80 verschiedene Sets auf 16 verschiedenen Bühnen errichtet. Das macht Dune schon rein optisch zum Genuss, denn die Welt, die Lynch für seinen Film ersonnen hat, ist von enormer Pracht und kombiniert menschliche Historie mit futuristischen Ideen. Inklusive der Nachdrehs dauerten die Dreharbeiten bis zum Februar 1984. Notwendig waren diese, weil ein Kampf um die richtige Fassung entbrannt war.

Lynchs erster Rohschnitt hatte eine Laufzeit von über vier Stunden. Das war der Ausgangspunkt, er zielte jedoch auf einen Film mit einer Laufzeit von etwa drei Stunden ab - analog zur siebten und letzten Version des Drehbuchs. Der Vertrieb Universal erwartete jedoch einen Film mit einer gängigen Laufzeit von etwa zwei Stunden.

Da Lynch nicht den Final Cut besaß, konnte er nichts ausrichten, als Dino und Raffaella De Laurentiis sich daran machten, den Film zu kürzen. Sie ließen zahlreiche Szenen entfernen und dafür andere nachdrehen, um Handlungsverläufe zu simplifizieren.

Dazu kamen Voice-Over-Erklärungen und die Eingangssequenz mit der Einführung in die Geschichte durch Virginia Madsens Figur Prinzessin Irulan. Man machte sich hier praktisch des größten Verbrechens schuldig, das es bei einem Film nur geben kann, und verletzte das wichtigste Credo: Show, don't tell.

Einen Director's Cut lehnte Lynch ab - er hatte mit Dune abgeschlossen

Die Version, die die De Laurentiis ablieferten, war zwei Stunden und 17 Minuten lang. Das vereinfachte die Geschichte, machte es aber auch schwerer, in sie hineinzukommen. Für das amerikanische Fernsehen wurde später eine Drei-Stunden-Version gefertigt, die insofern berüchtigt ist, als dass hier noch nicht alle Effekte fertig sind.

Deshalb haben die Fremen in einigen Szenen keine blauen Augen. Ein Manko, das man hinnehmen muss, da diese Version Lynchs Wünschen näherkommt. Einen echten Director's Cut gibt es aber nicht. Universal botz Lynch zwar vor einigen Jahren an, dass er einen produzieren könnte; er lehnte jedoch ab, weil er Dune als seinen einzigen Fehlschlag ansehe und die Beschäftigung damit für ihn zu schmerzhaft sei.

Der Kinostart war ebenso enttäuschend. Am Startwochenende stand man nur auf Platz zwei - hinter Beverly Hills Cop. Letztlich spielte der Film 30 Millionen US-Dollar ein, von denen das Studio nur die Hälfte sah - viel zu wenig bei einem Budget von 40 Millionen, weswegen die Pläne für die Sequels auch sofort abgesagt wurden. Zu dem Zeitpunkt schrieb Lynch schon das Skript zu Dune Messiah und hätte nicht nur den zweiten, sondern auch den dritten Teil inszenieren sollen.

Autor Frank Herbert war mit dem Film nicht unzufrieden. In seiner Einleitung zur Kurzgeschichtensammlung Eye schrieb er im Jahr 1985: "Ich mag den Film. Was von meinem Roman den Film erreichte, ist ein visuelles Fest, das so anfängt, wie es mein Roman auch tut. Man kann meine Dialoge im Film hören. Natürlich habe ich auch Probleme mit dem Film. Paul war ein Mann, der Gott spielte, nicht ein Gott, der es regnen lassen kann."

Damit spielte Herbert auf das Ende des Films an, das sich weit von der Vorlage entfernt. Ansonsten schafft es Dune aber tatsächlich, sehr viel von dem Roman zu transportieren - in der Drei-Stunden-Fassung noch mehr als in der Kinoversion.

Die neue Edition für zu Hause

Heute erscheint der Film von Koch Media in einer Mediabook-Edition, das Nonplusultra gibt es aber erst im nächsten Februar über den Koch-eigenen Shop: die Ultimate Edition mit einer UHD und fünf Blu-rays. Dazu beinhaltet die Box einen Fotoband mit Entwürfen und Setfotos des Produktionsdesigners Ron Miller, ein Booklet mit einem Essay von Paul Poet und die Comic-Adaption von Bill Sienkiewicz und Ralph Macchio (nein, nicht Karate Kid).

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Der Film liegt auf der UHD in einer neuen 4K-Abtastung vor, die direkt vom Originalnegativ gemacht wurde. Der Ton präsentiert sich in DTS-HD Master Audio 5.1. Dazu gibt es eine Version des Films in Blu-ray, hinzu kommen die Extended Version auf zwei Discs und zwei Blu-rays, die randvoll mit Extras sind.

Featurettes befassen sich mit dem Merchandise, mit der Filmmusik von Toto, mit dem Design, den Modellen, den Spezialeffekten und den Kostümen. Außerdem gibt es neue Interviews mit Jürgen Prochnow und dem FX-Künstler Giannetto De Rossi. Zwei Making-ofs sind ebenso enthalten wie Super-8-Aufnahmen vom Set. Abschließend gibt es den Soundtrack auf einer CD.

Bei den Mediabooks gibt es nur eine der beiden Bonusdisks, aber auch hier ist schon einiges geboten. Egal welche Fassung: Die neue 4K-Abtastung ist auf jeden Fall eine Wucht und lässt Dune so gut wie niemals zuvor aussehen. Gerade richtig also, um sich kurz vor der Neuverfilmung noch einmal oder erstmals mit dem Film aus den 1980er Jahren vertraut zu machen.


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