Neue Billigplattform aus China: Das steckt hinter dem Shopping-Hype Temu

Kann Temu dem weltgrößten Onlinehändler Amazon gefährlich werden? So schätzt ein E-Commerce-Experte die Entwicklung der chinesischen Shoppingapp ein.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Temu verspricht Shoppen wie ein Milliardär.
Temu verspricht Shoppen wie ein Milliardär. (Bild: KI-generiert mit Bing Image Creator/Golem.de)

Wie aus dem Nichts ist Temu an die Spitze der App-Store-Charts geschossen. Die kostenlose App, die "Shopping wie ein Milliardär" verspricht, kommt allein im Play Store auf mehr als 50 Millionen Downloads. Wer einen Blick hineinwirft, merkt schnell, dass man kein Milliardär sein muss, um bei dem chinesischen Anbieter einzukaufen. Produkte im zweistelligen Preisbereich sind eine Seltenheit, hinter jedem Klick warten Rabattcodes.

Inhalt:
  1. Neue Billigplattform aus China: Das steckt hinter dem Shopping-Hype Temu
  2. Nachhaltigkeit muss hinten anstehen

Neu ist das Konzept von Temu nicht. Ob Wish oder Aliexpress, schon vorher gab es Anbieter, die ein breites Angebot von extrem günstig produzierten Waren an eine sparsame Kundschaft im Westen verkauften. Dennoch sehen einige Marktbeobachter in der Konkurrenz aus China eine ernste Bedrohung für den größten Onlinehändler der Welt: Amazon.

"Das ist definitiv nicht der Fall", kontert derweil Mark Steier im Interview mit Golem.de. Der E-Commerce-Experte beobachtet Amazon und kennt auch den chinesischen Markt. "Im Kern ist es der gleiche Ansatz wie bei Wish", sagt er über Temu – und schon bei denen sei das Geschäftsmodell der billigen Massenware nicht nachhaltig erfolgreich gewesen. Ist Temu also bloß der nächste kurzlebige Hype – oder doch die Zukunft des globalisierten Onlineshoppings?

Rabattcodes, Glücksräder und Gamification

Unterdessen überwältigt Temu seine Nutzer derzeit geradezu. Per Glücksrad lassen sich Rabattcodes gewinnen, alle paar Sekunden lockt ein goldglitzernder Umschlag mit exklusiven Angeboten, auf der Startseite wird fast jeder Artikel unter seinem ohnehin schon niedrigen Preis angeboten. Revolutionär ist das für Steier nicht. "Im Grunde genommen sind die Instrumente, derer sich Temu bedient, nahezu identisch mit Wish", sagt er.

Temu selbst stellt dabei lediglich eine Plattform bereit. Verkaufen tun andere. Die Artikel gehen in der Regel ohne Zwischenschritt direkt aus der Fabrik in den Versand. Als Vermittler dienen vor allem Händler aus China, die sich über Plattformen wie Temu ein zweites Einkommen verdienen. "Das sind wirklich Einzelpersonen oder Familien, die Zugang zu den Produkten haben und diese dann genauso anbieten", erklärt Steier. "Wenn die damit 50 Euro im Monat verdienen, dann sind das mitunter 5 oder sogar 10 Prozent ihres Monatseinkommens. Das ist also richtig viel Geld."

Viele der angebotenen Produkte sind billigster Unsinn mit minimaler Gewinnspanne: Zahnpastatuben-Quetscher mit Cartoon-Gesicht für 77 Cent, funktionsfähige Spiderman-Netzwerfer fürs Handgelenk für 1,17 Euro, Fleischbällchen-Former aus Edelstahl für 2,49 Euro. Aber auch nützliche Alltagsgegenstände werden zu Spottpreisen angeboten: Sonnenbrillen, Powerbanks, Nebelscheinwerfer.

Wer billig kauft, zahlt zweimal

Wer bei den Billiganbietern einkauft, gibt sich indes nicht nur harmloser Konsumlust hin. Ein Bericht von Greenpeace aus dem November 2022 kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass viele Kleidungsstücke von Shein gefährliche Chemikalien enthielten, welche die Grenzwerte der europäischen Chemikalienverordnung Reach teils um das Hundertfache überschritten.

Ähnlichen Vorwürfen sah sich auch der US-Anbieter Wish ausgesetzt. Ende 2021 wurde Wish in Frankreich vorübergehend aus den Appstores entfernt, nachdem eine Überprüfung ergeben hatte, dass 95 Prozent der angebotenen Spielzeuge nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen entsprachen und als gefährlich eingestuft wurden. Erst 2023 kehrte Wish nach Frankreich zurück.

Auch Temu bietet Produkte, die zur Gefahr werden könnten. Das Sortiment umfasst Elektronik, Akkus, Ersatzteile fürs Auto – produziert zu Preisen im Cent-Bereich und fernab europäischer Sicherheitsprüfungen. "Wenn man sich das Produktsortiment tiefer anschaut, merkt man, dass die nicht den Produktsicherheitsanforderungen entsprechen", betont Steier. "Dort lassen sich wie bei Wish Produkte finden, deren Feilbieten hier in Deutschland tatsächlich verboten ist."

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Nachhaltigkeit muss hinten anstehen 
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Mnyut 30. Aug 2023

Tun sie aber. Wie immer vermutlich nicht alle.

Kein Kostverächter 28. Aug 2023

Wir sind UmetShiw! Wir haben die allerniedrigsten Preise, hier streben die Kosten gegen...

southy 24. Aug 2023

*Mööööööp* Ganz ehrlich, das ist selbst für einen Verschwörungsmythos ein bemerkenswert...

LeeRoyWyt 22. Aug 2023

Vlt., vlt. auch nicht. Hast du einen Überblick, was es alles weltweit für...



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