Abo
  • Services:
Anzeige
Netzpolitik: Wir können unsere Überwacher zurücküberwachen
(Bild: Re:publica)

Netzpolitik: Wir können unsere Überwacher zurücküberwachen

Netzpolitik: Wir können unsere Überwacher zurücküberwachen
(Bild: Re:publica)

Was können wir gegen Datenspäher tun? Wie sieht die Zukunft des Fernsehens aus? Und wieso gelten Anonymous nicht als Terroristen? Fünf steile Thesen von der Re:publica.

Anzeige

Rund 450 Sessions umfasst die diesjährige Re:publica in Berlin. Der eine Königsweg zur Lösung eines netzpolitischen oder gesellschaftlichen Problems wird zwar nur selten beschrieben. Aber Denkanstöße geben die mehr als 800 Sprecherinnen und Sprecher reichlich. Eine Auswahl:

1. Man kann radikal sein, ohne als Terrorist zu gelten

Wohl niemand hat die Anonymous-Bewegung so lange untersucht und so gut verstanden wie die Anthropologin Gabriella Coleman. Auf der Netzkonferenz analysiert sie, warum Anonymous bis heute nicht den Stempel "Terroristen" oder "Extremisten" trägt, obwohl US-Offizielle mehrfach versucht haben, die Bewegung derart zu brandmarken und die öffentliche Meinung entsprechend zu beeinflussen.

Coleman glaubt, dass der Plan aus mehreren Gründen nicht aufgegangen ist. Unter anderem, weil sich Anonymous nicht aufs Hacken von Regierungs- und Firmenwebsites beschränkt, sondern sich auch in diversen sozialen Protestbewegungen wie Occupy engagiert und dadurch den Sprung auf die Straße geschafft hat.

Auch der Name Anonymous sei hilfreich, weil er etwas beschreibe, das heutzutage als bedroht gilt, nicht als Bedrohung. Als sich polnische EU-Abgeordnete im Parlament Guy-Fawkes-Masken vor ihre Gesichter hielten, um gegen das Handelsabkommen Acta zu protestieren, während die Website des Parlaments gerade durch eine DDoS-Attacke lahmgelegt war, legitimierte das die Ziele und Methoden von Anonymous, sagt Coleman.

Ihre Schlussfolgerungen: Ideen und Symbole sind wichtig. Popkultur kann unter Umständen die Welt verändern. Und eine Bewegung kann heutzutage noch radikal sein, ohne mit Terroristen in eine Ecke gestellt zu werden. Eine These, die Hoffnung macht in einer Zeit, in der EU-Kommissar Günther Oettinger schon jene, die sich für eine unbedingte Netzneutralität einsetzen, als Taliban beschimpft.

2. Wir können unsere Überwacher zurücküberwachen

Googeln Sie einfach mal site:linkedin.com/pub xkeyscore SIGINT. Was sie dann zu sehen bekommen, sind Mitarbeiter der NSA und ihrer Dienstleister, die sich mit dem eigentlich ziemlich geheimen Programm XKeyscore auskennen. Der Programmierer M. C. McGrath hat viele solcher Suchen durchgeführt und dabei viel über die NSA, ihre Mitarbeiter und ihre Arbeitsweisen herausgefunden. Denn insbesondere im Karrierenetzwerk LinkedIn geben die Geheimdienstler der USA erstaunlich viele Details über sich preis.

Auf der Re:publica zeigt McGrath Fotos von NSA-Mitarbeitern sowie Bilder von ihren Häusern und Familien. Open Source Intelligence heißt das: Informationen aus frei zugänglichen Quellen sammeln. Der Programmierer hat zu diesem Zweck verschiedene Werkzeuge entwickelt. Eines davon heißt ICWatch (grob übersetzt: "Geheimdienst-Kontrolle"). Es ist eine Suchmaschine, die vor allem LinkedIn-Daten aufbereitet und Geheimdienstmitarbeiter und ihre Spezialkenntnisse auflistet. McGrath will "dem Überwachungsstaat ein Gesicht geben", sagt er.

Ob das hilft, politischen Druck auszuüben, ist fraglich. Aber vielleicht fühlen sich die Nutzer von ICWatch etwas weniger machtlos und den Überwachern ausgeliefert, wenn sie merken, dass sie zurücküberwachen können. Die Idee, der Surveillance (Überwachung) eine Sousveillance ("Unterwachung") gegenüberzustellen, hatten auch schon andere. Zum Beispiel Ethan Zuckerman, der die Eröffnungsrede der diesjährigen Re:publica hielt. McGrath hat nun eine praktische Anwendung dafür entwickelt.

3. Algorithmen vergeben und entziehen Bürgerrechte

James Bridle versucht, die Welt zu verstehen, indem er ihre versteckten oder gar geheimen Strukturen sichtbar macht. Der Brite arbeitet dazu mit künstlerischen, journalistischen und technischen Mitteln. Seine Arbeiten erinnern mitunter an jene des Fotokünstlers Trevor Paglen, der die unzugänglichen Stützpunkte von Militär und Geheimdiensten fotografiert. So hat Bridle unter anderem aufgedeckt, wie Großbritannien Asylbewerber abschiebt, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt: welche Fluggesellschaften dafür eingespannt werden, wo die Betroffenen nachts hingebracht werden, bevor sie in den Flieger gesetzt werden, und wie ihre Unterkünfte aussehen.

Bridle will zeigen, wie die Mächtigen mit den Menschen- und Bürgerrechten umgehen. Dafür hatte er auch ein aktuelles Beispiel: Die NSA und der BND vergeben und verweigern Bürgerrechte mit Hilfe von Algorithmen.

Die beiden Geheimdienste dürfen ihre eigenen Staatsbürger in der Regel nicht überwachen, weshalb sie abgefangene Kommunikation und Metadaten filtern müssen. So prüft der BND nach eigenen Angaben unter anderem, ob eine E-Mail-Adresse auf ".de" endet. Wenn ja, ist das ein Indiz dafür, dass der Inhaber Deutscher ist und nicht überwacht werden darf.

Die Filter und Algorithmen der Dienste werten alle verfügbaren Informationen aus, bis sie mit einer gewissen Sicherheit feststellen können, ob es sich bei einem Menschen um einen Bürger des eigenen Landes handelt oder nicht. Wenn ja, spricht ein Computer diesem Menschen Bürgerrechte und damit einen gewissen Schutz vor staatlicher Überwachung zu. Wenn nicht, spricht er sie ihm ab, sagt Bridle. Wie die Filter genau funktionieren, weiß auch er nicht. Er ruft aber dazu auf, es irgendwie herauszufinden, um die Welt, in der wir leben, besser zu verstehen.

Lineares Fernsehen stirbt, aber was kommt stattdessen? 

eye home zur Startseite
CraWler 08. Mai 2015

Der Kapitalismus mache Ferrengis aus uns, und wer keiner ist hat keine Chance am "freien...

CraWler 07. Mai 2015

Naja, die .de Adressen werden dafür dann vom GHCQ, den Franzosen oder sonstwem überwacht...

CraWler 07. Mai 2015

"Man muss diese dann zentral in Deutschland organisieren. Die jeweilige Organisation...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Dataport, Hamburg
  2. Bundesdruckerei GmbH, Berlin
  3. DATAGROUP Köln GmbH, Starnberg bei München
  4. Sagemcom Fröschl GmbH, Walderbach (zwischen Cham und Regensburg)


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. ab 129,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 15,99€
  3. (-75%) 2,49€

Folgen Sie uns
       


  1. Wemo

    Belkin erweitert Smart-Home-System um Homekit-Bridge

  2. Digital Paper DPT-RP1

    Sonys neuer E-Paper-Notizblock wird 700 US-Dollar kosten

  3. USB Typ C Alternate Mode

    Thunderbolt-3-Docks von Belkin und Elgato ab Juni

  4. Sphero Lightning McQueen

    Erst macht es Brummbrumm, dann verdreht es die Augen

  5. VLC, Kodi, Popcorn Time

    Mediaplayer können über Untertitel gehackt werden

  6. Engine

    Unity bekommt 400 Millionen US-Dollar Investorengeld

  7. Neuauflage

    Neues Nokia 3310 soll bei Defekt komplett ersetzt werden

  8. Surface Studio

    Microsofts Grafikerstation kommt nach Deutschland

  9. Polar

    Fitnesstracker A370 mit Tiefschlaf- und Pulsmessung

  10. Schutz

    Amazon rechtfertigt Sperrungen von Marketplace-Händlern



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Quantencomputer: Nano-Kühlung für Qubits
Quantencomputer
Nano-Kühlung für Qubits
  1. IBM Q Mehr Qubits von IBM
  2. Quantencomputer Was sind diese Qubits?
  3. Verschlüsselung Kryptographie im Quantenzeitalter

Tado im Langzeittest: Am Ende der Heizperiode
Tado im Langzeittest
Am Ende der Heizperiode
  1. Speedport Smart Telekom bringt Smart-Home-Funktionen auf den Speedport
  2. Tapdo Das Smart Home mit Fingerabdrücken steuern
  3. Mehr Möbel als Gadget Eine Holzfernbedienung für das Smart Home

Blackberry Keyone im Test: Tolles Tastatur-Smartphone hat zu kurze Akkulaufzeit
Blackberry Keyone im Test
Tolles Tastatur-Smartphone hat zu kurze Akkulaufzeit
  1. Blackberry Keyone kommt Mitte Mai
  2. Keyone Blackberrys neues Tastatur-Smartphone kommt später
  3. Blackberry Keyone im Hands on Android-Smartphone mit toller Hardware-Tastatur

  1. Re: Händler haben es nicht anders verdient

    JouMxyzptlk | 20:20

  2. Re: 1400W... für welche Hardware?

    Stefres | 20:07

  3. Re: wie hätte sich auch was verbessern sollen?

    Andre_af | 19:57

  4. Re: Unix, das Betriebssystem von Entwicklern, für...

    Dadie | 19:47

  5. Re: Marketing scheint bei Unity ein besonders...

    Squirrelchen | 19:46


  1. 18:10

  2. 10:10

  3. 09:59

  4. 09:00

  5. 18:58

  6. 18:20

  7. 17:59

  8. 17:44


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel