Abo
  • Services:
Anzeige
Edward Snowdenim September 2015
Edward Snowdenim September 2015 (Bild: Andrew Kelly/Reuters)

Netzpolitik: Edward Snowden ist genervt

Edward Snowdenim September 2015
Edward Snowdenim September 2015 (Bild: Andrew Kelly/Reuters)

In Berlin feiern ihn seine Fans, aber es hilft ihm wenig: Der NSA-Whistleblower ist enttäuscht von der Bundesregierung, dass sie ihn noch immer nicht ins Land lässt.

Edward Snowden wird selten emotional. Der Whistleblower gibt sich in aller Regel eloquent und höflich, wenn er öffentlich redet. Aber auf der Media Convention Berlin, der Parallelveranstaltung zur Re:publica, zeigt er während einer Videokonferenz überraschend deutlich, wie enttäuscht und genervt er ist, dass er noch immer in Russland festsitzt.

Anzeige

Snowden kritisiert die Bundesregierung: "Wir haben jetzt 2016 und niemand ist wegen meiner Enthüllungen gestorben. Aber die deutsche Regierung lässt mich nicht einreisen." Er erinnert an eine Resolution des Europaparlaments an die Mitgliedstaaten, ihm Schutz zu gewähren. Er sagt, er würde weiterhin gerne zurück in die USA, wenn man ihm dort nur ein faires Verfahren garantieren würde: "Bislang versprechen sie nur, mich nicht zu foltern."

Island ist größte Hoffnung

In 21 Ländern habe er Asyl beantragt oder - wo das möglich ist - beantragen lassen, noch immer warte er auf offizielle Antworten. Island ist vermutlich seine derzeit größte Hoffnung. Er hat dort viele Unterstützer in der Opposition, und hätte es kurz nach Bekanntwerden der Panama Papers vorgezogene Neuwahlen gegeben, wäre die Piratenpartei möglicherweise als stärkste Kraft daraus hervorgegangen. Die Piraten hätten Snowden gerne nach Island geholt. Doch Neuwahlen wird es wohl frühestens im Herbst geben, und ob die Piraten danach zur Regierung gehören werden, ist völlig offen.

Die Snowden-Veranstaltung sollte eigentlich ein Gespräch zwischen ihm und Luciano Floridi werden, dem Direktor des Oxford Internet Institute. Doch ein echter Dialog kam nicht zustande, Snowden beschränkte sich auf seine üblichen Buzzwords: Metadaten (gefährlich), Privatsphäre (gefährdet), Vertrauen (gestört). Der Saal war dennoch überfüllt, statt der vorgesehenen 400 Menschen drängten sich schätzungsweise 600 in den Raum, und sie feierten den Geheimdienstaussteiger, auch ohne etwas Neues von ihm zu erfahren.

Das ist jetzt die Rolle, die ihm fürs Erste geblieben ist, solange er so viele Fans hat: Snowden hält Vorträge und diskutiert über Privatsphäre und Überwachung, immer per Videoschalte von Moskau aus. Zwischendrin meldet er sich mit sarkastischen Kommentaren auf Twitter oder macht, nun ja, Musik. Oliver Stone hat einen Spielfilm aus seiner Story gemacht, der - wenn man den ersten Trailer zugrunde legt - schmeichelhaft gemeint, aber grottig umgesetzt ist.

Beschleunigte Technik, alte Politik

Manches hat sich nach den NSA-Enthüllungen verändert, aber dass irgendeine Regierung freiwillig auf Überwachungskapazitäten verzichtet, ist nicht abzusehen. Immerhin tut sich technisch etwas: Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper behauptet, die Enthüllungen hätten die Verbreitung kommerzieller Verschlüsselung um sieben Jahre beschleunigt. Clapper beklagt, das habe einen tiefgreifenden Effekt auf die Möglichkeiten der USA, Terroristen zu überwachen, aber Snowden betrachtet das als Bestätigung seines Tuns, als Kompliment.

Politisch bleibt alles beim Alten: Der geheim tagende Foreign Intelligence Surveillance Court der USA zum Beispiel ist immer noch ein reines Abnick-Gericht, das auch 2015 keinen einzigen der 1.457 Überwachungsanträge der Regierung abgelehnt hat.

In Berlin kommen abschließend zwei der drei Fragen aus dem Publikum von Journalisten. Richard Gutjahr etwa will wissen, wen er mehr fürchten müsse - mächtige Internetunternehmen oder Regierungen. Snowdens Antwort: "Machtmissbrauch durch Unternehmen ist viel häufiger. Machtmissbrauch durch Regierungen ist dafür viel gefährlicher. Facebook kann wenigstens nicht sagen, du hast gegen unsere Regeln verstoßen, wir beschießen dich jetzt mit Raketen. Zumindest noch nicht." Das ist dann wieder ein typischer Snowden - man könnte auch sagen, typisch Re:publica: thematisch wie gehabt, aber immerhin unterhaltsam.


eye home zur Startseite
narfomat 10. Mai 2016

deine argumentation hat einen haken... denkst du, nastynestle hört auf, sein geld in der...

aretz 04. Mai 2016

Niemand hat behauptet, die Russen seien besser. Aber was wäre mit Edward geschehen, ohne...

skinnie 03. Mai 2016

Damit es auch für die SMS- und Twitter Generation verständlich ist? (Vorsicht! Könnte...

skinnie 03. Mai 2016

Snowden kennt vermutlich nicht die Vita unserer derzeitigen Kanzlerin. Was sie von...

Plasma 03. Mai 2016

Andreas, bist du das?



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Bertrandt Services GmbH, Koblenz
  2. IFS Deutschland GmbH & Co. KG, Erlangen
  3. Brabbler Secure Message and Data Exchange Aktiengesellschaft, München
  4. AGRAVIS Raiffeisen AG, Münster


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 59,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 49,99€
  3. 5,09€

Folgen Sie uns
       


  1. Triby Family

    Portabler Lautsprecher mit E-Paper-Display wird Alexa-fähig

  2. Range Extender

    Mazda plant Elektroauto mit Wankelmotor

  3. Autonomes Fahren

    Uber stoppt nach Unfall Versuch mit selbstfahrenden Taxis

  4. Elektroauto

    Tesla Model 3 soll weiter kommen als der Ampera-E

  5. Blizzard

    Starcraft Remastered erscheint im Sommer 2017

  6. Atom-Unfall

    WD erweitert Support für NAS mit Intels fehlerhaftem Atom

  7. SecurityWatchScam ID

    T-Mobile blockiert Spam-Anrufe

  8. AT&T

    USA bauen Millionen Glasfaserverbindungen

  9. Super Mario Run

    Nintendo bleibt trotz Enttäuschung beim Bezahlmodell

  10. Samsung

    Galaxy Note 7 wird per Update endgültig lahmgelegt



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Videostreaming im Zug: Maxdome umwirbt Bahnfahrer bei Tempo 230
Videostreaming im Zug
Maxdome umwirbt Bahnfahrer bei Tempo 230
  1. Hollywood Filmstudios wollen Filme kurz nach Kinostart streamen
  2. USA Google will Kabelfernsehen über Youtube streamen
  3. Verband DVD-Verleih in Deutschland geht wegen Netflix zurück

Buch - Apple intern: "Die behandeln uns wie Sklaven"
Buch - Apple intern
"Die behandeln uns wie Sklaven"
  1. Übernahme Apple kauft iOS-Automatisierungs-Tool Workflow
  2. Instandsetzung Apple macht iPhone-Reparaturen teurer
  3. Earbuds mit Sensor Apple beantragt Patent auf biometrische Kopfhörer

Lithium-Akkus: Durchbruch verzweifelt gesucht
Lithium-Akkus
Durchbruch verzweifelt gesucht
  1. Super MCharge Smartphone-Akku in 20 Minuten voll geladen
  2. Brandgefahr HP ruft über 100.000 Notebook-Akkus zurück
  3. Brandgefahr Akku mit eingebautem Feuerlöscher

  1. Re: Ernsthafte frage: Wo gab es das schon bei...

    Nikolai | 08:42

  2. Auch fuer Linux?

    pu_king81 | 08:41

  3. Re: Wenn schon remastered, dann bitte Command and...

    |=H | 08:40

  4. Re: Wie wärs mit hohen Druck?

    Salziger | 08:40

  5. Re: Auch ohne Battle.Net ?

    Plexington | 08:39


  1. 08:42

  2. 07:50

  3. 07:36

  4. 07:14

  5. 19:03

  6. 14:32

  7. 14:16

  8. 13:00


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel