Abo
  • IT-Karriere:

Netzneutralität: Warum der Netflix-Deal nicht das offene Internet gefährdet

Für viele Netzaktivisten bedeutet die Vereinbarung zwischen dem Videodienst Netflix und dem Kabelnetzbetreiber Comcast einen Angriff auf die Netzneutralität. Bislang ist der Deal aber nur eine neue Stufe im Streit über die Traffic-Kosten.

Artikel veröffentlicht am ,
Je mehr Nutzer sich einloggen, desto stärker werden die Netze belastet.
Je mehr Nutzer sich einloggen, desto stärker werden die Netze belastet. (Bild: Mike Blake/Reuters)

Der Aufschrei war groß in der vergangenen Woche. Der größte US-Kabelnetzbetreiber Comcast gab bekannt, dass er mit dem Online-Videodienst Netflix eine mehrjährige Kooperation vereinbart hat. Für manche Netzaktivisten kam dies einer "Abschaffung der Netzneutralität" gleich, obwohl die beiden Unternehmen in ihrer knappen Mitteilung darauf verwiesen, dass Netflix-Daten innerhalb des Comcast-Netzwerkes nicht bevorzugt behandelt werden dürfen. Was an der Debatte besonders verwundert: Netflix wird häufig als ein kleines Startup dargestellt, das sich nicht gegen die Macht der großen Internetprovider wehren kann. Dabei verursacht der Dienst inzwischen zu Spitzenzeiten mehr als 30 Prozent des Downstream-Volumens in den USA und hat mehr als 33 Millionen Kunden.

Inhalt:
  1. Netzneutralität: Warum der Netflix-Deal nicht das offene Internet gefährdet
  2. Harte Verteilungskämpfe auch in Europa

Es ist völlig klar, dass für einen solch starken Anstieg des Internettraffics die Kapazitäten der Provider ausgebaut werden müssen. Für Behauptungen, wonach die Netzbetreiber Verizon, AT&T und Comcast den Netflix-Traffic seit Oktober absichtlich gedrosselt haben, gibt es keinerlei Belege. Auch ist der Zusammenhang mit einem Urteil zur Netzneutralität konstruiert, das ein US-Bundesgericht Mitte Januar getroffen hatte. US-Medienberichten zufolge sollen Netflix-Chef Reed Hastings und Comcast-CEO Brian L. Roberts das Geschäft schon Anfang Januar auf der Unterhaltungselektronikmesse CES in Los Angeles abgemacht haben.

Jahrelanger Streit hinter den Kulissen

Hinter dem Netflix-Comcast-Deal stehen seit Jahren währende Streitigkeiten über Ausgleichszahlungen für Ungleichgewichte beim Datenaustausch zwischen den großen Backbone- und CDN-Betreibern sowie den Telefon- und Kabelnetzbetreibern (ISP), die die "letzte Meile" stellen. Schon im November 2010 verlangte Comcast Geld von Tier-1-Carrier Level 3, nachdem dieser Deals mit Netflix und Apple abgeschlossen hatte. Ähnliche Streitigkeiten gibt es auch zwischen dem Netflix-Carrier Cogent und dem Netzbetreiber Verizon. Während Cogent im vergangenen Jahr von Verizon forderte, mehr 10-Gigabit-Ports für den Datenaustausch bereitzustellen (à 10.000 Dollar für jede Seite), bot Verizon im Gegenzug kostenpflichtige Dienste an, "um sehr große Datenvolumen von ungleichgewichtigem Traffic auszuliefern".

Nach Ansicht der ISP hat sich das Austauschverhältnis durch die datenintensiven Videodienste stark zugunsten der Carrier verändert. Während Comcast ein maximales Ungleichgewicht von 2:1 akzeptieren will, liegt das Verhältnis bei Videodiensten laut Experten bei 30:1. Da die Kunden von Comcast millionenfach die Videodienste nutzen, lässt sich ein Ungleichgewicht kaum vermeiden. Die Netzbetreiber wollen das kostenlose Peering daher beenden und Transitgebühren für die Daten verlangen.

Nutzer von langsamen Verbindungen betroffen

Stellenmarkt
  1. Allianz Deutschland AG, München, Unterföhring
  2. KION Group IT, Frankfurt am Main

Wenn Carrier und ISP sich nicht auf mehr Peering-Ports einigen können, sinkt bei steigendem Traffic der Datendurchsatz für die Kunden. Bei Videodiensten fallen allgemeine Kapazitätsprobleme stärker ins Gewicht. Ein kontinuierlicher Datendurchsatz muss gewährleistet sein, damit die Bilder nicht ruckeln. Daher sah sich Netflix im Falle von Comcast zum Handeln gezwungen und wollte nicht länger abwarten, bis sich Comcast mit Carriern wie Cogent oder Level 3 über den Ausbau der Kapazitäten einigt.

Harte Verteilungskämpfe auch in Europa 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. (u. a. Predator - Upgrade, Red Sparrow, Specttre, White Collar - komplette Serie)
  2. (Samsung 970 EVO PLus 1 TB für 204,90€ oder Samsung 860 EVO 1 TB für 135,90€)
  3. 99,90€ (Bestpreis!)
  4. (u. a. Ghost recon Wildlands Ultimate Edition für 35,99€, The Banner Saga 3 für 9,99€, Mega...

Fabo 17. Mär 2014

Ich mag Netflix ebenfalls. Habe heute mal beim Support angefragt wann der Service nach...

wire-less 04. Mär 2014

Zwischen flächendeckend 50 haben und 50 nutzen liegt der Unterschied. Bei dem...

nw42 03. Mär 2014

leider komplett falsch! Comcast hat ein marodes altes Zugangsnetz, das von wenigen Kunden...


Folgen Sie uns
       


Nokia 6.2 und 7.2 - Hands on

Das Nokia 6.2 und das Nokia 7.2 sind zwei Android-Smartphones im Mittelklassesegment. Beide sind Teil des Android-One-Programms und dürften entsprechend schnelle Updates erhalten.

Nokia 6.2 und 7.2 - Hands on Video aufrufen
SSD-Kompendium: AHCI, M.2, NVMe, PCIe, Sata, U.2 - ein Überblick
SSD-Kompendium
AHCI, M.2, NVMe, PCIe, Sata, U.2 - ein Überblick

Heutige SSDs gibt es in allerhand Formfaktoren mit diversen Anbindungen und Protokollen, selbst der verwendete Speicher ist längst nicht mehr zwingend NAND-Flash. Wir erläutern die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Solid State Drives.
Von Marc Sauter

  1. PM1733 Samsungs PCIe-Gen4-SSD macht die 8 GByte/s voll
  2. PS5018-E18 Phisons PCIe-Gen4-SSD-Controller liefert 7 GByte/s
  3. Ultrastar SN640 Western Digital bringt SSD mit 31 TByte im E1.L-Ruler-Format

Akku-FAQ: Vergesst den Memory-Effekt - vorerst!
Akku-FAQ
Vergesst den Memory-Effekt - vorerst!

Soll man Akkus ganz entladen oder nie unter 20 Prozent fallen lassen - oder garantiert ein ganz anderes Verhalten eine möglichst lange Lebensdauer? Und was ist mit dem Memory-Effekt? Wir geben Antworten.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

  1. Müll Pfand auf Fahrrad-Akkus gefordert
  2. Akku-FAQ Wo bleiben billige E-Autos?
  3. Echion Technologies Neuer Akku soll sich in sechs Minuten laden lassen

Inside Bill's Brain rezensiert: Nicht nur in Bill Gates' Kopf herrscht Chaos
Inside Bill's Brain rezensiert
Nicht nur in Bill Gates' Kopf herrscht Chaos

Einer der erfolgreichsten Menschen der Welt ist eben auch nur ein Mensch: Die Netflix-Doku Inside Bill's Brain - Decoding Bill Gates zeichnet das teils emotionale Porträt eines introvertierten und schlauen Nerds, schweift aber leider zu oft in die gemeinnützige Arbeit des Microsoft-Gründers ab.
Eine Rezension von Oliver Nickel

  1. Microsoft Netflix bringt dreiteilige Dokumentation über Bill Gates

    •  /