Abo
  • Services:
Anzeige
Je mehr Nutzer sich einloggen, desto stärker werden die Netze belastet.
Je mehr Nutzer sich einloggen, desto stärker werden die Netze belastet. (Bild: Mike Blake/Reuters)

Harte Verteilungskämpfe auch in Europa

Anzeige

Ohnehin ist es so, dass große Dienste wie Google, Microsoft, Apple und Yahoo nicht nur Content Delivery Networks (CDN) wie Akamai, Level 3 oder Limelight nutzen, sondern ihre eigenen Netze aufgebaut haben. Auch Netflix verfügt über ein eigenes CDN. Ein solches Netzwerk besteht in der Regel aus einem Serververbund, der gecachte Inhalte möglichst schnell und stabil ausliefern soll. Wobei der Videodienst laut Branchenberichten zwar seine eigenen Server hat, aber die Verbindungen wiederum nur mietet. Netflix bietet den Providern an, über sein Open-Connect-Programm kostenlos an weltweit sechs Datenknoten (fünf US-Knoten sowie London) zu peeren. Dieses Angebot nutzen derzeit unter anderem Cablevision, Google Fiber und die British Telecom. Ebenfalls können Provider die Netflix-Hardware ins oder nahe ans eigene Netz stellen. Den Branchenberichten zufolge wird aber noch mehr als die Hälfte des Netflix-Traffics über die CDN der großen Carrier ausgeliefert.

Im Falle Comcasts war der Netzbetreiber aber nicht bereit, sich an einem solch kostenlosen Peering über das Open-Connect-Programm zu beteiligen. Wobei unklar ist, welchen Preis Netflix für die Vereinbarung gezahlt hat. Aus der Sicht des Videodienstes ist es aber vermutlich egal, ob einer der Provider für den steigenden Traffic bezahlt wird oder direkt ein Kabelnetzbetreiber, der zudem einen gewissen Service garantiert. Es wird erwartet, dass Netflix mit anderen Kabelnetzbetreibern ebenfalls solche Vereinbarungen trifft.

Paid Peering bedeutet keine Priorisierung

Was hat das alles also mit der Netzneutralität zu tun? Diese bleibt von solchen Vereinbarungen so lange unberührt, wie die Inhalte der Paid-Peering-Kunden nicht gegenüber den Daten aus anderen Netzen oder von anderen Anbietern bevorzugt transportiert werden. Eine schnelle Auslieferung wird jedoch dadurch möglich, dass die Daten nicht mehr über die Netze der anderen Carrier transportiert werden müssen. Eine Gefahr besteht natürlich, wenn ein Netzbetreiber wie im Falle von Comcast über eigene Videodienste wie NBC Universal verfügt und dessen Dienste dann ohne Störungen ausliefern wird, während bei anderen Anbietern eher Übertragungsprobleme auftreten können.

Ebenfalls erscheint unklar, warum durch solche Verträge kleinere Anbieter benachteiligt werden, wie oft kritisiert wird. Natürlich kann ein Startup nicht sofort sein eigenes CDN aufbauen. Aber solange es ausreichend Kapazitäten über die Provider gibt, dürften auch kleinere Anbieter von Videodiensten nicht von Anfang an ins Hintertreffen geraten. Ab einem bestimmten Zeitpunkt müssen aber natürlich auch diese versuchen, eigene Verteilzentren einzurichten.

Harte Kämpfe auch in Europa

Auch in Europa gibt es schon seit langem harte Kämpfe zwischen den Telekommunikationsanbietern, Peering-Partnern und Inhalteanbietern. Anfang 2011 forderten die großen Provider wie Deutsche Telekom, France Télécom, Telecom Italia und Telefónica neue Regelungen, die ihnen mehr Einnahmen durch den wachsenden Traffic sichern sollten. Vor einem Jahr vereinbarte Orange mit Google Zahlungen für den Transport von Videodaten. Googles Youtube generiere rund 50 Prozent des Datenvolumens in den Netzen des Unternehmens, argumentierte Orange.

Die Telekom forderte im April 2013 von Youtube den Ausbau von Serverkapazitäten, um eine ruckelfreie Wiedergabe der Videos zu gewährleisten. Zu konkreten Vereinbarungen wollte sich die Deutsche Telekom auf Anfrage nicht äußern. Ein Sprecher von Kabel Deutschland teilte aber auf Anfrage mit, dass es solche Deals wie im Falle Netflix/Comcast mit Inhalteanbietern nicht gebe.

Telekomfirmen wollen an Videotraffic mitverdienen

Auch die geplante EU-Verordnung zum gemeinsamen Telekommunikationsmarkt berührt solche Vereinbarungen zunächst nicht. Dies wäre aber der Fall, wenn die Auslieferung von Videos als "Spezialdienst" deklariert werden könnte. Dann hätten Telekommunikationsfirmen und Inhalteanbieter die Möglichkeit, bestimmte Qualitätsstandards zu vereinbaren. Aus einem "Paid Peering" könnte ein "Paid Prioritization" werden. Ob und wie solche Möglichkeiten Eingang in die Verordnung finden, ist derzeit noch offen. Der federführende Industrie-Ausschuss (ITRE) des EU-Parlaments hat die Formulierungen der EU-Kommission schon ein wenig abgeschwächt.

Traffic-Management soll in Zukunft nicht zu einer Diskriminierung konkurrierender Angebote führen, heißt es in Kompromissvorschlägen, die am 18. März beschlossen werden sollen. Spezialdienste sollen nur bei ausreichender Netzwerkkapazität und ohne Beeinträchtigung des allgemeinen Internetzugangs angeboten werden dürfen. Unabhängig vom Wortlaut der Verordnung gilt aber für Europa das Gleiche wie in den USA: Die Telekomfirmen wollen ihre Marktmacht nutzen, um von den Gewinnen der Inhalteanbieter etwas abzubekommen.

 Netzneutralität: Warum der Netflix-Deal nicht das offene Internet gefährdet

eye home zur Startseite
Fabo 17. Mär 2014

Ich mag Netflix ebenfalls. Habe heute mal beim Support angefragt wann der Service nach...

wire-less 04. Mär 2014

Zwischen flächendeckend 50 haben und 50 nutzen liegt der Unterschied. Bei dem...

nw42 03. Mär 2014

leider komplett falsch! Comcast hat ein marodes altes Zugangsnetz, das von wenigen Kunden...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Daimler AG, Stuttgart
  2. OEDIV KG, Bielefeld
  3. Daimler AG, Sindelfingen
  4. SSI Schäfer Automation GmbH, Giebelstadt bei Würzburg


Anzeige
Top-Angebote
  1. 564,90€ statt 609,00€
  2. und Destiny 2 gratis erhalten
  3. 9,49€ + Versandkosten (Steam Link einzeln kostet sonst 54,99€ und das Spiel regulär 11,99€)

Folgen Sie uns
       


  1. Die Woche im Video

    Wegen Krack wie auf Crack!

  2. Windows 10

    Fall Creators Update macht Ryzen schneller

  3. Gesundheitskarte

    T-Systems will Konnektor bald ausliefern

  4. Galaxy Tab Active 2

    Samsungs neues Ruggedized-Tablet kommt mit S-Pen

  5. Jaxa

    Japanische Forscher finden riesige Höhle im Mond

  6. Deep Descent

    Aquanox lädt in Tiefsee-Beta

  7. Android-Apps

    Google belohnt Fehlersuche im Play Store

  8. Depublizierung

    7-Tage-Löschfrist für ARD und ZDF im Internet fällt weg

  9. Netzneutralität

    Telekom darf Auflagen zu Stream On länger prüfen

  10. Spielebranche

    Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Pro und X erwartet



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Krack-Angriff: Kein Grund zur Panik
Krack-Angriff
Kein Grund zur Panik
  1. Neue WLAN-Treiber Intel muss WLAN und AMT-Management gegen Krack patchen
  2. Ubiquiti Amplifi und Unifi Erster Consumer-WLAN-Router wird gegen Krack gepatcht
  3. Krack WPA2 ist kaputt, aber nicht gebrochen

Flettner-Rotoren: Wie Schiffe mit Stahlsegeln Treibstoff sparen
Flettner-Rotoren
Wie Schiffe mit Stahlsegeln Treibstoff sparen
  1. Hyperflight China plant superschnellen Vactrain
  2. Sea Bubbles Tragflächen-Elektroboote kommen nach Paris
  3. Honolulu Strafe für Handynutzung auf der Straße

Cybercrime: Neun Jahre Jagd auf Bayrob
Cybercrime
Neun Jahre Jagd auf Bayrob
  1. Antivirus Symantec will keine Code-Reviews durch Regierungen mehr
  2. Verschlüsselung Google schmeißt Symantec aus Chrome raus
  3. Übernahme Digicert kauft Zertifikatssparte von Symantec

  1. Re: Smartphone Kamera ...

    flauschi123 | 08:45

  2. Re: Anderorts wird schon das Ende der eGK...

    Dietbert | 08:33

  3. Re: Ist bestimmt voller Creeper

    unbuntu | 08:18

  4. Re: Wir kolonialisieren

    unbuntu | 08:16

  5. Re: Asse 2.0

    unbuntu | 08:16


  1. 09:03

  2. 22:38

  3. 18:00

  4. 17:47

  5. 16:54

  6. 16:10

  7. 15:50

  8. 15:05


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel