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Im Netz der Zukunft rücken die Server in Antennenreichweite.
Im Netz der Zukunft rücken die Server in Antennenreichweite. (Bild: Osman Orsal/Reuters)

Internet erhält neue Architektur

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An der Frage nach dem Sinn einer solchen Priorisierung (Quality of Service/QoS) scheiden sich die Geister. Wenn ein Kunde über eine schlechte DSL-Verbindung mit geringer Bandbreite auf der "letzten Meile" verfügt, würde ihm auch eine Datenpriorisierung nichts nützen. Für digitales Fernsehen in Standardauflösung (SDTV) werden rund 4 Mbit/s benötigt, für HDTV mehr als 8 Mbit/s. Netflix ermöglicht bereits Ultra-HD-Videos mit 15,6 MBit/s. Ein Spielfilm in Ultra-HD-Qualität verursacht mehr Traffic als der jahrelange E-Mail-Verkehr vieler Nutzer: rund zehn Gigabyte. Wenn aber 80 oder 90 Prozent der Datenströme aus Videofilmen bestehen, ist eine Priorisierung von Videodaten so nützlich wie eine Überholspur auf der Autobahn bei Ferienbeginn. Zudem wächst laut Cisco der Traffic in den Stoßzeiten noch stärker als insgesamt: Mit Peaks von 1.000 Terabit/s wird bis 2018 gerechnet, wenn bis zu 335 Millionen Menschen gleichzeitig ein HD-Video streamen. Zum Vergleich: Selbst der weltgrößte Internetknoten DE-CIX hat derzeit nur einen Peak-Traffic von 3,2 Terabits/s.

Es ist offensichtlich, dass das Internet für eine solche Belastung eine neue Architektur benötigt. Laut Cisco entwickelt sie sich bereits. So sollen Content Delivery Networks (CDN) in den kommenden Jahren einen immer größeren Anteil am Traffic übernehmen. Der Anteil soll von 36 Prozent im vergangenen Jahr auf 55 Prozent im Jahr 2018 steigen. Ein solches Netzwerk besteht in der Regel aus einem Serververbund, der gecachte Inhalte möglichst schnell und stabil ausliefern soll. Das Internet durchläuft dabei eine ähnliche Entwicklung wie der Rundfunk: Im Gegensatz zu den frühen Kurz- und Langwellensendern mussten die hochfrequenten UKW-Sender wesentlich dichter an die Empfänger heranrücken. Wer im "Tal der Ahnungslosen" lebte, kannte das Problem.

CDN rücken dichter an die Nutzer

Laut Cisco wird der Daten-Traffic in Ballungsgebieten den Langstreckentransport bald übersteigen und im Jahr 2018 fast zwei Drittel des Gesamt-Traffics ausmachen. Dazu trägt bei, dass CDN die Langstreckenverbindungen umgehen und die Inhalte direkt in Ballungsgebieten und an regionalen Backbones zur Verfügung stellen. Die Verteilungszentren rücken möglichst nah an die Nutzer, und dafür brauchen die Daten keine Überholspuren. Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt gerade das Beispiel Netflix: Nach dem Deal stieg die Übertragungsrate im Netz von Comcast von 1,51 im Januar auf 2,72 Mbit/s im Mai 2014. Ohne Priorisierung und nur durch bezahltes Peering. Wenn bis 2018 in Deutschland tatsächlich flächendeckend eine Bandbreite von 50 Mbit/s vorhanden sein sollte, sollte es hierzulande kein Netz der Ahnungslosen mehr geben.

Aus Sicht der Netzprovider ist es unverständlich, dass Anbieter von Inhalten wie Google oder Netflix viel Geld mit dem wachsenden Traffic verdienen, die Endkunden jedoch keine höheren Anschlussgebühren für ihre Flatrates bezahlen. Der Versuch der Telekom, künftig volumenbasierte Tarife anzubieten und Vielnutzer zu drosseln, war ein erster Versuch, dies zu ändern. Die Weigerung von Comcast, mit Netflix kostenlos zu peeren, ist ein weiteres Beispiel für den Konflikt. Dass Inhalteanbieter bereit sind, für einen zuverlässigen Zugang zu den Endkunden zu zahlen, steht außer Frage. Apple soll am Aufbau eines eigenen CDN arbeiten. Google baut nicht umsonst eigene Glasfasernetze auf und gibt Milliarden für Satelliteninternet aus. Allerdings besteht die Gefahr, dass solche "vertikal integrierten" Konzerne eigene Inhalte bevorzugen, indem sie beispielsweise keine Mitbewerber zulassen oder ihre Inhalte bei Volumentarifen nicht berücksichtigen.

An diesem Punkt stellt sich allerdings die Frage, ob sich beispielsweise Ultra-HD-Angebote realisieren lassen, wenn sie über Langstreckennetze ohne QoS und nicht über kundennahe CDN ausgeliefert werden sollen. Gerade kleinere Firmen könnten sich keine CDN leisten und bräuchten Spezialdienste, um ihre Daten schneller zum Kunden zu bringen, sagt Telekom-Sprecher Philipp Blank auf Anfrage von Golem.de. Dafür könnte sich die Telekom ein Modell der Umsatzbeteiligung vorstellen. "Ein Spezialdienst wird nicht daran scheitern, dass sich ein Unternehmen das nicht leisten kann", versichert Blank.

 Netzneutralität: Im Netz der AhnungslosenSpezialdienste sollen sich unterordnen 

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Neuro-Chef 29. Jun 2014

Für H.265/HEVC an sich gibt es bereits kostenlose Player-Software, zumindest für...

Neuro-Chef 29. Jun 2014

Das hängt aber auch immer davon ab, wie die jeweilige Anwendung misst/rechnet. 10er- und...

AgatePalim 19. Jun 2014

Das kommt darauf an wie man das Umsetzt. Die harmloseste Möglichkeit ist natürlich ein...

raphaelo00 19. Jun 2014

Immer wieder interessant wenn das Thema Netzneutralität wieder aufkocht. youtube.com...

Zwangsangemeldet 19. Jun 2014

Anstatt "Spezialdienste" würde ich auch eher "Diensteklassen" vorschlagen. Zum Beispiel...



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