Netzneutralität: FCC will sich vorerst nicht in Peering-Verträge einmischen

Netflix-Chef Hastings hat eine Abfuhr von der Regulierungsbehörde FCC erhalten. Deutliche Worte für Hastings' Forderungen nach "starker Netzneutralität" fand auch Comcast.

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FCC-Präsident Tom Wheeler lehnt die Forderungen von Netflix zur Netzneutralität ab.
FCC-Präsident Tom Wheeler lehnt die Forderungen von Netflix zur Netzneutralität ab. (Bild: Gary Cameron/Reuters)

Die US-amerikanische Regulierungsbehörde FCC will Videostreaminganbietern kein kostenloses Peering mit Kabelnetzbetreibern garantieren. Eine entsprechende Forderung, die Netflix-Chef Reed Hastings kürzlich erhoben hatte, wies der FCC-Vorsitzende Tom Wheeler am Montag zurück. Die Regierung spiele zwar eine wichtige Rolle bei der Kontrolle, wie die Netzwerke untereinander agierten. Dies sei jedoch "keine Frage der Netzneutralität", sagte Wheeler nach Angaben von National Journal auf einer Pressekonferenz.

In einem ausführlichen Blogbeitrag hatte der Chef des Videoportals Netflix eine "starke Netzneutralität" gefordert, damit Kabelnetzbetreiber wie Comcast oder AT&T die Vorlieben ihrer Kunden nicht "einschränken, beeinflussen oder sich auf andere Weise darin einmischen". Nach Ansicht Hastings' verhindert eine starke Netzneutralität, dass die Serviceprovider eine "Mautgebühr für Verbindungen mit Diensten wie Netflix, Youtube oder Skype oder Vermittlern wie Cogent, Akamai oder Level 3 verlangen, um die von den Kabelnetzkunden gewünschten Dienste und Daten zu liefern".

Comcast hält Forderungen für "Schwachsinn"

Eine solche "starke Netzneutralität" wird wohl nicht die Unterstützung der FCC finden, wenn die Peering-Vereinbarungen nach Ansicht der Behörde nicht die Netzneutralität berühren. Eine Sprecherin der Behörde ergänzte auf Anfrage von National Journal: "Peering und Interconnection betreffen nicht das Open-Internet-Verfahren. Aber wir beobachten die entsprechenden Vorgänge, um zu sehen, ob wir in irgendeinem anderen Kontext handeln müssen." Dies könnte nach Ansicht des National Journal bedeuten, dass Comcast entsprechende Auflagen beim geplanten Kauf von Time Warner erhält.

Auf wenig Verständnis stoßen Hastings' Forderungen auch beim Kabelnetzbetreiber Comcast. Die Netflix-Argumente seien "im Grunde Schwachsinn", sagte Comcasts Vizepräsident David Cohen in einem Interview mit C-Span am Wochenende. Schließlich habe Netflix auf den Deal gedrängt und verursache alleine 30 Prozent des Internet-Traffics. Cohen geht aber davon aus, dass die FCC solche bezahlten Peering-Verträge unter die Lupe nimmt. Aber das sei kein Gebiet, auf dem ein Eingriff der Regierung nützlich oder notwendig sei.

Streit über Ungleichgewichte beim Peering

Netflix hatte vor einigen Wochen eine Kooperation mit Comcast abgeschlossen, die den Netflix-Kunden innerhalb des Comcast-Netzes einen besseren Zugang zu den gestreamten Videos garantieren soll. Hintergrund sind Streitigkeiten zwischen den Kabelnetzanbietern und den großen Backbone- und CDN-Betreibern über Ausgleichszahlungen für Ungleichgewichte beim Datenaustausch. Da sich Comcast zudem weigerte, kostenlos mit dem Content Delivery Network (CDN) von Netflix zu peeren, sah sich das Portal offenbar gezwungen, einen kostenpflichtigen Deal einzugehen.

Netflix erhält bei Comcast allerdings keinen bevorzugten Zugang gegenüber Wettbewerbern, sondern bezahlt lediglich für das Peering. Netzneutralität ist jedoch vor allem dadurch definiert, dass der Traffic eines jeden Anbieters gleichbehandelt und bestimmte Inhalte nicht bevorzugt durchgeleitet werden.

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