Netzneutralität: FCC verbietet Überholspuren im Netz

FCC-Chef Wheeler hat sich mit seinen Plänen zur Netzneutralität in den USA durchgesetzt. Die Telekommunikationsfirma Verizon veröffentlichte ihren Protest gegen die Entscheidung in Morseschrift.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
FCC-Direktor Tom Wheeler setzt sich mit seinen Plänen zur Netzneutralität durch.
FCC-Direktor Tom Wheeler setzt sich mit seinen Plänen zur Netzneutralität durch. (Bild: FCC)

Die US-Telekommunikationsaufsicht FCC schiebt bezahlten Überholspuren im Internet einen Riegel vor. Sie beschloss am Donnerstag in Washington wie erwartet mit einer knappen Mehrheit von drei zu zwei Stimmen eine schärfere Regulierung des Geschäfts mit Breitbandnetzen. Darin wird unter anderem ausdrücklich festgeschrieben, dass Netzbetreiber von Inhalteanbietern keine Gebühren für eine bevorzugte Durchleitung von Daten verlangen können. Damit stellt sich die FCC (Federal Communications Commission) auf die Seite der Anhänger einer strikten Netzneutralität. FCC-Chef Tom Wheeler hatte die Regelungen bereits Anfang Februar präsentiert.

Stellenmarkt
  1. Software-Manager Automotive mit Schwerpunkt Cyber Security (m/w/d)
    Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Herzogenaurach
  2. Senior Software Developer (m/w / divers)
    Continental AG, Villingen
Detailsuche

Außerdem wird festgesetzt, dass es keine Diskriminierung beim Zugang zu Netzen geben darf, wie das Blockieren oder Verlangsamen von Diensten. Die Regeln gelten auch für Breitbandinternet in Mobilfunknetzen. Dies sei besonders wichtig, da gerade für viele einkommensschwache Amerikaner ein Smartphone das zentrale Internetgerät sei, betonte FCC-Kommissarin Mignon Clyburn.

Weltweite Vorreiterrolle der USA

Die USA übernehmen damit eine Vorreiterrolle bei der Durchsetzung der Netzneutralität. In Europa zeichnen sich aktuell schwächere Regeln ab. Allerdings hätte es die Marktmacht der großen US-Provider begünstigt, bezahlte Überholspuren gegenüber Inhalteanbietern und Endkunden durchzusetzen.

Die FCC hatte ursprünglich laschere Regeln ins Auge gefasst. Die Kommission bekam aber einen starken öffentlichen Druck zu spüren. Auch Präsident Barack Obama rief sie auf, die Netzneutralität zu verteidigen.

Keine Regulierung der letzten Meile

Golem Karrierewelt
  1. Entwicklung mit Unity auf der Microsoft HoloLens 2 Plattform: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    07./08.06.2022, Virtuell
  2. Container Management und Orchestrierung: virtueller Drei-Tage-Workshop
    22.-24.08.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Um ihre Regeln durchzusetzen, setzte die FCC die Breitbandnetze bei der Regulierung mit einer Versorgungsinfrastruktur gleich. Allerdings gelten Ausnahmen, was die Anwendung von Regulierungen des Telefonnetzes betrifft. So gibt es für die Breitbandanbieter in Zukunft keine Tarifregulierung wie in Deutschland für das Entgelt der Teilnehmeranschlussleitung (TAL), keine Entbündelung der letzten Meile und keine "aufwendigen administrativen Anmeldungsanforderungen und Rechnungslegungsstandards".

Die Firmen kritisieren dennoch, dass eine strikte Durchsetzung der Netzneutralität ihnen das Geld für nötige Investitionen nehmen könnte. Sie würden gern zusätzliche Gebühren für schnellere oder besonders zuverlässige Leitungen erheben. Verfechter der Netzneutralität warnen, dass dadurch am Ende kleine Unternehmen benachteiligt werden könnten, die sich das nicht leisten können.

Verizon sieht Rückschritt in 1930er Jahre

Der Telekom-Konzern Verizon verurteilte die FCC-Entscheidung am Donnerstag als unnötigen Rückschritt zu einem veralteten Regulierungsmodell aus den 1930er Jahren. Als Symbol für diesen angeblichen Rückschritt wurde der Blog-Eintrag in Morsezeichen und in Schreibmaschinenschrift veröffentlicht. Der Telekom-Konzern AT&T äußerte die Hoffnung, dass der Beschluss angesichts der knappen Mehrheit nicht in Stein gemeißelt sei.

Vor der Abstimmung wurden die tiefen Gräben zwischen Demokraten und Republikanern innerhalb der FCC deutlich. "Wir können kein Zwei-Klassen-Internet mit Überholspuren haben, die den Datenverkehr von Privilegierten beschleunigen und den Rest von uns zurücklassen", sagte Kommissarin Jessica Rosenworcel. Die neue Regulierung solle die amerikanische Internetwirtschaft schützen, "um die uns die ganze Welt beneidet".

Ihr republikanischer Kollege Ajit Pai warnte hingegen, die Entscheidung werde negative Folgen haben: "höhere Breitband-Preise, langsamere Breitband-Geschwindigkeiten, weniger Breitband-Ausbau, weniger Innovation und weniger Auswahl für amerikanische Verbraucher".

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anonymer Nutzer 27. Feb 2015

SEHR gut veranschaulicht, wie pervers das Provider Gehabe doch ist! :)

g0r3 27. Feb 2015

Mit dem Unterschied, dass hier der Kunde bewusst und freiwillig Mehrkosten in Kauf...

daarkside 27. Feb 2015

Die Netzneutralität ist in diesem korrupten System nicht zu halten. Von der aktuell...

matok 27. Feb 2015

Eben. Und da keine Netzneutralität als Instrument gegen Wettbewerber eingesetzt werden...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Prehistoric Planet
Danke, Apple, für so grandiose Dinosaurier!

Musik von Hans Zimmer, dazu David Attenborough als Sprecher: Apples Prehistoric Planet hat einen Kindheitstraum zum Leben erweckt.
Ein IMHO von Marc Sauter

Prehistoric Planet: Danke, Apple, für so grandiose Dinosaurier!
Artikel
  1. Star Wars: Cal Kestis kämpft in Jedi Survivor weiter
    Star Wars
    Cal Kestis kämpft in Jedi Survivor weiter

    EA hat offiziell den Nachfolger zu Star Wars Jedi Fallen Order angekündigt. Hauptfigur ist erneut Cal Kestis mit seinem Roboterkumpel BD-1.

  2. Fahrgastverband Pro Bahn: Wo das 9-Euro-Ticket sicher gilt
    Fahrgastverband Pro Bahn
    Wo das 9-Euro-Ticket sicher gilt

    Die Farbe der Züge ist entscheidend, was bei der Reiseplanung in der Deutsche-Bahn-App wenig nützt. Dafür laufen Fahrscheinkontrollen ins Leere.

  3. Retro Gaming: Wie man einen Emulator programmiert
    Retro Gaming
    Wie man einen Emulator programmiert

    Warum nicht mal selbst einen Emulator programmieren? Das ist lehrreich und macht Spaß - wenn er funktioniert. Wie es geht, zeigen wir am Gameboy.
    Von Johannes Hiltscher

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • PS5 evtl. bestellbar • Prime Video: Filme leihen für 0,99€ • Gigabyte RTX 3080 12GB günstig wie nie: 1.024€ • MSI Gaming-Monitor 32" 4K günstig wie nie: 999€ • Mindstar (u. a. AMD Ryzen 5 5600 179€, Palit RTX 3070 GamingPro 669€) • Days of Play (u. a. PS5-Controller 49,99€) [Werbung]
    •  /