Abo
  • Services:

Rechentricks gegen Auslandsvolumen bei Stream On

Finanziell ebenfalls sehr problematisch für die Telekom ist die Aufforderung, die Stream-On-Option europaweit verfügbar zu machen. Hier streiten sich die beiden Parteien über die Frage, ob die Option als "integraler Bestandteil des Datentarifs der Magenta-Mobil-Tarife anzusehen" ist. Sollte dies zutreffen, was nach Ansicht der Bundesnetzagentur der Fall ist, muss das Angebot auch die Zusatzoption umfassen, wenn beispielsweise die Kategorie Datendienst als Roamingdienst angeboten wird.

Stellenmarkt
  1. AKDB, München
  2. Robert Bosch GmbH, Eisenach

Die Telekom behauptet hingegen, die Option stelle einen "getrennt zu betrachtenden Zusatzvertrag" dar. Mit einem Rechentrick legte sie dar, dass deshalb kein einziges Byte unter die sogenannte Fair-Use-Regelung fällt. Diese Regelung soll es Providern ermöglichen, die Nutzung von inländischen Flatrate-Angeboten im Ausland auf bestimmte Datenvolumina zu begrenzen.

12 GByte Auslandsvolumen laut Fair Use

Da dieses Volumen vom Endkundengesamtpreis abhängt, setzt die Telekom diesen mit 0 Euro an, weil das Stream-On-Paket nichts kostet. Daraus folgert das Unternehmen, dass im Ausland gar kein Volumen unter die Fair-Use-Regelung fällt. Nach Ansicht der Regulierungsbehörde muss jedoch der Gesamtpreis für den Magenta-Mobil-Tarif zugrunde gelegt werden. Bei einem Preis von fast 50 Euro für den Tarif L kämen nach der Formel (Monatspreis durch Großhandelspreis) x 2 mehr als 12 GByte kostenloses Roaming-Volumen monatlich im Ausland zusammen. Die Telekom müsste dabei für jedes Gigabyte einen Großhandelspreis von derzeit 7,14 Euro bezahlen.

Eine Öffnung für das Ausland sei daher wirtschaftlich nicht tragfähig, erklärte das Unternehmen schon in einem Schreiben vom 17. August 2017. Gleichzeitig drohte die Telekom mit der sofortigen Einstellung des Produkts, was "mit gravierenden Nachteilen" für die Telekom, ihre Kunden sowie die Inhalteanbieter verbunden wäre. Eine Drohung, die das Unternehmen im vergangenen Dezember erstmals öffentlich gemacht hatte.

400.000 Euro Strafe angedroht

Die Bundesnetzagentur weist in ihrem Schreiben jedoch darauf hin, dass die Telekom selbst in den Niederlanden eine Zero-Rating-Option anbiete, die ein Auslandsvolumen von 6 GByte umfasse. In Großbritannien habe Three UK ebenfalls mit Go Binge ein Zero-Rating-Angebot, das 12 GByte Auslandsvolumen umfasse.

Aus dem Bescheid der Bundesnetzagentur geht hervor, dass die Telekom in vier Punkten ihr Angebot ändern soll und ihr bei jedem Punkt eine Geldstrafe von 100.000 Euro droht. Daraus ergibt sich eine Gesamtstrafe von 400.000 Euro, die angesichts des großen Erfolgs bei den Kunden möglicherweise zu verschmerzen wäre.

Klage wahrscheinlich

Auf Anfrage von Golem.de teilte Telekom-Sprecher Philipp Blank mit, dass sein Unternehmen zunächst Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt habe. Allerdings hat ein Widerspruch dem Bescheid zufolge keine aufschiebende Wirkung "und ändert nichts an der Wirksamkeit und Vollziehbarkeit des Bescheides". Letzteres gilt auch für Klagen im Hauptsacheverfahren. Die Telekom behalte sich aber vor, "im nächsten Schritt gegen die Entscheidung vor Gericht zu klagen", sagte Blank. Es dürfte daher davon auszugehen sein, dass die Telekom ebenso wie im Falle der Vorratsdatenspeicherung im Eilverfahren den Bescheid vorläufig aufheben lassen will.

Sollte sich die Telekom vor Gericht durchsetzen, was unwahrscheinlich klingt, gäbe es in Sachen Netzneutralität hierzulande fast eine Situation wie in den USA. Dort hatte die Regulierungsbehörde FCC den Providern ebenfalls die Datendrosselung erlaubt, wenn sie dies in ihren Vertragsbedingungen transparent angeben. Die Position der Telekom ist ähnlich: Solange die Endkunden Anwendungen und Dienste irgendwie noch nutzen könnten, dürfen die Provider alles vertraglich vereinbaren.

Zeigt sich die Telekom dauerhaft widerspenstig und ignoriert die Bescheide, könnte die Bundesnetzagentur die ganz große Keule mit Artikel 126 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) auspacken. Darin heißt es: "Verletzt das Unternehmen seine Verpflichtungen in schwerer oder wiederholter Weise oder kommt es den von der Bundesnetzagentur zur Abhilfe angeordneten Maßnahmen nach Absatz 2 nicht nach, so kann die Bundesnetzagentur ihm die Tätigkeit als Betreiber von Telekommunikationsnetzen oder Anbieter von Telekommunikationsdiensten untersagen." Das wäre der Telekom die Stream-On-Option aber vermutlich am Ende doch nicht wert.

 Warnung vor willkürlicher Datenreduzierung
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (2 Monate Sky Ticket für nur 4,99€)
  2. (u. a. Deadpool, Alien Covenant, Assassins Creed)
  3. 4,99€

Folgen Sie uns
       


God of War (2018) - Fazit

Viele langjährige Fans von Kratos dürften beim neuen God of War erst mal vom Glauben abfallen. Der Neue hat aber auf eigenständige Art ebenfalls das Zeug zum Kulthelden.

God of War (2018) - Fazit Video aufrufen
Mobilfunk: Was 5G im Bereich Security bringt
Mobilfunk
Was 5G im Bereich Security bringt

In 5G-Netzwerken werden Sim-Karten für einige Anwendungsbereiche optional, das Roaming wird für Netzbetreiber nachvollziehbarer und sicherer. Außerdem verschwinden die alten Signalisierungsprotokolle. Golem.de hat mit einem Experten über Sicherheitsmaßnahmen im kommenden 5G-Netzwerk gesprochen.
Von Hauke Gierow

  1. Mobilfunk Nokia erwartet ersten 5G-Start noch dieses Jahr in den USA
  2. IMSI Privacy 5G macht IMSI-Catcher wertlos
  3. DAB+ Radiosender hoffen auf 5G als Übertragungsweg

Ancestors Legacy angespielt: Mittelalter für Echtzeit-Strategen
Ancestors Legacy angespielt
Mittelalter für Echtzeit-Strategen

Historisch mehr oder weniger akkurate Spiele sind angesagt, nach Assassin's Creed Origins und Kingdom Come Deliverance will nun auch Ancestors Legacy mit Geschichte punkten. Golem.de hat eine Beta des im Mittelalter angesiedelten Strategiespiels ausprobiert.

  1. Into the Breach im Test Strategiespaß im Quadrat

NUC8i7HVK (Hades Canyon) im Test: Intels Monster-Mini mit Radeon-Grafikeinheit
NUC8i7HVK (Hades Canyon) im Test
Intels Monster-Mini mit Radeon-Grafikeinheit

Unter dem leuchtenden Schädel steckt der bisher schnellste NUC: Der buchgroße Hades Canyon kombiniert einen Intel-Quadcore mit AMDs Vega-GPU und strotzt förmlich vor Anschlüssen. Obendrein ist er recht leise und eignet sich für VR - selten hat uns ein System so gut gefallen.
Ein Test von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Crimson Canyon Intel plant weiteren Mini-PC mit Radeon-Grafik
  2. NUC7CJYS und NUC7PJYH Intel bringt Atom-betriebene Mini-PCs
  3. NUC8 Intels Mini-PC hat mächtig viel Leistung

    •  /