Netze: Wieder Massenentlassungen bei Nokia

Erneut wird der Telekommunikationsausrüster Nokia massiv Stellen abbauen. Auch Deutschland ist stark betroffen.

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Wieder mal Umbau bei Nokia
Wieder mal Umbau bei Nokia (Bild: Achim Sawall/Golem.de)

Nokia will bis zu 10.000 Arbeitsplätze abbauen. Das gab der finnische Netzwerkausrüster am 16. März 2021 bekannt. Die geplante Umstrukturierung wird voraussichtlich über einen Zeitraum von 18 bis 24 Monaten zu einer Reduzierung der Beschäftigten auf 80.000 bis 85.000 Mitarbeitern führen. Gegenwärtig beschäftigt Nokia rund 90.000 Mitarbeiter.

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"Wir gehen derzeit davon aus, dass wir in Deutschland mit einer Zahl von schätzungsweise 365 Stellen in den Konsultationsprozess gehen werden. Wir haben derzeit rund 2.900 Mitarbeiter in Deutschland", sagte Unternehmenssprecher Bernhard Fuckert Golem.de auf Anfrage.

"Diese Pläne sind global und werden wahrscheinlich die meisten Länder betreffen", sagte eine Sprecherin von Nokia. "In Europa haben wir die örtlichen Betriebsräte gerade erst informiert und erwarten, dass die Konsultationsprozesse in Kürze beginnen." Frankreich, wo Nokia im vergangenen Jahr mehr als tausend Stellen abgebaut hat, wurde von der aktuellen Umstrukturierung ausgeschlossen.

Zuletzt hatte Nokia im Jahr 2018 einen massiven Stellenabbau eingeleitet. Dabei wurde mit "langfristig wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen" argumentiert, mit dem Ziel, Einsparungen in Höhe von 700 Millionen Euro bis Ende 2020 zu erzielen. Bei Nokia Deutschland wurden rund 520 Stellen vernichtet.

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Es wird erwartet, dass die neue Umstrukturierung die Kostenbasis bis Ende 2023 um rund 600 Millionen Euro senken wird. Die Hälfte der Einsparungen wird voraussichtlich im Jahr 2021 erzielt.

Nokia sucht einen Käufer

Nokia prüft seit einiger Zeit strategische Optionen, die von potenziellen Verkäufen von Unternehmensteilen bis hin zu Fusionen mit Konkurrenten reichen. Ein Käufer wurde jedoch bisher nicht gefunden.

Nokia zog sich im Mai 2020 vom Markt für 5G-Mobilfunkstationen in China zurück. Laut chinesischer Darstellung war die Herausforderung für Nokia, seine 5G-Produkte wettbewerbsfähiger zu machen, da das Unternehmen "mit der Bewältigung von Kosten und Lieferverzögerungen zu kämpfen hatte". Laut Brancheninformationen hatte Nokia teure programmierbare 5G-Komponenten verbaut, die seine Produkte im Vergleich zur Konkurrenz weniger rentabel gemacht hätten. Der Konkurrent Ericsson ist dagegen in China erfolgreich.

Auch in den USA, wo die chinesischen Ausrüster Huawei und ZTE vom Mobilfunkausbau ausgeschlossen sind, läuft es für Nokia nicht gut. Samsung Electronics setzte sich bei einem 5G-Auftrag des US-Netzbetreibers Verizon gegen Nokia durch. Im September schloss das südkoreanische Unternehmen seinen bislang größten 5G-Vertrag ab: Ausrüstung im Wert von 6,6 Milliarden US-Dollar für das Funkzugangsnetzwerk (RAN) bei Verizon bis Ende 2025.

Pekka Lundmark, seit August 2020 Chef von Nokia, hatte angekündigt, er werde die Strategie seines Vorgängers Rajeev Suri aufgeben, End-to-End-Lösungen für Netzwerke von Mobilfunkmasten bis hin zu Software anzubieten. Stattdessen teilte Lundmark Nokia in vier neue Geschäftsbereiche auf, die jeweils ihre eigene Verantwortung für Gewinn und Verlust haben: Mobilfunknetze, IP- und Festnetze, Cloud- und Netzwerkdienste sowie das bestehende Technologiegeschäft, das sich auf das Patentportfolio konzentriert.

In dieser Woche wurde eine enge Zusammenarbeit mit den US-Konzernen Microsoft und Amazon bei Open RAN angekündigt. Nokia plant, die Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in 5G, Cloud und digitale Infrastruktur zu erhöhen.

Nachtrag vom 16. März 2021, 16:07 Uhr

Hierzulande werden 12 Prozent der Belegschaft abgebaut, womit Deutschland überproportional betroffen ist. Die Firmenpolitik von Nokia Deutschland gehe - mit wenigen Ausnahmen - seit Jahren mit Personalabbau und Standortschließungen einher, erklärte Sibylle Wankel, 1. Bevollmächtigte der IG Metall München. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben es satt, von einem Abbaujahr ins nächste Abbaujahr weitergereicht zu werden" erklärte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Clemens Suerbaum. "Zu Recht fordern sie eine langfristige Perspektive."

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