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Netzbetreiber: Schleppender Netzausbau trifft traumhafte Renditen

Teils über 40 Prozent Rendite konnten die deutschen Netzbetreiber erwirtschaften. Auch insgesamt sind die Gewinne überdurchschnittlich.
/ Mario Petzold
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Installation einer 380-kV-Leitung nahe Pforzheim. (Bild: Getty Images/Thomas Kienzle)
Installation einer 380-kV-Leitung nahe Pforzheim. Bild: Getty Images/Thomas Kienzle

Laut einer Analyse des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft(öffnet im neuen Fenster) hat die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der 18 größten Netzbetreiber bei 30,1 Prozent gelegen. Allein diese beliefern etwa die Hälfte aller Stromkunden in Deutschland. EWE Netz mit 61 Prozent, Westnetz mit 45 Prozent und Mitnetz mit 43 Prozent erreichten bei der Rendite die höchsten Werte.

Die Zahl gibt an, wie viel Gewinn mit jedem Euro eingesetztem Eigenkapital erzielt werden konnte. Schon im Jahr davor lag die Quote der Analyse zufolge bei 16,6 Prozent und damit deutlich über dem angestrebten Zielwert zwischen 3 und 7 Prozent.

Der Verband kritisiert in diesem Zusammenhang, dass bei Netzausbau, Digitalisierung und Modernisierung seit langem Verzögerungen zu beobachten sind, während die Renditen gleichzeitig viel zu hoch liegen. Würden sie auf ein angemessenes Maß gesenkt, könnten die Netzentgelte der Berechnung nach insgesamt um 3 Milliarden Euro gesenkt werden.

Westnetz am auffälligsten

Problematisch sind die Zahlen, weil es sich bei den Netzbetreibern um Monopole handelt. Kunden in einem Gebiet finden einen zuständigen Betreiber vor. Dementsprechend ist die Bundesnetzagentur dafür verantwortlich, dass die Unternehmen ihre Position nicht ausnutzen.

Die Agentur kann Strafen verhängen, wenn Aufgaben nicht ordnungsgemäß ausgeführt werden. Das geschah zuletzt bei Westnetz, wo erhebliche Probleme bei der Digitalisierung bestehen sollen. Diese führten laut einem Bericht von Tagesschau(öffnet im neuen Fenster) zu verzögerten Auszahlungen und schleppenden Anmeldungen neuer Erzeugungsanlagen.

Gleichzeitig gehört der Netzbetreiber, dem bis 2025 die jetzige Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vorstand, zu den profitabelsten Unternehmen in der untersuchten Liste.

Eine Frage der Berechnung

Auf Anfrage des SWR teilte der Energiekonzern Eon, zu dem einige der Netzbetreiber gehören, mit, dass die monopolistischen Netzbetreiber sich nicht nach den Handelsgesetzen bewerten lassen könnten. Zum Beispiel werde das Eigenkapital anders berechnet und Steuern seien bei den Gewinnen noch nicht berücksichtigt.

Hoch bleibt die Rendite dennoch, weshalb Eon zusätzlich beteuert, dass der Investitionsplan mittlerweile anlaufe, um den Rückstand beim Netzausbau aufzuholen.

Besonders interessant sind die Renditen im Zusammenhang mit dem aktuellen Vorgehen gegen erneuerbare Energieprojekte, denen in Gebieten mit überlasteten Netzen mehrere Vorzugsrechte vom Anschlussvorrang bis zur Kompensation bei einer Abschaltung aberkannt werden sollen.

Gegenüber Tagesschau fasst der Bundesverband Neue Energiewirtschaft die Ergebnisse zusammen: "Wir zahlen europaweit mit die höchsten Netzentgelte und finanzieren damit auch die hohen Renditen der Netzbetreiber. Gleichzeitig sind wir beim Smart-Meter-Rollout, bei der Digitalisierung und beim Netzausbau Jahre hinterher. Gesetzgeber und Bundesnetzagentur müssen nachschärfen und vor allem muss sichergestellt werden, dass die Gewinne auch im Netz reinvestiert werden."


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