Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Netzbetreiber: Mehrwertsteuersenkung bringt Internetkunden fast nichts

Laut den Netzbetreibern ist die IT-Umstellung für die Mehrwertsteuersenkung teurer als die Ersparnis bei den Kunden.
/ Achim Sawall
119 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Netzausbau eines Buglas-Unternehmens (Bild: Buglas)
Netzausbau eines Buglas-Unternehmens Bild: Buglas

Die am 12. Juni vom Bundeskabinett beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent erfordert, dass millionenfach Rechnungen angepasst werden. Das gab der Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) am 12. Juni 2020 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . "Die Umstellungsaufwände für die Telekommunikationsbranche stehen in einem absoluten Missverhältnis zur tatsächlichen Einsparung beim Kunden. Hier muss im nächsten Schritt dringend nachgebessert werden. Eine gesenkte Mehrwertsteuer sollte die Konjunktur tatsächlich anschieben und darf nicht zum Kostentreiber für eben jene Branche werden" , sagte Buglas-Geschäftsführer Wolfgang Heer.

Erhebliche Umstellungsaufwände in IT-Systemen und Abrechnungsformalitäten seien die Folge der Steuersenkung. Ein gängiges Double-Play-Produkt mit Telefonie und Internetzugang kostet laut Heer etwa monatlich 39,90 Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer. Bei einer Senkung auf 16 Prozent ergibt sich demnach eine Endkundenersparnis von nur 1 Euro.

Buglas: Kommunale Glasfaserbetreiber und andere

Der Buglas schlägt vereinfachte Lösungen wie Gutschriften der Unternehmen vor: Die Ersparnis der für sechs Monate gesenkten Mehrwertsteuer könne den Kunden gutgeschrieben werden, so dass sie für bestehende oder neue Verträge verwendet werden könne. Kritisch sieht Heer zudem, dass den Netzbetreibern praktisch kaum Zeit für die Umstellung gelassen werde.

Heer sagte Golem.de auf Anfrage: "Wir haben in den vergangenen Tagen viele Gespräche mit unseren Mitgliedsunternehmen geführt. Ergebnis: Je kleiner ein Unternehmen, desto mehr schlägt der Umsetzungsaufwand für die Anpassung der IT-Systeme für Kundenmanagement und Billing zu Buche. Häufig haben gerade kleinere und mittlere Unternehmen keine eigenen Kapazitäten für solche Aufgaben und müssen sich nun extern zu hohen Kosten den benötigten Support holen." Zudem sei es üblich, die Rechnungsstellung zur Monatsmitte vorzunehmen, so dass Unternehmen in ihren Rechnungen zwei unterschiedliche Mehrwertsteuersätze ausweisen müssten. Dies leisteten zumindest einige der Abrechnungssysteme nicht.

Große Unternehmen im Buglas sind M-net Telekommunikations, Netcologne, BBV Deutschland, Wilhelm.tel und Willy.tel, der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus, viele Zweckverbände und Stadtwerke sowie Netzausrüster.


Relevante Themen