Network Slicing: 5G gefährdet die Netzneutralität - oder etwa nicht?

Ein Digitalexperte warnt vor einem "deutlichen Spannungsverhältnis" zwischen der technischen Basis des kommenden Mobilfunkstandards 5G und dem Prinzip des offenen Internets. Die Bundesnetzagentur gibt dagegen vorläufig Entwarnung.

Ein Bericht von Stefan Krempl veröffentlicht am
Der neue Mobilfunkstandard 5G ermöglicht unterschiedliche virtuelle Netzabschnitte.
Der neue Mobilfunkstandard 5G ermöglicht unterschiedliche virtuelle Netzabschnitte. (Bild: Yves Herman/Reuters)

Der Maxime, dass Provider so gut wie alle Datenpakete unabhängig von Inhalt, Anwendung, Herkunft und Ziel gleich behandeln und schnellstmöglich durch ihre Leitungen transportieren, droht mit dem nächsten Mobilfunkstandard 5G das Aus. Ein solches Szenario befürchtet zumindest Daniel Jacob, der bei der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin für "globale Fragen" zuständig ist. Als Ursache macht er die 5G-Schlüsseltechnik des Network Slicing aus, die den Betrieb virtueller Netzabschnitte mit unterschiedlichsten Ausprägungen ermöglicht. Doch dem widersprechen andere Experten und die Bundesnetzagentur.

Inhalt:
  1. Network Slicing: 5G gefährdet die Netzneutralität - oder etwa nicht?
  2. Innovationshemmende Konzentration befürchtet
  3. Netzaktivist: Klassenbasierte Verkehrsdiskriminierung ist problematisch

Das Network Slicing, als "Grundanlage" des kommenden Mobilfunkstandards, stehe in einem "sehr deutlichen Spannungsverhältnis zum Prinzip der Netzneutralität", erläutert Jacob in einem Interview mit dem Onlinemagazin Euractiv. Zuvor hatte der Digitalexperte der SWP seine Bedenken in einem im Juli erschienenen Analysepapier umrissen. Durch Network Slicing wird ihm zufolge das Netzwerk in verschiedene virtuelle Datenströme mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften aufgeteilt beziehungsweise zerschnitten.

Network Slicing als Verkehrsmanagement

So könne ein Netzwerkteil "einen besonders hohen Datendurchsatz" bieten, nennt der Forscher ein Beispiel. Ein anderer Bereich zeichne sich durch besonders hohe Zuverlässigkeit der übertragenen Dienste aus, ein dritter ermögliche einen besonders raschen Verbindungsaufbau. So könnten Mobilfunkbetreiber künftig "für unterschiedliche Anwendungen passgenaue Datenströme anbieten". Dies sei generell auch sinnvoll, weil etwa "beim autonomen Fahren die Datenanforderungen andere sind, als wenn wir zu Hause ein Video streamen".

Andererseits lässt sich mit Network Slicing, das die Deutsche Telekom als Grundlage für die Entwicklung hin zur vernetzten Gesellschaft mit all ihren Facetten und "sehr individuellen" Bedarfen an Datenraten, Geschwindigkeiten und Kapazitäten bezeichnet, prinzipiell die Netzneutralität aushebeln. Laut der Maxime sollen Provider so gut wie alle Datenpakete unabhängig von Inhalt, Anwendung, Herkunft und Ziel gleich behandeln und schnellstmöglich durch ihre Leitungen transportieren. Dahinter steht das "Best Effort"-Modell, wonach die eingehenden Daten "nach besten Kräften" entsprechend der vorhandenen Netzwerkkapazität gleichberechtigt weitergeleitet werden. Ausgeschlossen werden soll damit, dass einzelne Pakete bevorzugt, also mit höherer Priorität behandelt werden.

Bahn frei für Spezialdienste und Überholspuren?

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Der Grundsatz der Netzneutralität hat maßgeblich zum großen Erfolg des Internets beigetragen, da dieses damit offen für alle ist und einzelne Anwender sowie Nutzer nicht diskriminiert. Eine zentrale technische Kontrollinstanz gibt es damit nicht, was vor allem etablierten Telekommunikationsfirmen missfällt. Sie wollen sich lieber mit sogenannten Spezialdiensten oder Überholspuren auf den Datenleitungen etwas dazuverdienen.

Die mit 5G verknüpfte Möglichkeit, ganz individuelle virtuelle Netzwerkabschnitte auf ein und derselben Infrastruktur zu realisieren, dürfte den "Telcos" daher sehr gelegen kommen. Damit werde "systematisch zwischen verschiedenen Arten von Daten und Anwendung unterschieden", führt Jacob aus. Es komme nun darauf an, was man daraus mache. So könne man Network Slicing als Hochform des Datenverkehrsmanagements betrachten. Laut der EU-Verordnung für das offene Internet sei ein solches Eingreifen aber nur erlaubt, um Belastungsspitzen abzufedern. Dabei dürfe nicht systematisch nach Anbieter oder Inhalt differenziert werden, um den Marktzugang für neue Teilnehmer offenzuhalten oder eine pluralistische Medienlandschaft zu bewahren.

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Innovationshemmende Konzentration befürchtet 
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FreiGeistler 18. Sep 2018

Dieses Märchen hält sich immer noch? Zuverlässige Verbindung mit hohem Durchsatz wird im...

Klausens 14. Sep 2018

Ahja, und weils O2 15 Monate nicht hinkriegt ihr Netz zum Laufen zu kriegen soll das...

M.P. 13. Sep 2018

Genau das meinte ich mit ".. weil auf Anbieterseite da keine gemeinsamen Interessen...

M.P. 13. Sep 2018

Bei jedem Fall von unerwartet langsamer Internet-Verbindung im Mobilnetz auf...



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