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Netio 4 im Test: Smarte Steckdose für den Admin

Die vernetzte Steckdosenleiste Netio 4 hält, was sie verspricht. Zumindest, wenn der Anwender ein IT-Profi ist.
/ Alexander Merz
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Die Netio 4 All (Bild: Michael Wieczorek/Golem.de)
Die Netio 4 All Bild: Michael Wieczorek/Golem.de

Der tschechische Hersteller Koukaam(öffnet im neuen Fenster) hat seine neuen, smarten Steckdosenleisten Netio 4 und Netio 4 All vorgestellt. Sie ermöglichen die Steuerung der Stromausgänge über das Netzwerk und verfügen über einen integrierten Webserver, um die Ausgänge manuell, zeit- oder sogar scriptgesteuert zu schalten. Alternativ können die Basisfunktionen der Steckdosenleiste auch über eine einfache App für Android und iPhone gesteuert werden. Jeder der Ausgänge verträgt bis zu 8 Ampere, insgesamt dürfen aber angeschlossene Geräte nicht mehr als 15 Ampere ziehen, sonst löst die eingebaute Sicherung aus.

Die Netio 4 ist der Nachfolger der Netio 230B(öffnet im neuen Fenster) – neu hinzugekommen ist die WLAN-Unterstützung. Bei der Netio 4 All kommen noch Bluetooth und die Verbrauchsmessung für angeschlossene Geräte dazu.

Reichelt Elektronik(öffnet im neuen Fenster) hat uns eine Netio 4 All als Testgerät zur Verfügung gestellt. So konnten wir herausfinden, ob die umfangreiche Feature-Liste hält, was sie verspricht.

Inbetriebnahme für Fortgeschrittene

Ohne weitere Konfiguration ist die Stromsteckerleiste zunächst nur ein teures Spielzeug. Die einzelnen Ausgänge lassen sich durch die mechanischen Taster am stabilen Alugehäuse ein- und ausschalten. Doch dafür gibt es billigere Lösungen, erst die Netzwerkunterstützung soll den Preis rechtfertigen.

Als wir die Leiste zum ersten Mal anstecken, piept sie nur, und vier LEDs leuchten auf. Laut Anleitung sollte sie beim erstmaligen Start als WLAN-Access Point fungieren. Also suchen wir den Access Point über unseren Laptop – Fehlanzeige. Wir blättern hektisch im Handbuch, ob wir vielleicht erst eine Taste drücken müssen, aber davon steht dort nichts.

Doch da kommt die Erlösung: Die LEDs gehen aus, die WLAN-LED geht an und der Access Point wird uns angezeigt. Anscheinend benötigt die Netio 4 über eine Minute zum Booten – der eingebaute ARM-basierte 580 MHz-SoC mit 128 MB müht sich sichtlich ab. Deshalb befürchten wir schon das Schlimmste bei der Reaktionsgeschwindigkeit der Weboberfläche, als wir uns per Browser einloggen. Aber sie reagiert überwiegend flott.

In der Weboberfläche konfigurieren wir die Steckdosenleiste, damit sie sich in unser WLAN einklinken kann. Auf die Nutzung der Ethernet-Schnittstelle verzichten wir. Alternativ stehen eine ganze Reihe von Nutzungsszenarien für WLAN und LAN bereit, inklusive der Möglichkeit, das WLAN abzuschalten. Derzeit unterstützt die Netio nur den Zugriff über IPv4.

Laut Anleitung beträgt der eigene Strombedarf der Steckdosenleiste bis zu 4,1 Watt. Bei unseren eigenen Messungen zeigte sich, dass der Strombedarf um die 2 Watt pendelte.

Die Weboberfläche

Die Weboberfläche dient aber nicht nur zur Netzwerkverwaltung, sie bringt umfangreiche Möglichkeiten zur Konfiguration und Überwachung individuell für jeden der einzelnen Ausgänge.

Um zu verhindern, dass jeder, der sich im Netzwerk befindet, Zugriff auf die Funktionen hat, wird die Weboberfläche durch ein Login geschützt. Neben dem standardmäßigen Admin-Nutzer, der alles darf, können Benutzer mit weniger Rechten angelegt werden. Ein normaler Nutzer darf die Ausgänge schalten, aber keine Nutzer anlegen. Ein Gastnutzer kann lediglich den Zustand der Ausgänge betrachten. Benutzerrechte können aber auch granularer festgelegt werden.

Als weitere Schutzmaßnahme kann die Weboberfläche auch über HTTPS abgesichert werden, das notwendige Zertifikat kann das System selbst generieren. Ein Hochladen eigener Zertifikate ist nicht möglich.

Nach dem Einloggen erreicht der Benutzer die Übersicht für die vier Ausgänge. Über Icons werden der Zustand und die aktivierten Funktionen jedes Ausgangs angezeigt, sie können darüber aber auch aus- und angeschaltet werden. In der All-Version werden zusätzlich pro Steckdose der aktuelle Verbrauch in Watt und der Verbrauch über die Zeit angezeigt. Dabei wird auf ganze Zahlen gerundet. Auch die App beschränkt sich auf diese Funktionen.

Über die Weboberfläche erfolgt auch die Konfiguration für Email-Benachrichtigungen, die täglich nach Mitternacht verschickt werden können und über die Gerätenutzung informieren. Für das Versenden der Emails wird SMTP-Auth und TLS unterstützt. Die Email-Adresse des Absenders ist frei wählbar, Betreff und Inhalt hingegen nicht. Die Überwachung der Netio 4 über SNMP ist nicht möglich.

Per Shell

Wem die Weboberfläche oder die App zu bunt sind, dem steht auch eine rudimentäre, per Telnet zu erreichende Shell zur Verfügung. Damit ist allerdings kein echter Kommandozeilenzugriff auf das Betriebssystem verbunden. Es steht eine kleine Auswahl an Kommandos bereit, um die Ausgänge zu schalten und ihren Zustand abzufragen.

Zeitgesteuerte Schaltung

Um die Ausgänge nur zu bestimmten Tages- oder Uhrzeiten anzuschalten, gibt es die Möglichkeit, Zeitpläne pro Wochentag und minutengenau zu definieren. Während die Zeitplanung selbst weitgehend selbsterklärend ist, ist die Zuweisung zu einem Ausgang nicht sehr intuitiv. Zuerst muss ein Zeitplan erstellt werden, der dann in der Übersicht der Ausgänge dem gewünschten Ausgang zugewiesen wird. In der Verwaltung der Ausgänge kann nicht direkt ein Zeitplan nur für den ausgewählten Ausgang erstellt werden.

Watchdog-Funktion

Dass sich die Netio 4 eher an Systemadministratoren richtet, wird bei der Watchdog-Funktion deutlich. Sie überwacht nicht etwa den Stromverbrauch an einem Ausgang, sondern ist dafür gedacht, regelmäßig eine IP anzupingen.

Die Logik dahinter ist, dass jene IP zu einem Gerät gehört, das an einem der Ausgänge angeschlossen ist. Reagiert das Gerät nicht, kann die Netio 4 einfach für einen Moment den betreffenden Ausgang stromlos schalten und so das Gerät zu einem Neustart zwingen. Außerdem kann optional eine E-Mail verschickt werden. Der Benutzer kann außerdem definieren, wie die Watchdog-Funktion reagieren soll, wenn das Gerät mehrfach neu gestartet wurde und noch immer nicht reagiert.

Scripting per Lua

Wem das Überwachungsszenario zu einfach ist, der kann über die eingebauten Scripting-Fähigkeiten eine komplexere Logik implementieren. Zum Einsatz kommt dafür Lua(öffnet im neuen Fenster).

Da die Hardware der Netio 4 etwas schwach ist, was die Anleitung beim Thema Scripting unumwunden zugibt, wurden die Fähigkeiten von Lua beschnitten. Ein Script läuft nur innerhalb einer Sandbox und hat nur eingeschränkten Zugriff auf das Betriebssystem. Des Weiteren gibt es laut Handbuch eine ominöse Begrenzung auf 32.000 "Weisungen", und es kann nur mit ganzen Zahlen operiert werden. Letzteres erklärt vermutlich die gerundeten Werte in der Verbrauchsanzeige der Ausgänge.

Dennoch kann über Lua eine Vielzahl von Überwachungs- und Kontrollszenarien abgedeckt werden, denn einerseits können die Skripte durch HTTP-Get oder Post-Requests inklusive Parameter an die Stromleiste ausgelöst werden. Andererseits kann ein Script selbst Get-Requests und Pings verschicken. Die Zustände der Ausgänge und Verbrauchsmesswerte sowie der noch freie Flash-Speicher im System können ermittelt, die Ausgänge an- und ausgeschaltet werden. Auch ein Neustart der Netio 4 per Script ist möglich.

Skripte können über einen Zeitplan kontrolliert werden und funktionieren dann wie klassische Cronjobs. Alternativ können sie durch das Ein- und Ausschalten eines Ausgangs oder beim Start des Systems aktiviert werden.

Eher unpraktisch ist, dass Debugging nur über Protokollausgaben möglich ist und keine Skripte hochgeladen werden können. Der Programmierer muss mit einem einfachen webbasierten Editor arbeiten, der aber wenigstens Syntax-Highlighting beherrscht.

Bluetooth-Unterstützung noch nicht umgesetzt

Die Netio 4 All besitzt eine BluetoothLE-Einheit. Leider hat der Hersteller die sinnvolle Unterstützung dieser Funktion durch die Software bislang nur angekündigt, nicht aber umgesetzt. Die Nutzung sollte durch ein kommendes Firmware-Update möglich werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Netio 4 von Koukaam wird in Deutschland von Reichelt ab dem 26. Mai 2014 vertrieben. Die Netio 4 All soll 129 Euro kosten, die Netio 4 mit 99 Euro etwas weniger.

Fazit

Wir haben nur zwei wesentliche Kritikpunkte: Der schwache Prozessor führt zu einer quälend langen Boot-Zeit, und die Bedienung und Konfiguration orientieren sich sehr an IT-affinen Personen, sprich Admins und Programmieren.

Der erste Kritikpunkt spielt im laufenden Betrieb kaum eine Rolle, der eingebaute Webserver ist meist recht flott. Beim zweiten Kritikpunkt benachteiligt sich Koukaam selbst: Auch in Privathaushalten finden sich genug sinnvolle Anwendungsfälle für die smarte Steckdosenleiste. Aber dazu wäre ein alternatives, zugänglicheres Webinterface oder eine App fürs Smartphone zur Konfiguration notwendig, um auch Nichttechnikern den Zugang und die Konfiguration zu ermöglichen.

Abgesehen von der aktuell etwas nutzlosen Bluetooth-Funktion hält die Netio 4, was die Feature-Liste erhoffen lässt. Mit ihren vielseitigen Möglichkeiten dürfte sich die Steckdosenleiste für kleinere IT-Installationen, im Büro, im Homeoffice und in der Werkstatt gut machen – wenn der Anwender die notwendigen Kenntnisse und Zeit zur Konfiguration mitbringt.

Ein kleines Detail ist uns übrigens besonders positiv aufgefallen: Alle LEDs lassen sich auch komplett deaktivieren. Wenn der Admin es will, leuchtet auch im laufenden Betrieb nichts.

Nachtrag vom 27. Mai 2014, 13:22 Uhr

Wir haben einige technische Daten zum Stromverbrauch der Leiste selbst und zur Netzwerkunterstützung ergänzt. Ausserdem wurde ein Fehler bei der Beschreibung der Benutzerrechte korrigiert


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