Netflix: Warum so viele Serien nur zwei Staffeln lang laufen

Die Superhelden-Serie Jupiter's Legacy war bei ihrem Start ein Erfolg bei Netflix. Jetzt wurde sie eingestellt. Wie entscheidet Netflix, ob eine Serie verlängert wird?

Artikel von Peter Osteried veröffentlicht am
Groß angekündigt, aber schon wieder vorbei: Jupiter's Legacy
Groß angekündigt, aber schon wieder vorbei: Jupiter's Legacy (Bild: Youtube / Screenshot: Golem.de)

Jupiter's Legacy war im Mai einer der großen Neustarts des Streaming-Dienstes Netflix, keine vier Wochen später wurde schon wieder das Ende der Superhelden-Serie verkündet. Grund ist, dass die aus nur acht Folgen bestehende erste Staffel mit einem Budget von 200 Millionen US-Dollar sündhaft teuer war - zu teuer angesichts der Menge an Zuschauern, die sich dafür interessierten.

Inhalt:
  1. Netflix: Warum so viele Serien nur zwei Staffeln lang laufen
  2. Netflix muss mehr bieten als herkömmliche Sender

Genaue Zuschauerzahlen gibt es von Netflix selten, immer wieder kursieren aber Zahlen in der Fachpresse. Wenn sie von Netflix selbst verkündet werden, dann nur, wenn sie schmeichelhaft sind. Wie etwa bei der Fantasy-Serie Shadow & Bone, die in den ersten vier Wochen von 55 Millionen Abonnenten gesehen wurde.

Tendenzen lassen sich aber auch ohne offizielle Angaben erkennen, zum Beispiel durch Reelgood, einen US-Streaming-Dienst, der alle gängigen Anbieter vereint und anhand von zwei Millionen US-Zuschauern Daten erhebt, wie beliebt eine Serie ist.

Schon in Woche vier nur noch halb so viele Zuschauer

Demnach war das Problem von Jupiter's Legacy offenbar, dass der Auftakt stark war, das Interesse des Publikums sich aber schon in der vierten Woche halbiert hatte - anders etwa als bei Shadow & Bone, das schwächer startete, aber dank positiver Mundpropaganda in jeder Woche mehr Zuschauer fand.

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Für Jupiter's Legacy ging die Kosten-Nutzen-Rechnung nicht mehr auf: Die Serie war teuer, das Interesse zu gering - und der Verlauf der Zuschauerkurve ließ den Schluss zu, dass bei einer zweiten Staffel wahrscheinlich von vornherein weniger Abonnenten eingeschaltet hätten.

Was sind Netflix' Messgrößen für Erfolg?

Wie Netflix Erfolg misst, ist nicht ganz transparent. Nur wenig ist über die Kriterien bekannt. Beeindruckende Zahlen wie die von Shadow & Bone sind das eine. Sie relativieren sich aber, wenn man zum Beispiel weiß, dass Netflix eine Serie als gesehen betrachtet, wenn ein Zuschauer zwei Minuten (!) drangeblieben ist.

Davon abgesehen sind für Netflix offenbar drei Zuschauergruppen wichtig: die sogenannten Starters, die sich von einer Serie gerade einmal den Anfang ansehen, die Completers, die eine ganze Staffel innerhalb von sieben oder 28 Tagen gucken und die Watchers, eine etwas unspezifischere Zuschauergruppe, die sich nur dadurch auszeichnet, dass sie sich einen Großteil einer Folge oder eines Films ansieht - also nicht sofort wieder ausschaltet.

Entscheidend ist für Netflix, wie viele Zuschauer eine Serie jeweils im ersten Monat anschauen - wobei hier genau auf die wöchentliche Entwicklung geachtet wird. Ein starker Start, der schnell abflaut, ist genauso schlecht wie ein schwacher Start, der auf gleichem Niveau bleibt. Offenbar erfüllen viele Serien die Kriterien nicht. Die Liste der Sendungen, die nach einer oder zwei Staffeln enden, wird immer länger.

Dabei trifft es auch Formate, die einen harten Fan-Kern haben, wie die Science-Fiction-Serie Altered Carbon. Auch bei Sense8, The OA und anderen war nach zwei Staffeln Schluss, obwohl sie gut sind und ihre Anhänger haben. Für diese Fans umso ärgerlicher: All diese Serien endeten mit einem Cliffhanger.

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Mit Netflix sollte das mit den abgebrochenen Serien eigentlich enden

Zu Beginn des Streaming-Zeitalters hieß es noch, dass die Zeit abgebrochener Serien und offener Enden vorbei sei, weil Netflix die Zuschauer kennt und Serien so plant, dass sie zum Abschluss gebracht werden. Das ist aber schon lange nicht mehr so. Abseits von Erfolgsserien wie Stranger Things oder Das Haus des Geldes ist bei Netflix so gut wie nichts mehr sicher.

Egal, wie groß oder prestigeträchtig: jede Serie kann das frühe Aus ereilen. Mittlerweile stellt Netflix sogar mehr Serien ein, als es fortsetzt.

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Netflix muss mehr bieten als herkömmliche Sender 
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kollege 24. Jun 2021

Schon eine Weile her. Da kommt nur Müll raus und wenn mal was gut ist, dann kommt eine...

Crass Spektakel 23. Jun 2021

Im Usenet hat vor Jahren ein anderer Gerngugger den Begriff "Walking Clueless" für...

Crass Spektakel 23. Jun 2021

Ich schaue grundsätzlich keine Serien an die mit einem Cliffhanger enden. Gerade beim...

ufo70 22. Jun 2021

Gleichzeitig ist man empört über die Statistik letzte Woche, dass die Mehrheit der...

Bluejanis 22. Jun 2021

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