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Netflix und Synchronisation: Sprecherverband verlangt Prüfung umstrittener KI-Klausel

Der Streit um Netflix' KI-Klauseln für Synchronsprecher intensiviert sich. Ein Verband fordert das Bundeskartellamt zur Untersuchung auf.
/ Ingo Pakalski
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Matti Klemm - die deutsche Stimme von Jason Momoa wehrt sich gegen Netflix. (Bild: Gerald Matzka/Getty Images)
Matti Klemm - die deutsche Stimme von Jason Momoa wehrt sich gegen Netflix. Bild: Gerald Matzka/Getty Images

Der Verband Deutscher Sprecher*innen e.V. (VDS) hat nach eigenen Angaben Ende August 2026 eine Beschwerde beim Bundeskartellamt eingereicht und verlangt von der Behörde, eine Prüfung der strittigen KI-Klausel von Netflix, die Sprecher unterzeichnen müssen, falls sie weiterhin für das Unternehmen arbeiten wollen.

Außerdem will der VDS Sprecher unterstützen, die sich bei den zuständigen Datenschutzbehörden beschwert haben. Von den eingereichten Beschwerden verspricht sich der VDS, dass sich staatliche Aufsichtsbehörden mit der Netflix-Praxis befassen und die umstrittene Umsetzung prüfen.

"Wir haben beim Bundeskartellamt Beschwerde eingelegt, damit geprüft wird, ob Netflix seine Marktmacht missbraucht", erklärte Anna-Sophia Lumpe, 1. Vorsitzende des VDS(öffnet im neuen Fenster). Wolle "Netflix die Stimmen von Sprecher*innen nutzen, um KI-Systeme zu trainieren und Synchronproduktionen künftig automatisiert zu erstellen, besteht aus unserer Sicht die Gefahr, dass das Unternehmen seine Marktmacht zulasten selbstständiger Sprecher*innen ausnutzt und diese vom Markt verdrängt".

VDS hält Netflix' Vorgehen für rechtswidrig

Daher solle das Bundeskartellamt prüfen, "ob Netflix seinen Vertragspartner*innen überhaupt Bedingungen auferlegen darf, die nach unserer Einschätzung rechtswidrig sind", so Lumpe. Der VDS sieht die KI-Klauseln kritisch, weil Sprecher "damit möglicherweise zur Entwicklung technischer Systeme beitragen, die ihre eigene Tätigkeit künftig überflüssig machen könnten".

Der Synchronsprecher Matti Klemm ist unter anderem oftmals die deutsche Stimme von Jason Momoa und spricht seit 2024 die Titelrolle der Hörspielreihe Benjamin Blümchen. Er forderte die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit nach VDS-Angaben Anfang September 2026 auf, zu prüfen, ob "Sprecher*innen die ungefragte Verwertung ihrer markanten Stimmen durch Netflix hinnehmen müssen".

Matti Klemm schaltet Datenschutzbehörde ein

Klemm kritisiert viele offene Fragen: "Wir wissen schlicht nicht, was Netflix mit den Sprachdaten tatsächlich macht." Nach seiner Auffassung wäre es rechtswidrig, sollte Netflix "Synchronstimmen ohne ausreichende gesetzliche Grundlage zum Training eigener KI-Systeme nutzen".

Klemm bemängelt, dass von einer "freiwilligen Einwilligung kaum die Rede sein" könne, "wenn sie faktisch Voraussetzung für die Erteilung von Aufträgen ist".

Nach Auffassung des VDS müssten Filmfirmen, TV-Sender und Streaminganbieter Tonspuren kenntlich machen, falls diese durch KI generiert wurden(öffnet im neuen Fenster). Denn eine solche Tonspur erweckt den Anschein, dass das Gehörte von Menschen gemacht wurde und von diesen stammt. Daher müsse dies entsprechend gekennzeichnet werden, das ergebe sich aus Art. 3 Nr. 60 der beschlossenen EU-KI-Verordnung.


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