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Netflix-Film Don't Look Up: Wenn man nicht hinguckt, passiert auch nix, oder?

Bei Netflix startet am 24.12. eine bissige Gesellschaftssatire, bei der der Weltuntergang bevorsteht, es aber kaum jemanden interessiert.
/ Peter Osteried
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Warum verstehen sie es nicht?, scheint Kate Dibiasky alias Jennifer Lawrence hier zu sagen. Links der Kollege Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) (Bild: Niko Tavernise / Netflix)
Warum verstehen sie es nicht?, scheint Kate Dibiasky alias Jennifer Lawrence hier zu sagen. Links der Kollege Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) Bild: Niko Tavernise / Netflix

Früher hat Regisseur Adam McKay Komödien gedreht, mit seinem Film The Big Short(öffnet im neuen Fenster) über die Finanzkrise begab er sich erstmals auf das Terrain der Satire. Auf diesem bleibt er auch mit Don't Look Up, einem bissigen Film über eine gespaltene Gesellschaft, egoistische Politiker und wahnhafte Magnaten – und über Menschen, die sich weigern, das Offensichtliche anzuerkennen: das Heranrasen eines Kometen, der alles Leben auf der Erde auszulöschen droht.

Entdeckt haben den Kometen die Astronomen Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) und Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence). Der Himmelskörper hat einen Durchmesser von knapp zehn Kilometern, ist auf direktem Kollisionskurs mit der Erde und wird den Berechnungen zufolge in sechs Monaten und 14 Tagen einschlagen.

Im Fachjargon der Astronomen ist das ein Planetenkiller. Das Ding, das vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausgelöscht hat, war kleiner.

Mindy und Dibiasky sprechen bei der Präsidentin vor, um die Lage zu erörtern. Nur: So richtig ernst nimmt das keiner. Alles andere ist wichtiger, bis ein innenpolitisches Desaster der Präsidentin ein Handeln in der Kometen-Katastrophe opportun macht – um die Wähler zu befrieden. Von der Rettung der Welt ist man damit immer noch meilenweit entfernt.

Eigentlich wollte Adam McKay den Film für Paramount machen, landete dann aber bei Netflix. Nicht zu seinem Nachteil: Bei Netflix herrscht immer noch eine recht lockere Kultur, sodass die Kreativen arbeiten können, ohne dass sich viel von außen eingemischt wird. Der Regisseur konnte so bei seinem satirischen Rundumhieb in die Vollen gehen.

Die Besetzung ist erstklassig

Er hat eine Präsidentin, die Meryl Streep als weibliche Version von Donald Trump spielt, und Jonah Hill als deren Sohn und Stabschef, der nur an Luxus interessiert ist.

Mark Rylance spielt einen Elon-Musk-Verschnitt, dem Reichtum mehr am Herzen liegt als das Wohl der Erde, Cate Blanchett eine Fernsehjournalistin, die auch bei Fox News gut unterkäme(öffnet im neuen Fenster) .

DON'T LOOK UP – Trailer
DON'T LOOK UP – Trailer (02:45)

Leonardo DiCaprio ist wie gesagt Astronom – und zwar einer, der bei den Zuschauern als besonders sexy gilt. Jennifer Lawrence ist seine Kollegin, die mit ihrem panikhaften "Wir werden alle sterben"-Ausruf zum Meme wird.

Das ist das Ensemble in McKays Geschichte. In kleineren Rollen sind weitere Stars wie Timothee Chalamet, Ron Perlman, Kid Cudi oder Ariana Grande zu sehen.

Was weiß schon die Wissenschaft?

Es ist zu spüren, dass Don't Look Up nicht nur als Antwort auf die Trump-Jahre ersonnen wurde, sondern auch von der nun fast schon zwei Jahre währenden Pandemie geprägt ist. Von November 2020 bis Februar 2021 wurde der Film auch unter Covid-19-Bedingungen gedreht.

Es liegt also nahe, den Kometen im Film als Metapher für Corona zu sehen. Denn die Menschen verhalten sich angesichts dieser Gefahr kein bisschen anders als viele Menschen in der Pandemie.

Einige glauben schlicht und ergreifend nicht an die Existenz des Kometen, auch wenn es Fotos gibt. Andere benutzen diese Ignoranz als politischen Katalysator, so wie etwa Trump das Tragen (oder eher Nichttragen) der Maske zu einem politischen Statement machte.

In dem Film wird das so überzogen, dass selbst dem größten Trump-Apologeten ein Lichtlein aufgehen müsste. Als der Komet schon am Himmel zu sehen ist und die Wissenschaftler die Menschen auffordern, doch einfach in den Himmel zu blicken, gibt es die Gegenbewegung: Don't Look Up. Nicht hochschauen, alles negieren, dann wird das schon gut gehen. Irgendwie.

Ein besonders schöner Moment ist, als einer der Don't-Look-Up-Kappen-Träger (Stichwort: MAGA(öffnet im neuen Fenster) ) doch mal nach oben schaut. Die Erkenntnis, die er davonträgt, ist den Corona-Leugnern bislang verwehrt geblieben.

McKay erzählt deftig. Seine Satire ist nicht feingeistig, sondern grob. Die Botschaft wird nicht telegraphiert, sondern mit dem Holzhammer übermittelt. Das kann man dem Film ankreiden und sich darüber ärgern – oder man kann sich von diesem fast zweieinhalbstündigen Reigen der menschlichen Verrücktheiten schlicht und einfach mitreißen lassen.

Gesellschaftliche Satire mit Extinction Level Event

Von jeher fiel es der Science-Fiction mit ihrem Blick nach vorne leicht, auf gegenwärtige Zustände einzugehen. Don't Look Up ist aber nicht nur eine gesellschaftliche Satire, er ist auch ein Science-Fiction-Film über das Ende der Welt.

Entsprechend spannend ist, ob und wie die Menschheit dieses ELE, dieses Extinction Level Event(öffnet im neuen Fenster) , überleben wird. Wie es ausgeht, wird natürlich nicht verraten.

Nur so viel: Es wird ernst, vor allem aber spaßig (ein bisschen wie in Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt mit Steve Carrell und Keira Knightley) und es gibt einen mehr als 27.000 Jahre in der Zukunft liegenden Epilog. Und dann ist es immer noch nicht zu Ende: Denn wie bei Marvel gibt es nach dem Nachspann auch noch was zu sehen.


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