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Netflix Engagement Report: Der Streamer lässt sich wieder in die Karten blicken

Britische Serien dominieren, wie überhaupt Netflix mit nicht US-amerikanischen Formaten stark punktet.
/ Peter Osteried
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3 Body Problem ist für Netflix ein voller Erfolg. (Bild: Netflix)
3 Body Problem ist für Netflix ein voller Erfolg. Bild: Netflix

Halbjährlich präsentiert Netflix den Engagement Report, der darüber Aufschluss gibt, wie viele Stunden die Programme des Streamers weltweit gesehen wurden. Der Report umfasst mehr als 6.800 Positionen. Insgesamt wurde das Netflix-Programm in der ersten Jahreshälfte 2024 weltweit über 94 Milliarden Stunden gesehen. Der Streamer rechnet dabei gesehene Stunden, aber auch gestartete Streams pro Serie – für Letzteres wird die Zahl der gesehenen Stunden durch die Menge der Folgen geteilt.

Die zehn erfolgreichsten Serien des ersten Halbjahres waren die Miniserie In ewiger Schuld, die dritte Staffel von Bridgerton, Rentierbaby, die erste Staffel von The Gentlemen, die erste Staffel von Avatar: Der Herr der Elemente, die Miniserie Griselda, die erste Staffel von American Nightmare, die erste Staffel von 3 Body Problem, die erste Staffel von Berlin und die Miniserie Zwei an einem Tag.

Zusammen brachten es diese Serien auf fast vier Milliarden gesehener Stunden. Wichtig war der Erfolg für die sündhaft teure Sci-Fi-Serie 3 Body Problem. Dem Budget von 160 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) stehen 388 Millionen gesehener Stunden gegenüber. Besonders interessant ist zudem: Gleich vier dieser Top-Ten-Serien sind britische Produktionen.

Überhaupt ist bemerkenswert, dass Netflix mit seinen nicht US-amerikanischen Serien einen solchen Erfolg hat. In den Top Ten ist mit Berlin noch eine spanische Serie vertreten. Serien aus Spanien, Südkorea, Frankreich, Japan und Indien liefen ebenfalls sehr gut, was die Strategie von Netflix unterstreicht, in den Ländern, in denen der Dienst aktiv ist, auch selbst zu produzieren. Andere Streamer folgen dem, aber bei weitem nicht in dem Umfang, wie es Netflix macht.

Der Engagement Report ist interessant. Ted Sarandos, der Co-CEO von Netflix, verlangt schon lange von anderen Streamingdiensten(öffnet im neuen Fenster), dem Netflix-Beispiel zu folgen und die eigenen Zahlen bekanntzugeben. Bislang ist niemand dem Beispiel gefolgt.

Weil die Zahlen weniger beeindruckend als bei Netflix sind – oder weil die Streamingdienste notorisch mysteriös sind, wenn es um die Abrufzahlen geht? Man weiß zumindest, dass Apple TV+ in einem Monat weniger Zuschauer hat als Netflix an nur einem Tag(öffnet im neuen Fenster).

Erfolg mit Franchises

Gibt es eine neue Staffel, wie die dritte von Bridgerton (744 Millionen Stunden), zieht das auch die früheren Staffeln mit. Auf Platz 11 und 12 des Reports finden sich die ersten beiden Staffeln der Serie mit 314 beziehungsweise 290 Millionen gesehener Stunden. Auch der Ableger Queen Charlotte aus dem letzten Jahr brachte es so noch einmal auf 158 Millionen gesehener Stunden.

Auch alte Kamellen performen gut

Selbst Serien, die nichts Aktuelles zu bieten haben, laufen gut – wenn sie zuvor schon erfolgreich waren. Die erste Staffel von Stranger Things findet sich auf Platz 132 mit knapp 73 Millionen gesehener Stunden. Die weiteren drei Staffeln nehmen die Ränge 187 bis 189 ein und kumulierten mehr als 240 Millionen gesehener Stunden.

Berlin als Ableger von Das Haus des Geldes bescherte auch der Mutterserie neues Interesse. Die sechs Staffeln wurden knapp 300 Millionen Stunden gesehen. Das zeigt aber auch den Wert nicht nur von Franchises, sondern von langlaufenden Serien, die Jahr für Jahr gute Werte mit sich bringen.

Wednesday, das bereits im November 2022 gestartet ist, brachte es im ersten Halbjahr 2024 auf über 100 Millionen gesehener Stunden, The Night Agent, das im März 2023 startete, auf mehr als 130 Millionen. Bei The Witcher sind es bei den ersten drei Staffeln 30 bis 40 Millionen gesehener Stunden pro Staffel. Diese Serien waren vom Fleck weg Hits und sind es weiterhin, obwohl neues Material noch auf sich warten lässt.

Flop oder Top

Die Zahl der gesehenen Stunden ist natürlich nur eine Variable. Eine andere enthält Netflix vor: die Budgets der einzelnen Produktionen. Nur in manchen Fällen sind sie recherchierbar.

Die österreichische Krimiserie Crooks, die jüngst verlängert wurde, kostete 15 Millionen Euro(öffnet im neuen Fenster) und brachte es auf 110 Millionen gesehener Stunden. Die nach nur einer Staffel eingestellte Serie Dead Boy Detectives, ein Ableger des Sandman-Universums, ist nicht so teuer wie The Sandman (mit 15 Millionen pro Folge), aber offensichtlich zu teuer, um sie fortzuführen. 91 Millionen gesehener Stunden waren jedenfalls nicht ausreichend.

Auch eingestellt wurde die Martial-Arts-Serie The Brothers Sun, die es auf 175 Millionen gesehener Stunden gebracht hat und nicht besonders teuer aussah.

Irgendwo im Mittelfeld ist der Wert versteckt, der eine Verlängerung erlaubt, so bei der südkoreanischen Mystery-Serie Gyeonseong, deren erste Staffel knapp 50 Millionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) kostete, die aber auch 134 Millionen gesehener Stunden hat. Netflix hat eine zweite Staffel bestellt.

Eingestellt wurde nach nur einer Staffel die Serie Völlig zerstört von den Cobra-Kai-Machern. Sie ist teuer, auch wenn die Macher kein genaues Budget nannten. Nach dem Start im November 2023 brachte es die Serie letztes Jahr auf knapp 185 Millionen gesehener Stunden. Im ersten Halbjahr 2024 kamen noch mal 90 Millionen gesehener Stunden hinzu, und das, nachdem die Serie schon Ende Januar 2024 eingestellt wurde.

Es ist natürlich reine Spekulation: Aber wie hätte sich die Serie entwickelt, wenn eine zweite Staffel angekündigt worden wäre? Es hat den Eindruck, dass Netflix potenzielle Hits fallen lässt, weil zu wenig Wert auf die langfristige Rentabilität gelegt wird.

Ein gutes Beispiel: Die erotische Serie Sex/Life, die nicht hochpreisig sein kann, die aber nach der zweiten Staffel eingestellt wurde, deren beide Staffeln aber 2024 noch 50 Millionen gesehener Stunden brachten. Die Serie fortzusetzen, hätte langfristig Sinn ergeben.

Der Katalog ist wichtig

Dabei sind es gerade auch die Katalog-Titel, die Netflix zeigen, dass mit langlaufenden Serien ansprechende Zuschauerzahlen erreicht werden können.

Der Katalog

Netflix produziert nicht nur selbst, sondern lizenziert auch älteres Material. Zu den großen Erfolgen gehört die Kinder-Zeichentrickserie Peppa Pig, die nicht in allen Netflix-Märkten vertreten ist, aber mit sechs Staffeln mehr als 300 Millionen gesehener Stunden generiert hat.

Die 2011 in den USA gestartete Anwaltsserie Suits ist für Netflix nach wie vor ein großer Erfolg. Die erste Staffel allein hat schon knapp 150 Millionen gesehener Stunden zusammenbekommen. Diese Serie bekommen Netflix-Abonnenten in Deutschland nicht zu sehen, wenn sie sich für das Werbeabo von Netflix entscheiden. Alle neun Staffeln zusammen haben mehr als 850 Millionen gesehener Stunden kumuliert.

Auch neue Formate profitieren davon, bei Netflix zu sein. Die Science-Fiction-Serie Resident Alien, die für den Syfy Channel produziert wurde und hierzulande bei Wow zu sehen ist, startete mit den ersten beiden Staffeln bei Netflix, nachdem diese bereits bei einem anderen Streamingdienst im Angebot gewesen waren.

Die erste Staffel brachte es auf 98 Millionen, die zweite auf 67 Millionen gesehener Stunden. Im Grunde ist eine Zweitauswertung für Netflix für "kleinere" Streamingdienste die beste Werbung. Wer nämlich die dritte Staffel in diesem Sommer sehen wollte, musste zu Wow wechseln.

Was fehlt

Der Netflix Engagement Report führt nicht alles auf, was bei dem Streamer zu sehen war. Besonders Filme fallen durch die Ritzen. Zwar hat Netflix auf seiner Website(öffnet im neuen Fenster) berichtet, dass der Fantasy-Film Damsel 144 Millionen Mal, der Mystery-Film Leave the World Behind 41 Millionen Mal und die Actionkomödie Lift mit Kevin Hart 129 Millionen Mal gesehen wurden, im Report tauchen sie aber nicht auf.

Das ist schade, da Netflix auch einen hohen Ausstoß an Filmen hat, die aufgrund ihrer Laufzeit natürlich weniger viele Stunden zusammenbekommen, aber in Hinblick auf die gestarteten Streams durchaus verglichen werden könnten.


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