Netcologne: Telekom-Vorleistungsverträge schalten regionale Anbieter aus
Die Glasfaser-Vorleistungsverträge der Deutschen Telekom bieten bei großen Abnahmemengen deutliche Preisnachlässe, weshalb bei anderen Netzbetreibern weniger Vorleistungen gekauft werden. Das sagte Netcologne-Chef Timo von Lepel Tagespiegel Background (Paywall)(öffnet im neuen Fenster). "Die Telekom arbeitet aber mit sogenannten Commitment-Verträgen. Verpflichtet sich ein Unternehmen, bestimmte Mengen an Vorleistungen einzukaufen, bekommt es deutlich bessere Preise. Diese Verpflichtung gilt bundesweit und hindert Wettbewerber daran, zusätzlich auch bei anderen Anbietern Glasfaser-Vorleistungen abzunehmen", erklärte von Lepel.
Nur ein marktmächtiges Unternehmen könne solche Verträge schließen, weil es keine Alternative zu ihm gebe, sagte er. Glasfaser-Vorleistungsverträge sind Vereinbarungen, bei denen die Telekom ihr Glasfasernetz an Konkurrenten wie Vodafone oder O2 vermietet, die so eigene Tarife an Endkunden verkaufen können.
Hintergrund der Aussagen von Lepels ist der Plan der Präsidentenkammer der Bundesnetzagentur vom Februar 2026, wegen des entwickelten Glasfaserausbaus in den vier Städten Ingolstadt, Köln, München und Wolfsburg die Telekom dort nicht mehr vorab zu regulieren. Für den Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein soll es laut der Behörde eine symmetrische Regulierung für alle Beteiligten geben. "Die Telekom fordert bei anderen Anbietern passiven Zugang, gewährt diesen aber selbst nicht auf dem eigenen Netz" sagte von Lepel.
Glasfaserausbau spürbar ausbremsen
Der Hauptstadtbüroleiter beim Bundesverband Breitbandkommunikation, Sven Knapp. hatte bereits im Februar erklärt(öffnet im neuen Fenster): "Die von der Bundesnetzagentur skizzierte teilweise Entlassung der Telekom aus der Regulierung kommt zum völlig falschen Zeitpunkt. In einer Phase, in der die Telekom so aggressiv auftritt wie nie zuvor, würde eine Deregulierung die Marktmacht des Ex-Monopolisten weiter stärken, Investitionssicherheit gefährden und den Glasfaserausbau spürbar ausbremsen."
Die Telekom verfolge eine Re-Monopolisierungsstrategie durch gezielten Doppelausbau, die Verweigerung des Einkaufs von Bitstrom-Vorleistungen, Faser-Mietmodelle und das Commitment-Modell, mit dem große Nachfrager langfristig gebunden würden.
Auch die Methodik der Marktanalyse überzeugt laut Knapp nicht. Zwei alternative Netze mit jeweils 60 Prozent Abdeckung bedeuteten noch keinen funktionierenden Wettbewerb. Dafür seien belastbare Marktanteile im Endkunden- und vor allem im Vorleistungsmarkt nötig. "Das Problem ist nicht falsche oder fehlende Regulierung, sondern ihre konsequente Durchsetzung", sagte Knapp.
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