3D-Druck on Demand: Actionfiguren mit TPU selbst gestalten
Neue Köpfe oder andere Körperteile für Actionfiguren sind unter Sammlern und Hobbyisten gefragt. Einfach weil es Spaß macht, Charaktere, die den Originalen ähnlich, aber doch neu sind, zu erschaffen und sie anschließend zu bemalen. Seit einigen Jahren berichten wir in loser Folge über das Customizen von Actionfiguren und lernen dabei von professionellen 3D-Designern, 3D-Druckexperten und erfahrenen Customizern.
Ein 3D-Designer half uns, existierende Masken für die Geheimagenten-Big-Jim-Figur zu scannen und in die 3D-Datei eines Kopfes aus der Reihe einzufügen, die wir zuvor schon erarbeitet hatten. Der Geheimagent sieht mit seiner Frisur herrlich nach 80er Jahre aus. Er trägt einen Trenchcoat und es gibt viele Masken, um seine wahre Identität auf Missionen zu verschleiern.
Wir wollten die Köpfe schon texturiert, also mit gescannter Originalbemalung und für einen Vollfarbdruck vorbereitet, sind aber wegen der hohen Kosten für die Herstellung der 3D-Datei für Multicolor wieder davon abgekommen. Auch wenn der Designer uns für seine hervorragende und aufwendige Scan-Arbeit einen sehr niedrigen Freundschaftspreis gemacht hat, sind die Ausgaben mit 348 Euro für den Hobbybereich für drei Texturierungen relativ hoch. Doch in unserer Dropbox liegt nun ein wahrer Schatz: neun neue Big-Jim-Köpfe, davon drei mit Bemalung.
Auch ganz andere Köpfe passen gut
Dazu finden wir bei Cults weitere wunderschöne 3D-Dateien(öffnet im neuen Fenster) von einem Nosferatu-Vampir, Conan dem Barbaren, He-Man, The Burning Cropsy oder Lenin. Sie müssen nur noch in der Größe angepasst und mit dem richtigen Nackenabschluss für Big-Jim-Körper versehen werden. Das sind eher einfache 3D-Designarbeiten. Inzwischen sind für so etwas bei Etsy 3D-Designer-Stunden für sehr viel weniger erhältlich, was wir derzeit ausprobieren.
Unsere fertigen Modelle drucken wir zunächst on-demand in SLA (Standardharz) mit einem "Hand polished Finish" in Weiß bei dem Dienstleister Sculpteo, der inzwischen zu BASF gehört.
Die Größe lag passend zum Original bei 27,6 × 31,1 × 35,9 mm. Allerdings erwies sich das 3D-Druck-Material SLA für unseren Zweck als ungeeignet: Es fühlt sich wie ein alter Tischtennisball aus Zelluloid an und bricht, wenn wir versuchen, es mit Wärme leicht zu dehnen, um den Kopf aufzusetzen.
TPU ist ein Elastomer, das kann mehr
Eine etwas längere Recherche brachte uns zu thermoplastischem Polyurethan (TPU). Das ist ein Elastomer, also ein synthetischer Kunststoff, der Flexibilität und Beständigkeit bieten soll. Sculpteo lieferte uns schöne Big-Jim-Köpfe aus dem Material, die sich nach dem Erwärmen in einem Topf mit Wasser sehr gut auf den Nackenknopf aufsetzen ließen. Da erst sieht man wirklich das Ergebnis: Eine neue Figur entfaltet ihre Wirkung, wenn der Kopf auf dem Körper sitzt.
Doch auch hier zahlen wir Lehrgeld. Ohne eine zusätzliche Nachbearbeitung durch Sculpteo(öffnet im neuen Fenster) kamen die Köpfe mit einer leicht pelzigen Beschichtung, die man nicht entfernen kann, ohne Details zu zerstören. So ein Untergrund lässt sich schlecht bemalen. Sculpteo hat aber eine sehr gute individuelle Kundenberatung, von der wir erfuhren, dass Chemical Smoothing Finish hier die Lösung ist. Ein Kopf kostet damit insgesamt 22,84 Euro plus Porto. "Das TPU, das wir drucken, ist kein Filament, es ist HP MJF Ultrasint TPU01, wir stellen es entweder mit Lasersintern oder mit HP Multijetfusion-Technologie her", sagte der Kundenberater.
Mit Sculpteo haben wir bereits zusammengearbeitet, doch der Dienstleister richtet sich eigentlich nicht mehr an Bastler und Hobbyisten, sondern an 3D-Designer, die Prototypen brauchen. Es muss für mindestens 50 Euro bestellt werden und der Expressversand ist mit 10 Euro zusätzlich obligatorisch. Dafür gibt es viele nützliche Tools. Die Sculpteo-Software bietet nach dem Upload einige praktische Funktionen zur Fehlerkorrektur und zum Aushöhlen der Datei. Das funktioniert jedoch nur, wenn in der Datei ein Loch vorhanden ist. Auch das kann man mit der Sculpteo-Software selbst einsetzen, ohne sich selbst in die sehr komplizierten 3D-Programme einarbeiten zu müssen.
Mattel spricht nicht mit uns
Ausblick: Big Jim war eine Spielzeugserie der Firma Mattel aus der Zeit von 1972 bis 1986 im Format 10 Zoll. Es gab Action-Figuren, Kleider, Waffen, Schuhe, Hüte, Autos, Motorräder, Häuser, Helikopter, Pferde oder gar einen Gyrocopter und vieles mehr. Warum dann eigentlich selbst neue Figuren gestalten, wo doch die industrielle Fertigung hier weit überlegen ist? Die Antwort ist einfach: Es gibt keine neuen Figuren von Mattel.
Zwar hatte der US-Konzern im Sommer 2022 nach jahrzehntelanger Pause zur Comic-Con International in San Diego wieder eine neue Big-Jim-Figur in einem Set mit anderen Retro-Charakteren auf den Markt gebracht. Doch dieser "Big Jim" ist sehr viel kleiner und passt für Sammler und Fans nicht in die 10-Zoll-Welt. Mattel und Mattel Deutschland beantworteten keine Anfragen von Golem.de, ob es die Originalfiguren nun irgendwann wieder geben wird.
Brian Heiler, Redakteur beim Toy-Ventures Magazine(öffnet im neuen Fenster) sagte Golem.de: "Das Mattel 3 Pack war kurz nach der Comic Con ausverkauft, was ich als gutes Zeichen werte. Die Charakterauswahl in Kombination mit dem Körperformat Secret Wars fand bei Sammlern Anklang. Natürlich war nicht jeder glücklich, ich kannte viele Sammler, die von dem Format abgeschreckt waren und etwas Authentischeres zu den Originalcharakteren wollten." Er hoffe, dass dies ein Zeichen für Mattel ist, dass Neuauflagen von Artikeln, die charaktergetreuer sind, gut ankommen würden.
Bis dahin also erst einmal weiter mit 3D-Druck und Fanart.
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