Neje DK-8-KZ im Test: Haltet die Sicherheitsbrille griffbereit!

Lasercutter und -gravierer von Markenfirmen kosten meist mehr als tausend Euro. Doch viele China-Shops bieten mittlerweile kleine Geräte für weniger als 100 Euro an. Wir haben untersucht, ob das Sparangebot auf die Kosten der Konstruktion, der Funktion und des eigenen Augenlichts geht.

Uns wurde ein Neje DK-8-KZ(öffnet im neuen Fenster) zum Test angeboten. Das Gerät wird als Lasergravierer vermarktet, der blaue 1-Watt-Laser (405nm Wellenlänge) unseres Modells kann aber auch dünne Materialien wie Papier und Moosgummi schneiden.
Der Karton des Lasergravierers ist nicht besonders groß, als wir ihn entgegennehmen. Wir öffnen ihn und haben Schwierigkeiten, das in Styropor gepackte Gerät überhaupt aus dem Karton zu bekommen, so eng ist es gepackt. Es gelingt uns aber doch, den Inhalt freizulegen; zwei lose beiliegende USB-Kabel, ein kleiner Inbusschlüssel und die Schutzbrille fallen uns dabei entgegen.
(Noch) Keine Schraube locker
Schließlich steht der Gravierer vor uns. Und wir sind durchaus überrascht. Das stabile, schwarze Acryl-Gehäuse ist ordentlich verarbeitet und weist keinerlei Fingerabdrücke oder Schmutzflecken auf. Montagearbeiten sind nicht erforderlich. Uns fällt aber auch die Masse an Schrauben auf, mit denen das Gehäuse zusammengehalten wird; selbst das gelbe Firmenlogo ist angeschraubt. Jetzt wird uns klar, warum ein Inbusschlüssel beiliegt. Früher oder später dürfte sich durch die Vibrationen beim Arbeiten die eine oder andere Schraube lockern.

Aus Sicherheitssicht sehr bedenklich ist die offene Konstruktion des Gravierers. Nichts verhindert einen Griff in den Laserstrahl während des Betriebs. Staub und Dreck können sich auf der Arbeitsfläche und in der Elektronik ansammeln.
Bastlerideen waren Vorbild
Auf der anderen Seite erhalten wir dadurch einen guten Einblick in die Mechanik des Gerätes. Und wir sind erneut überrascht: Sie kommt uns sehr bekannt vor. Die Mechanik und die Schrittmotoren entstammen offensichtlich DVD-Laufwerken oder waren ursprünglich dafür bestimmt. Der Laser und die Materialauflage wurden anscheinend direkt auf die jeweiligen Halteeinrichtungen des DVD-Lasers geklebt. Mit Ausnahme der Gehäusekonstruktion entspricht das Design recht genau jenen Bauanleitungen für Eigenbau-Lasergravierer(öffnet im neuen Fenster) , wie sie seit einiger Zeit in der Bastlerszene kursieren.
Ob es sich bei der Mechanik um gebrauchte Teile oder Neuware handelt, ist uns nicht ganz klar. Die Mechanik für die Y-Achse ist sauber und wirkt neuwertig, bei der X-Achse entdecken wir hingegen einige Spuren, die zumindest auf eine schlechte Lagerung oder unsaubere Behandlung hindeuten.
Die Anleitung ist besser als erwartet
Doch schließlich wollen wir den Gravierer in Betrieb nehmen. Wir werfen einen Blick in die beiliegende englischsprachige Anleitung. Das Englisch ist nicht das beste, aber auch keine reine Google-Übersetzung. Die Seite mit den Sicherheitshinweisen enthält auch den Verweis auf die Einhaltung der CE-Zertifizierung.
Vor dem Verbinden mit dem PC installieren wir den erforderlichen USB-Treiber von der beiliegenden Mikro-SD-Karte. Die zugehörige Brennsoftware muss nicht installiert werden, es reicht, sie auf die Festplatte zu kopieren. Überraschenderweise gibt es das Programm auch auf Deutsch, auch hier ist die Übersetzungsqualität in Ordnung.
Die Stromversorgung erfolgt über einen USB-A-Client-Anschluss, das notwendige Kabel für die Verbindung mit einem PC oder einem USB-Netzteil liegt bei. Das gilt auch für die Datenleitung. Dafür wird das Gerät per USB-B-Anschluss mit einem PC verbunden.
Kreischender Start
Schließlich verbinden wir das Datenkabel und das Gerät legt los: Wir erschrecken erst einmal und denken an eine Fehlfunktion. Die Schrittmotoren starten selbstständig und fahren jeweils die komplette Achse ab, bis es nicht mehr weitergeht – diesen Punkt signalisiert der Motor mit einem lauten Kreischen. Uns fällt auf, was wir bislang unbewusst vermisst haben: Auf keiner Achse gibt es Endstopschalter. Stattdessen scheint die Firmware des Gravierers die maximalen Fahrwege über den Strombedarf des Schrittmotors zu erkennen. Das dürfte sich langfristig negativ auf die Lebenszeit des Motors auswirken.
Wir legen ein Stück Karton auf die rote, 5 x 5 cm kleine Acryl-Arbeitsfläche des Geräts. Fixiert wird es mit zwei Gummibändern. Das wirkt zwar hemdsärmelig und ist etwas fummelig, funktioniert in der Praxis aber erstaunlich gut. Der Nachteil dieser Lösung wird aber deutlich, sobald wir beginnen, mit Holz zu experimentieren: Raue Oberflächen beschädigen mit der Zeit zwangsläufig die Gummibänder.
Brennen per Copy & Paste
Die Brennsoftware ist ein recht einfaches Windows-Programm. Wir können ein Bitmap-Bild per Drag & Drop importieren, das in eine 500 x 500 Pixel große Schwarz-Weiß-Darstellung umgewandelt wird. Jeder schwarze Pixel entspricht einem Punkt, der graviert werden soll. Das umgewandelte Bild müssen wir per Klick auf einen Button auf das Gerät laden. Ein weiterer Buttonklick startet den Brennvorgang. Ein näheres Studium der Anleitung informiert uns, dass wir alternativ auch den roten Knopf auf dem Gerät selbst betätigen können, um den Brennvorgang zu starten und abzubrechen. Es handelt sich nicht um einen reinen Notfall-Aus-Knopf, wie wir ursprünglich erwartet hatten.

Sonnenbrille ist uncool
Doch bevor wir loslegen, sollen wir laut Anleitung den Laser fokussieren. Dazu müssen wir die sogenannte Fokussierbrille aufsetzen und solange am Fokusring des Lasers drehen, bis der leicht sichtbare Laserpunkt einen minimalen Durchmesser aufweist. Schon beim Auspacken hat uns diese Brille eher ein schlechtes Gefühl vermittelt. Sie wirkt wie eine sehr billige Plastiksonnenbrille. Und der Eindruck bestätigt sich beim ersten Aufsetzen, ein Bügel springt dabei aus seiner Fassung. Wir setzen ihn wieder ein, nehmen die Fokussierung vor, entscheiden uns aber im weiteren Verlauf, während des Betriebes besser eine echte Laserschutzbrille aufzusetzen.
Der Brennvorgang geht los. Die Maschine arbeitet durchaus flott und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Allerdings erinnert uns unsere Nase daran, dass die Anleitung kein Wort zum Thema Lüftung verloren hat – genauso wie an den Hinweis, dass ein Feuerlöscher bei einem Lasergerät immer griffbereit sein sollte.
Auch schneiden klappt
Wir testen weitere Materialien und variieren auch die Brenndauer durch die Software; weitere Einstellmöglichkeiten fehlen. Die meisten Holz- und Kartonmaterialien können wir gravieren, Papier, dünnes Balsaholz und Moosgummi lassen sich aber auch schneiden. Leider zieht der Laser dabei auch die Acyrlarbeitsauflage in Mitleidenschaft. Wir behelfen uns mit einer dünnen Hartholzunterlage, um weitere Schäden zu vermeiden. Ein brennbares Material dafür zu nehmen, bereitet uns aber einige Sorgen.
Leider gibt der Hersteller keinerlei Informationen dazu, für welches Material welche Brenndauer sinnvoll ist.
Software so offen wie das Gerät?
Wir sind aber weiter neugierig. Wenn der Hersteller schon auf ein bekanntes Bastlerdesign setzt, hoffen wir, dass auch die Firmware der Open-Source-Szene entstammt – dann könnten wir zum Beispiel das Gerät mit alternativen Steuerprogrammen nutzen. Wir stoppen das Brennprogramm und versuchen, per Terminalprogramm direkt auf die USB-Schnittstelle zuzugreifen. Obwohl wir mit den Einstellungen herumexperimentieren, gelingt es uns nicht, sinnvoll mit dem Gravierer zu sprechen.
Einem Bastler ist es aber gelungen, das Protokoll zu entschlüsseln(öffnet im neuen Fenster) und eine Brennersoftware für Mac OS X zu schreiben, das Programm kann mittlerweile auch von der Hersteller-Webseite selbst heruntergeladen werden. Leider basiert das Protokoll nicht, wie wir hofften, auf G-Code, sondern verwendet eine simple Eigenimplementierung. Die Nutzung verbreiteter Werkzeuge zur Generierung von Steuercodes für Lasercutter zum Beispiel auf der Basis von Inkscape-Plugins bleibt damit außen vor.
Wir überlegen, ob wir eine eigene Firmware installieren können. Dafür schrauben wir die Rückwand ab, um Zugriff auf die Steuerungsplatine zu bekommen. Hier sind wir wieder erstaunt: die Verarbeitungsqualität ist außergewöhnlich gut. Wir finden darauf nur wenige Bauelemente: den Mikrocontroller, den USB-zu-seriell-Wandler und mehrere ICs zur Ansteuerung der Schrittmotoren.

Wir können die Bezeichnung des Mikrocontrollers entziffern: IAP 15F2K61S. Doch ein Datenblatt finden wir für den Chip nicht. Wir suchen etwas mehr in der Breite und stoßen schließlich auf ein Datenblatt für einen STC15F204EA(öffnet im neuen Fenster) . Dessen Package-Form unterscheidet sich zwar von unserem Mikrocontroller, allerdings handelt es sich um einen 8-Bit-Mikrocontroller mit 265 Byte RAM und bis zu 6 KByte Flash-Speicher basierend auf Intels 8051-Design. Das entspricht mit Ausnahme der Flash-Größe dem, was wir erwarten würden. Da wir aber auf der Platine außer einer seriellen Schnittstelle keine weitere Programmierschnittstelle eindeutig identifizieren können, hilft uns das für die Umprogrammierung ohne weitere Experimente nicht weiter.
Preis und Verfügbarkeit
Unser Gerät von Gearbest(öffnet im neuen Fenster) kostet in der 1-Watt-Variante inklusive Versand rund 67 Euro. Auf Ebay und bei anderen chinesischen Versendern variieren die Preise zwischen 65 und 75 Euro. Bei Preisen unter 65 Euro handelt es sich um die 500-mW-Variante des Modells.
Fazit
Wir sind durchaus beeindruckt. Für den Preis ist die grundsätzliche Fertigungsqualität des Neje-Lasergravierers gut. Die Software ist zwar simpel und intuitiv zu benutzen. Die "Auflösung" von 100 Pixeln pro Zentimeter ermöglicht auch feine Strukturen. Wer schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, einen Lasergravierer selbst zu bauen, aber dazu keine Zeit hatte, kann stattdessen auch zu diesem Gerät greifen.
Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die gesamte offene Konstruktion an sich unsicher ist. Bei der beiliegenden Brille weist selbst der Hersteller darauf hin, dass es sich nicht um eine Sicherheitsbrille für die Arbeit mit Lasern handele. Auch wenn die Bedienung äußerst einfach ist und das schicke Acrylgehäuse optisch auch ins Wohnzimmer passt – keinesfalls sollte das Gerät irgendjemanden in die Hand gedrückt werden, der sich der Gefahren nicht bewusst ist. Ein Spaßgerät fürs Basteln mit den Kindern am Wochenende sind die Neje-Geräte auf keinen Fall.



