Neben Taliban und Gazprom gelistet: Taiwan verbietet Kooperation mit Huawei und SMIC

Die Entity List der US-Regierung ist gut bekannt, dass die Republik China, besser bekannt als Taiwan, ebenfalls eine solche pflegt, hingegen weniger. Beide verfolgen dasselbe Ziel: den Abfluss von Hochtechnologie an Unternehmen und Staaten zu verhindern, welchen die jeweilige Regierung nicht traut. Taiwan begann seine Liste etwa mit den Taliban und Personen, die Sanktionen gegen Nordkorea umgangen haben sollen.
Während die US-Regierung früh explizit die Kooperation mit Halbleiterherstellern aus der Volksrepublik China untersagte, war die taiwanische Regierung hier bislang recht zurückhaltend. Das hat sich mit einer kürzlich erfolgten, umfangreichen Ergänzung der Liste ( abrufbar über das Handelsministerium, CSV(öffnet im neuen Fenster) ) geändert, über die der Finanznachrichtendienst Bloomberg zuerst berichtete(öffnet im neuen Fenster) . Seitdem sind auch Huawei und SMIC, die wichtigsten Halbleiterhersteller der Volksrepublik, dort aufgeführt.
Unternehmen aus Taiwan benötigen nicht nur für den Export von Gütern an die gelisteten Firmen und Personen eine Genehmigung. Auch Geldzahlungen von diesen und Dienstleistungen für diese müssen angezeigt und genehmigt werden. Bloomberg sieht den Hintergrund der Ergänzung um Huawei und SMIC primär darin, den Bau neuer Halbleiterfabriken (Fabs) in der Volksrepublik zu erschweren. Betroffen sind allerdings Standorte weltweit, auch Huawei Deutschland ist aufgeführt.
Taiwanische Unternehmen haben Huawei-Fabs gebaut
Insbesondere Huawei spielt eine zentrale Rolle bei diesem Ausbau und soll mittlerweile elf eigene Fabs betreiben . Für deren Aufbau griff das Unternehmen nach Recherchen von Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) auf die Expertise mehrerer Firmen aus Taiwan zurück.
Aufgrund der zentralen Bedeutung für die weltweite Halbleiterbranche verfügt die Republik China hier über umfangreiches Know-how. Auch in der Entwicklung und Fertigung von Halbleitern griff Huawei in der Vergangenheit auf die Dienste taiwanischer Unternehmen zurück, was zu großangelegten Ermittlungen führte .
Umfangreiche Sanktionsliste
Die Entity List des taiwanischen Handelsministeriums liest sich wie ein Who's who der Halbleiterbranche der Volksrepublik China: Huawei und SMIC sind nur die prominentesten und jüngsten Einträge, es finden sich auch diverse Maschinenbauer (Naura, Piotech, Skyverse, SMEE) sowie kleinere Halbleiterhersteller und Dienstleister.
Insgesamt umfasst die Sanktionsliste rund 10.800 Einträge, einige Unternehmen tauchen mit verschiedenen Namen oder Standorten mehrfach auf – Huaweis Niederlassung in Deutschland etwa hat einen eigenen Eintrag. Auch russische Unternehmen wie Gazprom sind reichlich vertreten, ebenso wie der iranische Kampfdrohnenhersteller Shahed. Für Lieferungen an das von Russland besetzte Kernkraftwerk Saporischschja ist ebenfalls eine Lizenz erforderlich.