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Nebelernte: Netze sammeln Wasser in der Wüste

In einem Experiment hat eine Forschungsgruppe getestet, wie viel Wasser sich aus dem Nebel in der Atacama-Wüste einsammeln lässt.
/ Patrick Klapetz
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Aufnahmen der Nebelkollektoren (Bild: V. Carter, N. Verbrugghe, F. Lobos-Roco, et al.)
Aufnahmen der Nebelkollektoren Bild: V. Carter, N. Verbrugghe, F. Lobos-Roco, et al.

Ein chilenisch-belgisches Forschungsteam hat untersucht(öffnet im neuen Fenster) , ob sich eine neue Wasserquelle in der Atacama-Wüste in Chile erschließen lässt, und das, obwohl sie mit weniger als einem Liter Niederschlag pro Quadratmeter pro Jahr zu einer der weltweit trockensten Regionen gehört.

Viele Städte in der Region nutzen Grundwasser. Doch das stammt aus Regenfällen, die zuletzt vor 10.000 bis 17.000 Jahren in größerem Ausmaß niedergingen. Für das Experiment stellte das Team große Netze als Nebelkollektoren auf, die ohne zusätzliche Energiequelle auskamen. Bei Nebel sammelten sie das Wasser in der Luft auf.

Dafür wurden die Netze zwischen zwei Pfosten gespannt. Die Tröpfchen aus dem Nebel kondensieren auf der Oberfläche des Netzes und fließen in eine darunter angebrachte Rinne. Von dort aus gelangt das Wasser in einen dafür vorgesehenen Behälter.

Zugang zu Trinkwasser überwiegend über Lkw-Lieferungen

Bereits heute wird dieses Konzept in ländlichen Regionen in Afrika und Südamerika getestet. Die Forschungsgruppe wollte jedoch herausfinden, welches Potenzial die Methode für eine urbane Umgebung bietet.

Deswegen wurden die Kollektoren um die schnell wachsende Stadt Alto Hospicio im Norden der Atacama-Wüste aufgebaut. Nur etwa 1,6 Prozent der Häuser sind hier ans Wassernetz angeschlossen. Die meisten der ungefähr 10.000 Bewohner sind deshalb auf Wasserlieferungen per Lastwagen angewiesen.

Das Potenzial der Nebelkollektoren

In einem Gebiet von 100 Quadratkilometern rund um Alto Hospicio könnten täglich zwischen 0,2 und 5 Liter Nebelwasser pro Quadratmeter gesammelt werden – das gilt aber nur für höher gelegene Bereiche außerhalb der Stadtgrenzen. Dort wurden in den Monaten August und September 2024 täglich sogar bis zu zehn Liter pro Quadratmeter an Nebelwasser gesammelt.

Das Forschungsteam geht davon aus, dass bei einer durchschnittlichen Rate von 2,5 Litern Wasser pro Quadratmeter am Tag eine Netzfläche von 17.000 Quadratmetern nötig ist, um wöchentlich etwa 300.000 Liter an Wasser zu sammeln. Die städtischen Slums würden davon profitieren.

Für die Bewässerung der Grünflächen bräuchte es jährlich nur etwa 100.000 Liter Wasser. Dafür würde eine Netzfläche von 110 Quadratmetern ausreichen. Dafür werden aber große Speichersysteme und Rohrleitungen benötigt.

Auch andere Regionen auf der Erde könnten von dieser Methode profitieren. Jedoch benötigt es dafür gut ausgerichtete erhöhte Landformen, eine ausreichende Nebeldichte und geeignete Windmuster. Die Methode allein reicht laut der Arbeitsgruppe zwar nicht aus, könnte aber in eine umfassendere Wasserstrategie eingebunden werden.

Zur Studie

Die Studie wurde am 20. Februar 2025 in der Fachzeitschrift Frontiers in Environmental Science veröffentlicht: Unlocking the fog: assessing fog collection potential and need as a complementary water resource in arid urban lands – the Alto Hospicio, Chile case(öffnet im neuen Fenster) (Die Erschließung des Nebels: Bewertung des Potenzials und der Notwendigkeit der Nebelsammlung als ergänzende Wasserressource in trockenen städtischen Gebieten – der Fall Alto Hospicio, Chile).


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