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Navigation: SuperGPS mit zehn Zentimetern Genauigkeit

Eine Innovation aus den Niederlanden nutzt das Mobilfunknetz statt Satelliten. Es ist vor allem für autonome Fahrzeuge gedacht.
/ Wolfgang Kempkens
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Kommunikation zwischen Mobilfunkmasten und Autos (Bild: Stefan Timmers)
Kommunikation zwischen Mobilfunkmasten und Autos Bild: Stefan Timmers

Mit einem neuartigen Navigationssystem lassen sich Positionen auf zehn Zentimeter genau bestimmen, bis zu 100-mal präziser als mit dem alltäglich genutzten US-System Global Positioning System (GPS). Selbst das europäische Galileo schafft nur plus/minus 1,5 Meter.

SuperGPS, wie die niederländischen Entwickler das System nennen, kommt ohne Satelliten aus. Es kann überall installiert werden, wo es ein lückenloses Mobilfunknetz gibt.

Gedacht ist es vor allem für städtische Bereiche, in denen GPS-Signale nicht 100-prozentig zuverlässig sind. SuperGPS soll insbesondere autonom fahrende Autos leiten, die sich nicht so gut zurechtfinden, wenn sie nur auf GPS angewiesen sind.

Basiszeit stammt aus Atomuhren in Delft

"Wir haben erkannt, dass das Mobilfunknetz mit einigen bahnbrechenden Innovationen in ein sehr genaues alternatives Ortungssystem umgewandelt werden kann, das unabhängig von GPS ist" , sagte Jeroen Koelemeij von der Vrije Universiteit Amsterdam. Koelemeij gehört zu einem Team, das Christiaan Tiberius von der Technischen Universität Delft leitet. Ebenfalls dabei sind Forscher des Nationaal Metrologisch Instituut (VLS) in Delft, das auch für das Zeitsignal im Land zuständig ist. Es betreibt vier Atomuhren.

Die Forscher verbanden das Mobilfunknetz mittels bereits vorhandenen und genutzten Lichtwellenleitern mit dem Zeitsignal aus Delft. Die Mobilfunkmasten würden so zu "irdischen GPS-Satelliten" , erklärte das Team. Durch Triangulation auf der Basis von Signallaufzeiten wird die Position des SuperGPS-Empfängers ständig in Echtzeit ermittelt.

Mobilfunknetz wird zur Atomuhr

"Wir verwandeln das Mobilfunknetz in eine landesweit verteilte Atomuhr" , sagte Erik Dierikx vom VSL. "Das ermöglicht viele neue Anwendungen wie eine sehr genaue Positionierung. Mit dem hybriden optisch-drahtlosen System, das wir jetzt demonstriert haben, kann im Prinzip jeder drahtlos auf die bei VSL produzierte nationale Zeit zugreifen. Es bildet im Grunde eine extrem genaue Atomuhr, die auf eine Milliardstel Sekunde genau ist."

SuperGPS arbeitet mit einer besonders großen Bandbreite. "Diese hilft, verwirrende Signalreflexionen auszusortieren und ermöglicht eine höhere Positionierungsgenauigkeit" sagte Gerard Janssen von der TU Delft, der ebenfalls zum Team gehört. Eine kommerzielle Nutzung ist bisher nicht konkret geplant.


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