National Roaming: 1&1 kooperiert langfristig mit Vodafone

Der Mobilfunkbetreiber Vodafone sucht überraschend den Schulterschluss mit dem Rivalen 1&1, um mehr Geld in die Kasse zu bekommen. Beide Firmen teilten am 2. August 2023 mit(öffnet im neuen Fenster) , sich auf eine National-Roaming-Partnerschaft geeinigt zu haben.
Das heißt, dass 1&1-Kunden spätestens ab Oktober 2024 dort, wo ihr Vertragspartner keine eigenen Masten hat, mit dem Vodafone-Netz verbunden werden. Dafür bekommt Vodafone Mieteinnahmen. Bisher hat 1&1 einen solchen Vertrag mit dem Wettbewerber Telefónica Deutschland (O2), dieser gilt aber nur für 4G. Bei Vodafone ist hingegen auch 5G und damit der neueste Mobilfunkstandard inbegriffen.
In der Börsenmitteilung heißt es dazu: "Ab dem plangemäßen Start des 1&1-Mobilfunknetzes auf Basis der neuartigen OpenRAN-Technologie Ende nächsten Monats werden auf dem Netz von 1&1 Kunden mit 4G-Mobilfunktarifen zunächst mit flächendeckenden National-Roaming-Leistungen von Telefónica versorgt, bis die National-Roaming-Versorgung durch Vodafone bereitsteht."
Zur Preisberechnung erklären beide Firmen: "Berechnungsbasis ist ein sogenanntes Kapazitätsmodell, bei dem 1&1 den von seinen Kunden jeweils prozentual genutzten Anteil des Vodafone-Netzes zu einem Festpreis je Prozentpunkt vergütet. Dieser Festpreis ändert sich von Zeit zu Zeit analog zur prozentualen Kostenentwicklung des Vodafone-Netzes. "
Vorwürfe gegen Vodafone-Tochter
1&1 baut derzeit ein eigenes Mobilfunknetz, kommt hierbei aber nur schleppend voran . Bei der Frage, warum es so langsam vorangeht, liegen 1&1 und Vodafone im Clinch: Der Neueinsteiger wirft Vodafone vor , Einfluss auf den Infrastrukturbetreiber Vantage Towers ausgeübt und den Bau von Hunderten Handymasten und Dachstandorten für 1&1 gebremst zu haben.
Vodafone hält zusammen mit Investoren die Mehrheit an Vantage Towers. Die britische Firma bestreitet die Vorwürfe. Zu dem Sachverhalt leitete das Bundeskartellamt im Juni ein Missbrauchsverfahren ein .
Vodafone steht unter Druck, zuletzt verlor die Firma Marktanteile . Mit einem Sparprogramm samt Personalabbau will das Unternehmen wieder auf Kurs kommen. Die Zusammenarbeit mit 1&1 bringt nun dringend benötigten Extra-Umsatz. Die Partnerschaft beträgt maximal 18 Jahre. Vodafone-Deutschlandchef Philippe Rogge sagte, dass beide Seiten langfristig profitierten. "1&1 erhält Zugang auch zu 5G, und die attraktiven Konditionen dieser Partnerschaft helfen uns als Vodafone, unsere Netze noch besser auszulasten und sie für unsere Kunden weiter zu verbessern" , sagte Rogge.
Nach Bekanntgabe der Partnerschaft zog der Börsenkurs von 1&1 kräftig an, Vodafone legte nur moderat zu. Der Kurs von Telefónica Deutschland brach hingegen ein. Dieses Unternehmen muss längerfristig auf Einnahmen verzichten, die sie bisher von 1&1 als Noch-Mieter erhält beziehungsweise in Aussicht gestellt bekommen hat.



