Die Angst vor der neuen Technik

Aber ohne den Einsatz neu entwickelter Technik gibt es keine verbesserten, zuverlässigeren und billigeren Komponenten. Die Falcon 9 ist im Jahr 2019 so billig, wie das Spaceshuttle im Jahr 1972 geplant war. Ein Start sollte - inflationsbereinigt - nur 57 Millionen US-Dollar kosten. Die Falcon 9 kann heute selbst ohne Wiederverwendung für vergleichbare Preise vergleichbare Nutzlast transportieren. Es bleibt aber immer noch abzuwarten, ob die privaten Unternehmen wie Blue Origin und SpaceX dauerhaft bessere Lösungen anbieten können.

Derweil erinnert das Starship von SpaceX an das alte Spaceshuttle-Konzept. Die niedrigeren Preise sollen durch viele Flüge ermöglicht werden, ohne größere Arbeiten an Trägerrakete und Raumschiff zwischen den Starts. Ob das gelingt, kann in Frage gestellt werden. Teile wie die Raptor-Triebwerke, die Aerodynamik und die aktive Kühlung anstatt von Hitzeschutzschilden sind neu und potenziell fehleranfällig. Beim Spaceshuttle tauchten bis 1986 nach mehreren Flügen in kurzer Folge viele Fehler auf, einer davon war tödlich.

Unabhängig vom möglichen Misserfolg des Starship demonstrierte SpaceX den Erfolg von regelmäßiger Einführung neuer Technologie in ein Gesamtsystem. Die Technik wurde schrittweise weiterentwickelt, wie schon im Apollo-Programm. Die Falcon 1 diente als Prototyp, um Erfahrung für größere Raketen zu sammeln. Die Falcon 9 verwendete danach die gleichen Merlin-Triebwerke und die gleiche Technik zur Tankherstellung. Die Rakete durchlief in acht Jahren vier größere Entwicklungsschritte mit verbesserten Triebwerken und Bauteilen sowie der Einführung der Wiederverwendbarkeit. Der Dragon-Frachter erprobte gleichzeitig die Technologie für das Dragon-Raumschiff.

Raumfahrt scheitert ohne schrittweise Verbesserungen

Die staatlichen Raumfahrtorganisationen scheitern am Fehlen dieser Regelmäßigkeit. Das Spaceshuttle bestand genauso wie Hermes und die Ariane 5 in Europa fast vollständig aus unerprobter Technik, die in einem komplexen System zusammenarbeiten sollte. Der Raumgleiter Hermes sollte von Ingenieuren ohne vorherige Erfahrung im Bau von Raumschiffen gebaut werden und scheiterte schon in der Entwicklung. Das Spaceshuttle scheiterte nach zwei tödlichen Unfällen an der Zuverlässigkeit.

Um Unzuverlässigkeit zu vermeiden, wurde alte Technik vorgeschrieben, oft an Stellen, für die sie nicht entwickelt wurde. Die Ariane 5 stürzte ab, weil die Steuersoftware der Ariane 4 übernommen wurde. Die Ares I bestand aus einem einzigen Feststoffbooster des Spaceshuttles mit einer Oberstufe. Kritiker sagten von Anfang an, dass die Vibrationen des Boosters viel zu stark für die kleine Rakete seien. Wie Ares V soll SLS den externen Treibstofftank des Spaceshuttles als zentralen Teil einer Rakete benutzen, die Strukturtests hat die Raketenstufe noch immer nicht bestanden. Die Oberstufe der Ariane 5 fliegt seit 18 Jahren mit dem viel zu kleinen HM7B-Triebwerk der Ariane 2.

Private Firmen haben klarere Ziele als die Raumfahrtorganisationen

Den Bau von Raumschiffen hat die Esa seit dem Hermes-Debakel ganz aufgegeben. Die Nasa steht beim Bau von SLS kurz davor, wenn auch mit einem Ersatz durch private Firmen. Ob das ein Neuanfang mit Zukunft ist, muss sich zeigen. In einer ungewöhnlichen Umkehrung üblicher Verhältnisse messen sich ausgerechnet die Programme der privaten Firmen an visionären Zielen, in denen hohe Kosten ein Hindernis und Profite nur ein Mittel zum Zweck sind.

SpaceX will eine Kolonialisierung des Mars ermöglichen. Blue Origin will, dass eine Million Menschen im Weltall arbeiten. Noch dazu können sie funktionierende Raketen und Raumschiffe vorweisen, dazu weit überlegene Triebwerkstechnik, die in den USA bisher aus Russland importiert werden musste.

Es ist fraglich, ob dieser ungewöhnliche Zustand anhält. Ähnliches galt während des Apollo-Programms auch für Vertragspartner der Nasa wie Aerojet, Boeing, Lockheed Martin und viele andere, die für den heutigen Zustand der US-Raumfahrt und damit auch SLS verantwortlich sind.

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 Gesetzlich verordnete Sparmaßnahmen funktionierten nicht
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PaBa 27. Mär 2019

Die Starts werden ja ausgeschrieben und da ist es wirtschaftlich, das Maximum...

Kay_Ahnung 22. Mär 2019

Nein Musk hat schon 2017 seine Beraterposition gekündigt: https://www.sueddeutsche.de...

DeathMD 22. Mär 2019

Sorry aber das ist Blödsinn. Die zweite Stufe der Saturn IB (S-IVB-200) entsprach im...

HeroFeat 21. Mär 2019

Ich halte es auch nicht für wahrscheinlich das sich da irgendwann in den nächsten...



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